Walldoff-Hommage

Humorvoll und mit großer Stimme

Expressiv, humorvoll und mit großer Stimme interpretierte Elzbeta Laabs das Berliner Original Claire Waldoff in Kunst & Bühne.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 25. Oct 2020 | 16:00 Uhr
  • 10. Jun 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 25. Oct 2020 | 16:00 Uhr
  • 10. Jun 2022
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Celle.

Frech, laut und spitzbübisch – die Berliner liebten ihre Claire Waldoff. Am Freitagabend kamen die Celler in den Genuss, einen Eindruck der Berliner Volkssängerin der 20er Jahre zu bekommen, und das auf eine sehr unterhaltsame Weise. Expressiv, humorvoll und mit großer Stimme interpretierte Elzbeta Laabs das Berliner Original – sehr zur Freude des stürmisch applaudierenden Publikums. Begleitet am Klavier von Andrzey Barlog, der mehr als einmal in musikalischen Solo-Einlagen sein Können demonstrierte.

„Die Männer sind alles Verbrecher“

„In ihrem Privatleben spielten Männer für Claire Waldoff keine Rolle, dafür umso mehr in ihren Liedern“, war eine der interessanten Informationen über die lesbische Sängerin mit den roten Haaren und im Hosenanzug, die Elzbeta Laabs zwischen den Liedern immer wieder einfließen ließ. Ob Hermann, Emil oder Wladimir – die Männer wurden besungen und bekamen den Spiegel vorgehalten. Liedtitel wie „Wenn Willi Püppchen zu mir sagt“ oder „Die Männer sind alles Verbrecher“ deuten darauf hin, dass Claire Waldoff nicht gewillt war, sich der Männerherrschaft kampflos unterzuordnen.

Lied um einen verliebten Enterich

Den Durchbruch schaffte die ehrgeizige junge Schauspielerin und Sängerin, die eigentlich aus dem Ruhrgebiet stammte, mit einem Auftritt im angesagten Berliner Kabarett „Der Roland von Berlin“. Bei dem ersten Vortrag ihres „Schmackeduzchen“ war das Publikum aus dem Häuschen. Elzbeta Laabs brachte das Lied um einen verliebten Enterich urkomisch, sexy und expressiv auf die Bühne.

Mal hintersinnig, mal kratzbürstig

Die Sängerin verstand es eindrucksvoll, die Lieder und Wortbeiträge miteinander zu verknüpfen. Mal hintersinnig und kokett, dann wieder rau und kratzbürstig, neben ihrer Stimme zeigte die Künstlerin auch schauspielerische Qualitäten. Immer wieder wurde das Publikum miteinbezogen.

Liebe zum Leben der einfachen Menschen

Claire Waldoff bezeichnete sich selbst als Volkssängerin, und sie machte nie einen Hehl daraus, dass ihre Liebe dem Leben der einfachen Menschen galt. Eine Zuneigung, die sie mit ihrem Freund, dem Berliner Maler Heinrich Zille, teilte. Eindrucksvoll bannte er das Leben der Menschen, die häufig in Enge und Armut leben mussten, auf Papier. Als er starb, sang Claire Waldoff an seinem Grab als Nachruf das Lied „Sein Milljöh“. Mit dem Lied sorgte Elzbeta Laabs für einen besinnlichen Moment in dem turbulenten Programm.

Ab 1933 wurden liberale Wertvorstellungen von den Nazis radikal zurückgenommen. Eine lesbische Künstlerin wie Claire Waldoff passte nicht in das Bild der Frau, wie die Nazis es wieder herstellten. Ohneh Auftrittsmöglichkeiten zog sich die Künstlerin zusammen mit ihrer Lebensgefährtin Olga von Roeder ins Private zurück.

Von Georg Wiessner

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