Bahnhof Eschede

Nicht nur ein Ort für Reisende

Menschen kommen und gehen, steigen ein und aus. Am Escheder Bahnhof passiert aber morgens um halb zehn noch viel mehr.

  • Von Carsten Richter
  • 23. Juli 2019 | 09:00 Uhr
  • 04. Juli 2022
  • Von Carsten Richter
  • 23. Juli 2019 | 09:00 Uhr
  • 04. Juli 2022
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Eschede.

Montagmorgen. Halb zehn. Der Bahnhof in Eschede. Die Parkplätze auf beiden Seiten der Bahnstrecke sind gut belegt, ein paar freie Flächen gibt es aber noch. Andreas Rohardt kommt vom Gleis und geht zurück zum Auto, auf dem Arm trägt er seinen Enkelsohn Georg. "Ich habe gerade meine Tochter zum Zug gebracht", erzählt der Oldendorfer. Sie unternimmt zusammen mit ihrem Au-pair-Mädchen aus Kolumbien einen Tagesausflug nach Hamburg. Rohardt freut sich über die gute Anbindung zum Escheder Bahnhof. "Mit dem Auto brauche ich von Oldendorf nur zehn Minuten", sagt er. "Meine Frau braucht fünf Minuten länger", schiebt er mit einem Augenzwinkern hinterher. Die unterschiedliche Fahrweise ..., aber das ist ein anderes Thema.

Berlinerin begeistert von der Südheide

Auf der anderen Seite in Richtung Celle stehen zwei Frauen und ein Mann etwas ratlos vor dem Metronom-Fahrkartenautomaten. "Wir wollten gestern hier ein Ticket nach Berlin kaufen", erzählt Christine Lange-Krüger – das aber war nicht so ohne Weiteres möglich, am Automaten sind nur Nahverkehrskarten erhältlich. Übers Wochenende war ihre Freundin Inge-Johanna Tollaas aus der Bundeshauptstadt zu Besuch. Nun fährt sie wieder zurück – zunächst erst einmal geht es mit dem Metronom bis nach Hannover. "Ich war das erste Mal hier", berichtet Tollaas. "Wir waren in Celle und Müden. Ich bin begeistert von der Südheide", so die gebürtige Norwegerin.

Bahnhof als großer Standortvorteil

Auch Christine Lange-Krüger und ihr Mann Michael Krüger sind erst vor einem Dreivierteljahr von der Spree an die Aschau gezogen. "Wir haben eine ländliche Umgebung gesucht. Bahnanbindung, Einkaufsmöglichkeiten – hier haben wir alles, was wir brauchen", sagt Lange-Krüger, nachdem ihre Freundin in den Zug gestiegen ist. Hier in Eschede haben sie ihr neues Zuhause gefunden. Gerade der Bahnhof sei ein großer Standortvorteil für den Ort, so Michael Krüger. Das Paar fühlt sich sichtlich wohl hier. Auch wenn die Umstellung vom Großstadtflair auf das Dorfleben zu Beginn nicht einfach war.

Im Naturpark-Infozentrum herrscht noch Leere

"Achtung auf Gleis 1, ein Zug fährt durch. Ich wiederhole: Achtung auf Gleis 1, ein Zug fährt durch". Immer wieder dringt die Durchsage durch den Lautsprecher. Entweder rauscht ein ICE oder ein Güterzug durch. Wenn nicht gerade ein Metronom hält, ist auf den Bahnsteigen kaum ein Mensch anzutreffen. Auch im Naturpark-Informationszentrum, das den Besuchern anschaulich die Schönheiten der Südheide näherbringt, herrscht um diese Tageszeit noch gähnende Leere.

Für Sauberkeit am Bahnsteig

Gänzlich verwaist ist der Escheder Bahnhof aber nicht. Denn es gibt Menschen wie Rita Koslowski, die hier beruflich zu tun haben. Einmal in der Woche kommt sie hier vorbei. Koslowski arbeitet beim Dienstleistungsunternehmen Lucia, das sich im Auftrag der Bahn um die Sauberkeit auf den Bahnhöfen kümmert. "In Eschede und Unterlüß ist fast immer alles sauber", berichtet sie, während sie die Abfalleimer leert. Doch sie kennt es auch ganz anders und erzählt von umgekippten Mülleimern, zum Beispiel in Walsrode. Seit mehr als zehn Jahren macht sie den Job. Die Fenster in den Wartehäuschen saubermachen oder Müll entsorgen: Was für andere Menschen Strafarbeit wäre, erledigt sie gerne. "Ich bin draußen und lerne viele Leute kennen, auch wenn sie meistens nicht viel Zeit haben", so Koslowski. Außerdem könne sie sich ihre Route durch die Landkreise Celle und Heidekreis selbst einteilen. "In 20 Minuten bin ich hier durch", sagt sie und greift wieder beherzt zu ihrem Besen.

Hecken mit Wasser bewässern

Thomas Hennig fällt zunächst durch sein großes, orangefarbenes Baufahrzeug auf. Er ist beim Bauhof der Gemeinde Eschede beschäftigt und braucht zurzeit vor allem eines: Wasser. Am Bahnhof versorgt er die Hecken. 2000 Liter passen in den riesigen Behälter seines Fahrzeuges. Doch immer wieder muss er Wasser nachfüllen. "Eine Ladung hält etwa anderthalb Stunden", erzählt Hennig. Vor allem die Grünflächen entlang der Bahnstrecke brauchen viel Flüssigkeit. "Der Wind zieht das Wasser schnell raus", sagt er – und schon fährt wieder ein Güterzug vorbei.

Von Braunschweig nach Steinhorst

Wenige Minuten später kommt der nächste Metronom. Waltraud Magdanz aus Braunschweig steigt aus, ihre Schwester Gisela Zilke nimmt sie mit einer herzlichen Umarmung in Empfang. "Ich bin über Hannover gefahren, das ist eine halbe Weltreise", sagt Magdanz und lacht. Und die Fahrt ist noch nicht vorbei, Zilke wohnt in Steinhorst. Es geht also weiter. Von jetzt an aber mit dem Auto.