Geocaching in Lachendorf

Vor der Muggelwelt verborgen

Sie sind an Orten versteckt, an denen man nicht mit ihnen rechnet. Ferienpass-Teilnehmer begeben sich in Lachendorf auf die Suche nach den kleines Caches.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 07. Aug. 2021 | 13:00 Uhr
  • 04. Juli 2022
  • Von Lisa Brautmeier
  • 07. Aug. 2021 | 13:00 Uhr
  • 04. Juli 2022
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Lachendorf.

Auf seinem Smartphone ruft Vincent Diekmann vom Jugendzentrum Lachendorf die Geocaching-App auf. Auf der Karte zeigt er uns, wo die Caches überall verteilt sind. Erstaunt stellen wir fest, dass selbst in Lachendorf mehrere davon versteckt sind. Und wir sollen gleich einige davon ausfindig machen. Eigentlich hatte ich vermutet, dass die Ferienpass-Organisatoren selbst Dinge versteckt hätten, aber da wusste ich auch noch nicht, dass die Gegend bereits voll mit Caches ist, die von fremden Menschen teils schon vor Jahren dort platziert worden waren. Geocaching scheint nach wie vor ein beliebtes Hobby zu sein.

Verstecke müssen geheim bleiben

Bevor es losgeht, erklärt Diekmann die wichtigsten Regeln: „Wichtig ist ein respektvoller Umgang mit der Natur und dass ihr darauf achtet, dass die Verstecke für Muggel geheim bleiben.“ Menschen, die nicht an dem Hobby Geocaching teilnehmen, werden als Muggel bezeichnet – wie die Menschen ohne Zauberkräfte bei Harry Potter. Dass alles im Verborgenen stattfindet, lässt die Spannung und Vorfreude noch mehr steigen. Helge darf als erster die Koordinaten ins gelbschwarze GPS-Gerät eingeben. Mit nur wenigen Knöpfen ist es einfach zu bedienen. Er reicht es weiter an David, der uns mit dem Gerät zum Cache navigieren soll.

Wir starten am Jugendzentrum, gehen zunächst ein paar Schritte, als David sofort wieder stehen bleibt. „Der Pfeil zeigt jetzt in die völlig andere Richtung“, teilt er mit. Das kann vorkommen. Vor allem zu Beginn braucht der Pfeil eine Weile, um sich einzupendeln. Wir gehen die Oppershäuser Straße entlang in Richtung der großen Waldfläche südwestlich von Lachendorf. Davids Blick ist gesenkt, immer fasziniert auf die Anzeige des GPS-Geräts gerichtet. Dort wird nicht nur die Richtung angezeigt, sondern auch die verbleibenden Meter und die ungefähre Zeit, die wir noch bis zum Ziel brauchen.

Ab ins Gestrüpp

Irgendwann zeigt der Pfeil nach links, abseits eines Weges. Nur noch 20 Meter werden angezeigt. Ab jetzt heißt es, sich langsam ins Gestrüpp schlagen. Dabei wird der Jugendpflegerin Julia Wiechmann und mir klar, dass wir vielleicht eine andere Schuhwahl hätten treffen sollen. Mein Tipp: Freie Knöchel vermeiden, unbedingt eine Jacke mitnehmen und eventuell auch eine Mütze. Kurz vorm Ziel fängt der Pfeil auf dem GPS-Gerät an, verrückt zu spielen. Darauf können wir uns nicht mehr verlassen. Während wir planlos an Bäumen und Sträuchern vorbeilaufen, schaut Diekmann belustigt zu. Er hatte bereits am Vortag die Gegend abgesucht, um sicherzugehen, dass die Caches auch wirklich da sind und die Kinder nicht umsonst loslaufen. „Ich habe es gefunden“, ruft Helge, als er eine durchsichtige Dose in einem Baumstumpf entdeckt, getarnt mit ein paar Zweigen. Darin befindet sich ein kleines Notizheft, in dem wir unsere Namen hinterlassen. Es ist beeindruckend, wie viele Seiten dort schon vollgeschrieben wurden.

Ganz besondere Verstecke

Nachdem die nächsten Koordinaten eingegeben wurden, stürmen die Jungen wieder los. Auf einmal legen sie ein viel schnelleres Tempo vor. Sie hat das Geocaching-Fieber gepackt. Der zweite Cache besteht aus einem schwarzen Röhrchen, das in einem Baum hängt. Wichtig beim Verstecken ist es, die Sachen so zu platzieren, dass ein Teil davon sichtbar ist und jeder auch drankommt. „Jetzt kommen wir zu dem Cache, den ich selbst so cool fand“, sagt Diekmann, als wir zum nächsten aufbrechen. Das klingt vielversprechend. Eher durch Zufall entdecke ich den Cache, finde das Versteck aber ebenfalls so genial, dass ich die Kinder weitersuchen lasse. Dass man immer drankommen soll, heißt nämlich nicht, dass es nicht doch hoch oben in den Bäumen versteckt sein könnte. Eine Schnur wurde über einen Ast gehängt, eine Dose bis ganz nach oben gezogen. Das andere Ende der Schnur ist um einen kleinen Stock aufgewickelt, der auf dem Boden liegt. Langsam und vorsichtig holen Helge und David den Cache herunter. Das Konstrukt soll auf keinen Fall zerstört werden.

Hochmotiviert wird entschieden, nun auch einen Cache zu suchen, den der Betreuer am Tag zuvor nicht gefunden hat. Leider stehen wir am Ende aber auch ziemlich ratlos da. Auch der Hinweis, dass das Versteck bei der einzigen Eiche dort sein soll, hilft uns nicht weiter. Vielleicht haben die Unwetter den Cache weggeweht, oder jemand hat ihn mitgenommen. „Ich würde den jetzt schon gerne noch finden“, sagt Helge auf die Frage, ob wir weitergehen sollen. Aber letztlich geben wir doch auf. Nicht immer ist man bei der Suche erfolgreich. Auch Niederlagen muss man akzeptieren können.

Vor den Muggeln in Acht nehmen

Nach rund zwei Stunden im Wald geht es wieder zurück zum Jugendzentrum. Auch hier befindet sich ganz in der Nähe ein Versteck. In der Beschreibung dazu steht, dass der Cache schon 2005 dort abgelegt wurde. Als Helge dann am Boden etwas entdeckt und ein Rohr herauszieht, mahnt Diekmann: „Nicht so auffällig. Hier sind Muggel unterwegs.“ In der Tat werden wir von der Straße aus beobachtet. Im Wald waren wir unter uns, aber im Ort muss man aufpassen. Hauptsächlich geht es darum, dass die Muggel die Verstecke nicht kennen und mutwillig die Caches entfernen. Neben dem Suchen ist es auch dieses Eintauchen in eine geheime Welt, das den Reiz des Geocachings ausmacht.

Das Wichtigste zum Hobby Geocaching

Ziel des Geocachings ist es, mithilfe eines GPS-Geräts oder dem Smartphone einen "Cache" zu finden. Dies sind meist kleine Behälter wie zum Beispiel Brotdosen oder auch winzige Filmrollen. Diese sind meist so versteckt, dass sie nur von denjenigen gefunden werden, die auch explizit danach suchen. Die Welt des Geocachings soll vor Muggeln geheim gehalten werden. Angelehnt an die Harry-Potter-Reihe, werden so die Menschen genannt, die von den versteckten Schätzen nichts wissen beziehungsweise nicht an dem Hobby interessiert sind.

Die Caches sind weltweit zu finden. Jeder kann diese verstecken und in einer App die Koordinaten eintragen. Dort finden Spieler auch weitere Hinweise, zum Beispiel über das Gelände und die Größe des Caches. Auch der Schwierigkeitsgrad von 1 bis 5 wird dort angegeben. Einige liegen auch an Orten, zu denen man nur zu bestimmten Zeiten Zutritt hat. Wer einen Cache findet, kann sich als Beweis in das dort beigefügte Logbuch eintragen. Manchmal liegen auch Inhalte zum Tauschen bereit. Beliebt sind auch Caches, bei denen zunächst Rätsel gelöst werden müssen, bevor man zum eigentlichen Zielort gelangt.