Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Kultur Experimentelle Techniken
Weltgeschehen Kultur Experimentelle Techniken
14:03 05.03.2019
Foto: Peter Hebers Werke wie „William ist zurück" sind in einer neuen Ausstellung im Sprengel Museum Hannover zu sehen.
Peter Hebers Werke wie „William ist zurück" sind in einer neuen Ausstellung im Sprengel Museum Hannover zu sehen. Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn
Hannover

Wenn es den Begriff „kontrollierter Zufall“ nicht schon gäbe, für Peter Heber müsste er erfunden werden. Das Sprengel Museum zeigt ab dem heutigen Mittwoch eine Auswahl von großformatigen Arbeiten des hannoverschen Künstlers. Unter dem Titel „Malerei“ – die Bezeichnung ist allerdings in diesem Fall großzügig auszulegen.

Hebers Arbeiten sind weder figürlich noch gegenständlich, aber auch nicht völlig abstrakt; mal vermeint man, landschaftliche Anmutungen darin zu entdecken, mal florale, mal kosmische. „Mich interessieren Fragen der malerischen Umsetzung von Energie“, sagt der Künstler, der im Verlauf des Gesprächs zahlreiche Einflüsse nennt, darunter auf den ersten Blick recht unterschiedliche wie Goya, Millet und de Kooning.

Für die zweiteilige Arbeit „Quantenschaum (rosa)“ hat Heber Leinwände im Format drei mal vier Meter zunächst rot grundiert und darauf schwarze Acryl- sowie weiße Ölfarbe gesetzt, die dann mit einem Fön über den Bildträger getrieben wurden: „Teils haben sich die Farben verbunden, teils abgestoßen. Zufälligerweise kam in dieser Zeit ein Fernsehbeitrag über Stephen Hawking, und in dessen Theorien zu den Schwarzen Löchern habe ich Parallelen zu diesen Vorgängen entdeckt. So ist auch der Titel „Quantenschaum“ zustande gekommen.“

Am deutlichsten wird das malerische Vorbild wohl in dem extremen Querformat „William ist zurück“ erkennbar. Der Titel bezieht sich auf William Turner (1775–1851), dessen lichtdurchflutete Motive nach wie vor eine große Faszination hervorrufen – im Spätwerk vernachlässigte der Künstler allerdings zunehmend den gegenständlichen Aspekt, weshalb diese Werke teils heute noch als etwas exzentrisch gelten. Neben Öl und Acryl hat Heber bei seiner Turner-Nachempfindung auch einen speziellen gelben Lack verwendet: „Je nach Mischung der Pigmente kann man damit eine große Bandbreite an Hell-Dunkel-Werten erzeugen.“

Und so geht es weiter mit der Beschreibung experimenteller Techniken. Hier verwendet Heber pures Wasser, dort lässt er Terpentinpfützen entstehen, die beim Aufrechtstellen der Leinwand herunterfließen und einmal mehr neue Strukturen erzeugen. Auch die Wahl des Bildträgers kann eine Rolle spielen. Für das Bild „Zerstörung, die vom Schmelzen kommt (Leonardo)“ verwendete der Künstler etwa teures belgisches Leinen: „Da entstanden im Arbeitsprozess zwischenzeitlich sogar Beulen, die aber später wieder verschwanden und eigenartige Spuren hinterließen.“

Insofern kann Peter Heber als Musterbeispiel dafür gelten, dass der Mythos vom Künstler, der stets eine ganz genaue Vorstellung vom fertigen Bild hat, nicht selten eben ein Mythos ist. Heber gehört jedenfalls zu denjenigen, die sich beim Arbeitsprozess gern noch selbst überraschen lassen.

Die Ausstellung „Peter Heber. Malerei“ ist bis zum 19. Mai im Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags, 10 bis 20 Uhr; mittwochs bis sonntags,
10 bis 18 Uhr.

Von Jörg Worat

Jürgen Poestges 04.03.2019
Kultur Ausstellung „Begegnungen“ Was der Moment vor Augen führt
03.03.2019