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Kultur Alfred Brendel beweist Humor bei Kamingespräch in Wolfsburg
Weltgeschehen Kultur Alfred Brendel beweist Humor bei Kamingespräch in Wolfsburg
12:58 11.12.2015
Wolfsburg

Brendel war der vielleicht beste Liszt-Spieler seiner Generation, weil ihn gerade nicht die Technik dieser Musik interessiert hat, sondern das Geheimnis hinter Liszts Kompositionen. Und er war auch ein Bach-Spieler besonderer Gnade, obwohl das nicht gerade sein Hauptgebiet künstlerischer Betätigung war und ihm die strukturelle Klarheit nur dann interessierte, wenn sie für ihn einen musikalischen Mehrwert hatte. Brendel selbst sah sich immer auch als ein Musiker an, dem die Wiener Klassiker besonders lagen, weil er zu den wenigen gehörte, die in dieser Musik auch den Humor in dieser Musik aufzudecken in der Lage war. Immer wieder gelang es ihm wunderbar den Menschen in Vorträgen klar zu machen, was den Humor bei Haydn oder Beethoven ausmacht. Das Irritierende war dann aber doch, dass man das seinem Spiel wenig anhörte.

Ganz anders ist das bei Brendels eigenen Texten. Dort kommen poetische Sprachkraft und aphoristische Zuspitzung bestens zur Wirkung. Und Brendel saß beim Schreiben seiner vielen kleinen Gedichte meist der Sprachschalk im Nacken. Und der Aphoristiker Lichtenberg lässt auch oft grüßen.

Zu erleben waren sowohl die erhellenden Ausführungen zum Humor in der Musik am Beispiel von Beethovens Diabelli-Variationen als auch die viel zu wenig bekannten sprachlichen Fähigkeiten des Österreichers, der schon lange in London lebt. Der 84-jährige Brendel versprühte einen jungen Geist. Manfred von Osten hingegen war Brendel ein Gesprächspartner auf Augen- und fast auch Geisteshöhe. So kann Talk geradezu zu einer kleinen Kunst werden. Eindrucksvoll.

Von Reinald Hanke