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Kultur Academy of St Martin in the Fields begeistert
Weltgeschehen Kultur Academy of St Martin in the Fields begeistert
18:33 15.01.2019
Foto: Joshua Bell trat mit der Academy of St Martin in the Fieldsvor 1800 Besuchern im Kuppelsaal Hannover auf.
Joshua Bell trat mit der Academy of St Martin in the Fieldsvor 1800 Besuchern im Kuppelsaal Hannover auf.
Hannover

Wer mit dem etwas diffusen Begriff „Klangkultur“ nicht viel anfangen kann, sollte ein Konzert der Academy of St Martin in the Fields besuchen. Zum Glück spielt das berühmte Kammerorchester – weltweit gibt es von keinem anderen mehr Tonaufnahmen – recht regelmäßig in Hannover, und rund 1800 Besucher wollten sich den jüngsten Auftritt im Kuppelsaal nicht entgehen lassen. Er endete mit verbreiteten Ovationen im Stehen. Ein außergewöhnlicher Abend war es ja auch tatsächlich. An welcher Stelle aber der Jubel am ehesten angebracht schien, sei dahingestellt – das wiederum hat viel mit Geiger Joshua Bell zu tun, der das Orchester seit 2011 leitet und vor allem als Solist durchaus polarisiert.

„Ouvertüre für Violine und Orchester“

Gern hört man immer wieder mal etwas Neues, indes bedeutet „neu“ nicht zwangsläufig „gut“. Edgar Meyers 2017 uraufgeführte „Ouvertüre für Violine und Orchester“ ist, selbst wenn man bei diesem Genre Zugeständnisse machen muss, eine eher bröckelige Angelegenheit, die schwer in die Gänge kommt, dann zwar zwischendurch mit jazzigen Anklängen einige Power entwickelt, aber unter dem Strich zu konturlos bleibt. Da nützte dann auch die besagte Klangkultur wenig, die seit jeher die größte Stärke dieses Ensembles ist: Hier stimmt einfach die Balance, sei es diejenige zwischen Bläsern und Streichern, sei es das sichere Gespür dafür, wie weit der Esprit gehen darf, ohne ins Aufgesetzte umzukippen.

Sinn für originelle Wirkungen

Diese Qualität kam besonders beim folgenden Programmpunkt zum Tragen. Warum die C-Dur-Symphonie von Georges Bizet so selten gespielt wird, ist zumindest nach diesem Vortrag ein Rätsel. Gewiss, die Hauptmotive sind nicht gerade ein Ausbund an Vielschichtigkeit, was angesichts der Tatsache, dass Bizet zum Zeitpunkt dieser Komposition erst 17 Jahre alt war, auch wenig überrascht. Aber es steckt viel Schwung in dieser Musik und auch Sinn für originelle Wirkungen, wenn etwa geschmeidige Holzbläser auf Streicher-Pizzicati treffen. Ein gefundenes Fressen für die Academy, die Bell hier vom ersten Pult aus anleitete und bewies, dass er sich voll in den Gesamtklang einfügen kann.

Tschaikowsky nach der Pause

Das war nach der Pause bei Tschaikowskys berühmtem Violinkonzert nicht anders, und natürlich demonstrierte Bell einmal mehr seine Fähigkeit, wunderbar unangestrengt zu spielen. Und doch kann man über das Ausmaß des anschließenden Jubels streiten, weil da eine gewisse Beiläufigkeit ins Spiel kam – nicht jede Phrasierung schien wirklich ausgearbeitet. Den berüchtigten Kritiker Eduard Hanslick veranlasste dieses Werk seinerzeit zu den oft zitierten Überlegungen, „ob es nicht auch Musikstücke geben könnte, die man stinken hört“. Gestunken hat hier gar nichts, und, um im Bild zu bleiben, auch von zu viel Parfüm kann kaum die Rede sein. Aber hier und da wären klarer definierte Duftnoten dann doch erfreulich gewesen. Der Verzicht auf eine Zugabe war dagegen eine kluge Entscheidung – das hätte nach einem solchen Kaliber mit großer Sicherheit nur eine Verwässerung zur Folge gehabt.

Von Jörg Worat

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