Hannover

Hannoveraner Künstler Leiv Warren Donnan zeigt Werke im Sprengel Museum

„Ich habe kein Programm“, sagt Leiv Warren Donnan. In der Tat finden sich im Werk des hannoverschen Künstlers alle möglichen Einflüsse, ohne dass er auf eine bestimmte Stilrichtung zu reduzieren wäre. Davon kann man sich bei einer Ausstellung seiner Radierungen im Sprengel Museum überzeugen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 27. Juli 2018 | 11:56 Uhr
  • 10. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 27. Juli 2018 | 11:56 Uhr
  • 10. Juni 2022
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Hannover.

Die Schau hat einen ungewöhnlichen Hintergrund: Donnan ist vor wenigen Tagen 80 Jahre alt geworden und hat die üblichen Rollen von Beschenktem und Schenkendem umgedreht, indem er dem Museum ein Konvolut von Druckgrafiken zukommen ließ, eigene wie auch solche anderer Künstler, darunter große Namen wie Wolfgang Petrick oder Karl Horst Hödicke. Die Ausstellung ist ein Teil dieses Präsents und bietet Donnan pur.

Der gebürtige Australier hat in Berlin Kunst studiert, und zwar in einer Zeit, als Figürlichkeit in den Darstellungen weitgehend verpönt war. Donnan hat diese Ideologie nicht wirklich eingeleuchtet, bei ihm findet sich vielmehr häufig eine Mischung aus abstrakten und konkreten Elementen. Typisch ist hier außerdem eine mehrdeutige Dynamik: Bewegung spielt bei ihm eine große Rolle, bleibt allerdings in ihrer Ausrichtung offen. Als Beispiel möge das Blatt „Springer“ von 1969/70 dienen, bei dem vier Platten übereinander gedruckt sind: Man glaubt in der Tat eine froschartig hüpfende Figur zu erkennen, dazu gesellen sich auf einer anderen Raumebene indes auch Gestalten, die in eine Art Ringkampf verwickelt zu sein scheinen.

Die jüngste Arbeit der Ausstellung stammt von 2008, den Schwerpunkt bilden jedoch Radierungen aus den 60er Jahren. Hier findet sich auch das Blatt „Großgörschenfasching“, das sich auf „Großgörschen 35“ bezieht, die erste Produzentengalerie Deutschlands. Donnan gehörte 1964 zu den Mitbegründern; unter seinen Kollegen war damals Markus Lüpertz, der später zum Kunst-Star avancieren sollte: „Es gab damals in Berlin kaum Galerien“, erläutert Donnan. „Wenn wir uns also Gehör verschaffen wollten, mussten wir die Sache selbst in die Hand nehmen.“

Eine 1972er Radierung wiederum thematisiert den Kendo-Kampf, den der Künstler selbst ausgeübt hat, „um meine schlecht kontrollierte Aggressivität in den Griff zu kriegen“, wie Donnan meint. „Jetzt im hohen Alter spielt dieses Thema weniger eine Rolle.“ Da schwingt durchaus eine Prise Selbstironie mit, und überhaupt macht der Künstler einen eher tiefenentspannten Eindruck. Und was das Alter anbelangt: Wenn Leiv Warren Donnan Sätze von sich gibt wie „Besonders gern mag ich ja die Arbeiten, die ich noch nicht gemacht habe“, wird ganz klar, dass er dieses Werk keineswegs als abgeschlossen betrachtet.

Von Jörg Worat

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