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Kultur Beschwingte Atmosphäre bei der NDR-Radiophilharmonie
Weltgeschehen Kultur Beschwingte Atmosphäre bei der NDR-Radiophilharmonie
17:24 22.12.2015
Hannover

Im ersten Teil garantierten schon die bewährten Gäste eine gewisse Qualität: Der Mädchenchor Hannover könnte wahrscheinlich nicht einmal dann schlecht sein, wenn er es wollte. Gleich zum Einstieg gab es mit drei Sätzen von Johann Michael Haydn, dem Bruder Josephs, eher ungewohnte Kost, die jedoch für eine beschwingte Atmosphäre sorgte und Appetit auf mehr machte – dass die jungen Damen sich in Sachen Tempi nicht immer hundertprozentig einig mit dem Streicherensemble waren, konnte man leicht verschmerzen. Ebenso diszipliniert wie anrührend gerieten die Gesänge von „Es ist ein Ros entsprungen“ und „O Heiland, reiß den Himmel auf“. Zwischendurch war das Orchester am Zug und interpretierte Häppchen aus Tschaikowskys „Nussknacker-Suite“, vielleicht etwas zu sehr mit gebremstem Schaum, aber beim „Arabischen Tanz“ voller Raffinesse.

Nach der Pause ging’s von Russland direkt in die USA. Gastdirigent Fawzi Haimor, der aus Chicago stammt, bat für Jimmy Van Heusens „Swinging on a Star“ Tenor Paul Phoenix auf die Bühne, und auch das einstige Mitglied der berühmten King’s Singers trat hier noch etwas reserviert auf. In der Folge sollten sich indes sämtliche Beteiligten zunehmend freispielen. Der Auftakt dazu war ausgerechnet ein sehr ruhiges und zugleich äußerst intensives Stück: „Child of the Stable’s Secret Birth“ von Thomas Hewitt Jones.

Danach ging die Post dann so richtig ab. Der „March of the Toys“ aus Victor Herberts Musical „Babes in Toyland“, die Konzertsuite aus Alan Silvestris „Polar Express”, „Let it Snow” und „White Christmas”, schließlich der „Sleigh Ride“ von Leroy Anderson mit seinen Knalleffekten im wörtlichen Sinn: Das war zwar manchmal durchaus pathetisch, und die Grenze zum Kitsch wurde mehr als einmal überschritten, aber wen stört all das schon bei einem Weihnachtskonzert?

Die Veteranen unter den Besuchern hatten sich in der Pause vorsorglich mit den ausliegenden Textblättern eingedeckt. Denn bei den Zugaben sind hier traditionell nicht nur die Musikanten auf der Bühne gefordert: Das Saallicht wurde hochgezogen, der Dirigent drehte sich zum Publikum, und alle zusammen stimmten „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“ an.

Von Jörg Worat