Premiere The Black Rider

Von magischen Kugeln und gezähmten Tigern

Ein gelungenes Experiment mit einem schwerem Stoff: "The Black Rider" feiert Premiere am Schlosstheater

  • Von Jürgen Poestges
  • 14. Nov 2021 | 16:17 Uhr
  • 10. Jun 2022
  • Von Jürgen Poestges
  • 14. Nov 2021 | 16:17 Uhr
  • 10. Jun 2022
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Celle.

Es ist alles andere als ein „normales“ Theaterstück. „The Black Rider“, das am vergangenen Freitag Premiere feierte, ist auch kein leicht-lockeres Musical, bei dem den Zuschauern der Zugang zufliegt. Es ist ein Experiment, dass das Schlosstheater Celle mit diesem Stück auf die Bühne bringt. Und – so viel vorweg – es ist ein gelungenes. Im Programmheft wird es treffend beschrieben: „Die Avantgarde der amerikanischen Popkultur nähert sich in freien Assoziationen einem deutschen Mythos“, nämlich Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“.

Wettschießen muss entscheiden

Es beginnt in einem Festzelt. Die Musik spielt auf, es wird gegessen und getrunken. Förster Bertram (Jan Arne Looss) stellt klar, dass er für seine Tochter Kätchen (Pia Noll) nur einen echten Jäger als Ehemann dulden will. Da kommt dann Jägerbursche Robert (Alexander von Säbel) ins Spiel. Doch Kätchen ist verliebt in den Schreiber Wilhelm (Florian Kleine). Anne (Bérénice Brause), Kätchens Mutter, versucht zu vermitteln, allerdings vergeblich. Nun soll ein Wettschießen entscheiden, wer denn die Hand der Tochter bekommen soll.

Ein teuflisches Spiel

Da sieht sich Wilhelm im Nachteil. Bis Stelzfuß (Dirk Böther) sein teuflisches Spiel eröffnet und ihm gezinkte Kugeln gibt, die immer ihr Ziel treffen. Doch der Teufel macht keine Geschenke ohne Gegenleistung. Und die Folgen dieses Geschäfts sind fatal.

Kein leichter Zugang

Man muss sich einlassen auf dieses Stück, und der Zugang wird einem zunächst nicht leicht gemacht. Die Figuren sind schon alleine durch ihre Aufmachung überzogen dargestellt, gesungen wird überwiegend in Englisch. Die Musik von Tom Waits wurde von Moritz Aring für seine Jazzband umarrangiert und ist stimmig. Tiana Kruškic verleiht allem als „The Voice“ zusätzliche Energie.

Umsetzung des Stoffs von William S. Burroughs

Regisseur Sebastian Sommer hat das skurrile Märchen gemeinsam mit Bühnenbildnerin Lise Kruse und Kostümbildnerin Wicke Naujocks gelungen in Szene gesetzt. Dem Ensemble merkt man den Spaß an dem Stück an, sie gehen auf in ihren Rollen, genießen die Umsetzung des aus einem Drogenrausch von Autor William S. Burroughs entstanden scheinenden Märchens, ohne dabei ihre Rollen aus den Augen zu verlieren. Man fiebert mit, wenn alle auf der Bühne buchstäblich mit Wilhelm mitzittern, wen er zum ersten mal eine Waffe in der Hand hält. Vor allen Dingen Dirk Böther genießt „seinen“ Teufel sichtlich, und Marius Leonard als Wilhelms Onkel sorgt für viele Schmunzler. Nicht zu vergessen der Ritt durch den Wald auf zwei Tigern – herrlich schräg eben alles.

Die Jazzband setzt ihre Musik auch neben den Songs gezielt und pointiert ein, passend zur Dramatik mal schrill oder mal schräg. Gesanglich saß bei der Premiere noch nicht jeder Ton perfekt, was aber ob der durchaus nicht leichten Lieder nichts am letztendlichen Genuss änderte. Das Publikum war`s zufrieden, zwei Zugaben sprechen da für sich.

Weitere Termine im Schlosstheater jeweils um 20 Uhr: 16., 19. und 21. November, 4., 8.. 9., 10., 15., 16., 18., 21. und 31. Dezember sowie 10. und 22. Januar; 28. November um 15 Uhr, 31. Dezember auch 16 Uhr.