Schlosstheater

Wiederbelebung nach der Krise

Das Schlosstheater Celle stellt das Programm für die neue Spielzeit vor. Von Klassikern und aktuellen Inszenierungen ist alles dabei

  • Von Jürgen Poestges
  • 21. May 2022 | 13:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Jürgen Poestges
  • 21. May 2022 | 13:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Für Andreas Döring geht es in der kommenden Spielzeit um „Wiederbelebung“. „Die Theater haben heute unter den Auswirkungen der Corona-Krise zu leiden“, sagt der Intendant des Celler Schlosstheaters bei der Vorstellung des Programms für die neue Spielzeit. Es ist kein Selbstläufer, dass die Menschen in das Theater zurückkehren“, sagt Döring. Deshalb steht die kommende Saison auch unter dem Motto „Mein Schlosstheater“. „Es geht darum, dass die Menschen wissen, dass nicht nur wir auf und hinter der Bühne das Theater sind, sondern auch das Publikum. Denn ohne die Besucher könnten wir nicht spielen. Wir zusammen sind erst das Theater.“

"Covergirl" Pia Noll

Das Titelbild des neuen Programms strahlt dann auch etwas ungeheuer Positives aus: Schauspielerin Pia Noll lacht als „Covergirl“ der Spielzeit auf dem Bild aus ganzem Herzen – das allein ist schon ansteckend genug. Und es zeigt: „Wir betreiben die notwendige Wiederbelebung nach den Jahren der Einschränkungen mit optimistischer Hingabe“, sagt der Intendant.

22 Premieren

Das spiegelt sich auch im Spielplan wider. 22 Premieren und etliche Extras und Sonderformate werden angeboten. „Ein Leben lang zu lernen und durch die Beziehungen Stärkung zu erfahren, das verbindet die Stücke dieses Spielplans maßgeblich – neben den aktuellen Themen“, sagt Döring. „Wir wollen das Miteinander zum Hauptgegenstand unserer Kunst machen. Denn in ihren Beziehungsfähigkeiten gestärkte und einander zugewandte Menschen können leichter die Welt gestalten.“ Im Du eines andere auf der Bühne sein Ich anders kennenlernen, steht als Motto über den Stücken des kommenden Jahres.

Zum Auftakt „Der gute Mensch von Sezuan“

Zum Auftakt gibt es gleich einen Klassiker, der aber eigentlich niemals alt wird: „Der gute Mensch von Sezuan“, das Schauspiel von Bertolt Brecht. „Den berühmten Satz ,Den Vorhang zu und alle Frage offen‘ kennt wohl jeder“, sagt Dramaturg Matthias Schubert lachend. Es ist die Geschichte der Prostituierten Shen Te, die als einzige bereit ist, die Götter zu empfangen, die auf die Erde in die arme Provinz Sezuan kommen. Premiere des Stückes ist am 9. September.

"Ewig jung" als Songdrama

Das Songdrama „Ewig jung“ (Premiere am 30. September) zeigt uns die Schauspieler im Jahr 2066. „Sie dürfen ab und zu noch einmal auf die Bühne und von der guten alten Zeit träumen“, erzählt Dramaturgin Ella Anschein. „Eine junge Pflegerin malträtiert sie mit Kinderliedern und animiert zum Mitklatschen.“ Doch kaum ist sie gegangen, da regt sich bei den alten Mimen die Lebenslust – und mit „I love Rock’n’Roll“ oder „I will survive“ geht die Post ab.

Wenn Gesundheit über allem steht

Neben weiteren Klassikern wie Klaus Manns „Mephisto“ (ab 20. Januar 2023) oder „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand als Sommertheater im Schlossinnenhof ab 2. Juni 2023 finden sich auch zeitgenössische Themen im Spielplan. So zum Beispiel Juli Zehs „Corpus Delicti“ (Premiere am 11. November). „Dieses Stück stellt die Frage: Wie sähe unser Leben aus, wenn Gesundheit über allem stünde“, erklärt Döring. Mia Holl lebt in einer Welt, in der die „Methode“ Glück und Gesundheit die Menschen schützt. Mia wird unfreiwillig zur Symbolfigur des Widerstandes dagegen, als ihr Bruder im Gefängnis Selbstmord begeht.

Mit „Die Stadt der weißen Musiker“ (ab 24. März 2023 in der Halle 19) nach dem Roman des auf Kurdisch schreibenden Autors Ali Bachtyar wird es eine Uraufführung geben. In der Halle 19 wird auch „Fleisch ist mein Gemüse“ (Premiere 15. Oktober), die schräge norddeutsche Hommage an die ländliche Unterhaltungskultur nach dem Roman von Heinz Strunk zu erleben sein.

"Wunschfunk" als Überraschungsprogramm

Zwei besondere Stücke sollen nicht vergessen werden: Da ist einmal „Der Wunschfunk“, der am 14. Januar auf Sendung geht. „Das ist der Kanal, auf dem die Zukunft schon Gegenwart ist“, erzählt Anschein. Der Wunschfunk berichtet auch live aus der Celler Hafencity, den neuen Hotspots in der Altstadt und sorgt für einige Überraschungen, untermalt mit Livemusik von der Jazzband „Was nun“ um Moritz Aring.

„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ (Premiere am 9. Oktober) nach dem Buch von Axel Hacke bieten dem Publikum einen komplett neuen Blick auf und in das Theater. Denn das Stück wird den Zuschauern von der Hinterbühne aus einen Blick in die Weiten des Zuschauerraums bieten. „Wenn wir schon Gott zu Besuch bekommen, dann wollen wir ihm auch einen entsprechenden Rahmen anbieten“, sagt Schubert. Denn Gott gibt einem Mann die Chance, ihn zu befragen: Warum gibt es das Böse? Weshalb ist die Schöpfung nicht besser gelungen?

Schnupper-Abo und Kochstudio

Es ist ein rundes und großartiges Programm, das die Macher ihrem Publikum in der kommenden Spielzeit präsentieren. Die Theaterkasse wird erstmals während der gesamten Theaterferien geöffnet sein, der neue Leiter Thomas Boltz und sein Team bieten auch neue Formate wie das „Schnupper-Abo“ an. Es gibt auch kleine Reihen wie die Rückkehr des „Kochstudios“ oder Theaterführungen an jedem ersten und letzten Samstag im Monat.

Das neue Spielzeit-Heft ist ab heute an der Theaterkasse an der Schuhstraße zu erhalten oder im Internet unter www.schlosstheater-celle.de einzusehen.