Fußball-Landesliga

Saison der Superlative für MTV Eintracht Celle

Damit hatte vor der Saison niemand gerechnet: Trotz Mini-Kaders schaffte Eintracht Celle nach dem Abstieg die sofortige Rückkehr in die Oberliga.

  • Von Oliver Schreiber
  • 04. Juni 2019 | 14:45 Uhr
  • 04. Juli 2022
Geschafft: Die Spieler bejubeln den Aufstieg in die Oberliga.
  • Von Oliver Schreiber
  • 04. Juni 2019 | 14:45 Uhr
  • 04. Juli 2022
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Celle.

Hilger Wirtz gerät eigentlich nicht so schnell ins Schwärmen. Fußball betrachtet der 54-Jährige generell eher analytisch als emotional. Doch wenn er die gerade abgelaufene Saison Revue passieren lässt, kommt selbst er ohne Superlative nicht aus. „Das war eine grandiose Leistung, mit der niemand rechnen konnte. Was die Jungs da abgeliefert haben, war echt herausragend. Davor ziehe ich meinen Hut“, lobt der Cheftrainer des Bezirksmeisters und Oberliga-Aufsteigers MTV Eintracht Celle .

Nicht zu stoppen: Moussa Doumbouya (rechts) schoss den MTV Eintracht Celle mit 34 Toren in 29 Spielen zum Oberliga-Aufstieg. Seine Qualitäten blieben auch den Scouts von Hannover 96 nicht verborgen.

Die Erfolgsgeschichte der Blau-Weißen ist fast schon kitschig schön, denn es gab fast nur Höhen und kaum Tiefen. Und außergewöhnlich, denn mit dem Mini-Kader derart souverän die Landesliga zu dominieren, erforderte große Disziplin, Eigenmotivation – und natürlich auch Fortune. „Wir hatten wirklich Glück, dass wir kaum Verletzte hatten. Wenn mehrere Leistungsträger parallel ausgefallen wären, hätten wir darauf gar nicht reagieren können. Das ist allerdings auch kein Zufall. Denn die Jungs wussten um die Situation und haben auf die Zähne gebissen. Kleinere Blessuren wurden gar nicht erst erwähnt. Und das zeigt auch, aus welchem Holz die Truppe geschnitzt ist“, sagt Wirtz.

Traumstart als Basis für den Aufstieg

Basis für die Meisterschaft war der Traumstart mit zehn Siegen am Stück. Dadurch musste die Konkurrenz – speziell der TuS Harsefeld – immer hinterherhecheln. Selbst eine kurze Schwächeperiode mit nur einem Punkt aus den drei Spielen bei Teutonia Uelzen (1:3) , gegen SV Blau-Weiß Bornreihe (1:1) und SV Ahlerstedt-Ottendorf (1:2) ließ die Widersacher nur kurz hoffen. Dann warf der MTVE die Tormaschine wieder an und spielte die Gegner teilweise in Grund und Boden. Das Meisterstück lieferten die Blau-Weißen gegen den Rotenburger SV ab, als sie das zweitbeste Rückrundenteam trotz 70-minütiger Unterzahl mit 4:0 abfertigten. Die Krone setzte sich Eintracht dann im Spitzenspiel vor rund 700 Zuschauern mit dem 3:0 gegen den Zweiten Harsefeld auf – die sofortige Rückkehr in die Oberliga war damit perfekt.

Adrian Zöfelt (rechts) traf beim 5:1-Sieg im letzten Saisonspiel gegen SV Eintracht Lüneburg doppelt und kommt auf insgesamt 23 Tore.

Dieses Mal gehen die Celler besser gerüstet in dieses Abenteuer. Der eingespielte Kader bleibt komplett zusammen und wurde zudem noch verstärkt. Mit Rückkehrer Felix Krüger (vom TSV Havelse) hat Eintracht neben Moussa Doumbouya, der Krügers Landesliga-Torrekord aus der Saison 2016/17 mit 34 „Buden“ einstellte, einen weiteren Top-Goalgetter in seinen Reihen. Zusammen mit Adrian Zöfelt (23 Saisontreffer) und Henry Struwe (14 Tore) verfügt Eintracht somit über jede Menge Qualität in der Offensive und muss sich hier vor keiner Oberliga-Mannschaft verstecken.

Konkurrenzkampf durch Neuzugänge

Durch die weiteren Neuzugänge Alexander Laube, Tom Schaper, Calvin Smith (alle VfL Westercelle) sowie Torwart Marco Dubberke (Heeßeler SV) wird zusätzlich der Konkurrenzkampf angeheizt, weitere Transfers sollen noch folgen. „Wir brauchen unbedingt einen breiteren Kader, um einerseits Konkurrenzdruck zu erzeugen und andererseits auch die Trainingsqualität zu erhöhen. Das war fast durchgängig ein Problem, mit dem die Jungs aber hervorragend umgegangen sind“, meint Wirtz, der vor allem die Mentalität seiner Schützlinge hervorhebt. „Ohne die Eigenmotivation der Spieler wäre ein solcher Erfolg nicht möglich gewesen. Die Jungs haben sich immer wieder gegenseitig gepusht und zu Höchstleistungen getrieben“, schildert Wirtz.

Henry Struwe (am Ball) erzielte 14 Saisontore und glänzte auch als Vorbereiter.

Nur zweimal war die immer noch junge Mannschaft neben der Spur: bei der 0:3-Niederlage im Bezirkspokal-Viertelfinale bei Bezirksligist SV Küsten sowie beim 3:3 beim abgeschlagenen Landesliga-Schlusslicht TuSG Ritterhude . „Das waren wirklich enttäuschende Leistungen, da haben wir fast alles vermissen lassen, was uns sonst auszeichnet. Aber das waren auch die beiden einzigen echten Ausrutscher, ansonsten gab es zumindest an der Einstellung nie etwas zu bemängeln“, sagt Wirtz.

Linksfuß Yannik Ehlers gehört seit Jahren zu den Leistungsträgern in der MTVE-Elf

Der A-Lizenz-Inhaber weiß, dass sein Team in der kommenden Saison vermehrt mit Rückschlägen rechnen muss. „In der Oberliga kicken ganz andere Kaliber. Für uns geht es von der ersten Minute an nur um den Klassenerhalt. Das muss jedem klar sein. Ich hoffe natürlich, dass der ein oder andere Celler Fußballfan noch häufiger bei unseren Heimspielen vorbeischaut. Wir wollen zu Hause eine Macht bleiben, dafür brauchen wir auch die Unterstützung von außen“, appelliert Wirtz. Und das sowohl sachlich als auch emotional.