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Ferienpass Blick hinter die Klostermauern
Thema Ferienpass Blick hinter die Klostermauern
06:00 02.08.2019
Foto: Schwester Verena und die Kinder im Kreuzgang.
Schwester Verena und die Kinder im Kreuzgang. Quelle: Kirsten Pröve-May
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Wienhausen

Draußen goss es in Strömen, da war ein Rundgang durch das Kloster genau das Richtige. Dazu hatten sich sechs Jungs und drei Mädchen aus dem Bereich Flotwedel angemeldet, die von Schwester Gerhild, einer Bewohnerin des Klosters, und Schwester Verena herzlich begrüßt wurden. Bevor der Rundgang jedoch begann, schrieben die Kinder ihre Namen auf kleine Aufkleber, jeweils mit dem Zusatz „Bruder“ oder „Schwester“ – genauso, wie man sich in einem Kloster untereinander anspricht.

Nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Bruder Jakob“ war auch die letzte Scheu verflogen, und die Gruppe betrachtete zunächst den aus einzelnen Ornamenten gestickten Wandteppich. Diese Stickkunst, der sogenannte Klosterstich, wird in Wochenendseminaren gelehrt. Die Kinder durften sich mit Hilfe einer Taschenlampe ihr Lieblingsstück aussuchen und erklären, warum sie gerade das ausgewählt hatten.

Weiter geht's durch den Kreuzgang

Dann ging es weiter durch den Kreuzgang. Dieser wurde zu früheren Zeiten mehrere Male am Tag – ins Gebet vertieft – durchschritten. Der Weg führte die Kinder zu der Statue von Herzogin Agnes von Landsberg, die das Kloster Wienhausen vor 800 Jahren gründete. In ihrer Hand hält sie das Modell der Gemeindekirche St. Marien, die vor 1000 Jahren erbaut wurde. Im Zuge des Klosterbaus wurde jedoch der auf dem Modell ersichtliche Kirchturm abgerissen, da ein Zisterzenserkloster keinen Kirchturm besitzen durfte.

Auf dem Weg zum Nonnenchor (Raum für Messen und Andachten) konnten die Kinder noch vier 600 Jahre alte Prozessionsstangen bestaunen. Ein 100 Jahre alter Teppich mit elf Engeln säumte den Weg sowie eine Wetterfahne von 1727. Dazu die erfrischenden Erklärungen der Schwester und die Frage an die Kinder: „Wer weiß, was Anno bedeutet?“ Das wussten sie in dem Moment nicht und man merkte auch, dass sie Schwierigkeiten haben, sich die großen Zeiträume von 800 oder gar 1000 Jahren vorzustellen. Im Nonnenchor durften sie sich dann jeweils eine Ansichtskarte ziehen und ihr Motiv an Decken und Wänden suchen. Gar nicht so einfach, wenn die gesamte Decke und alle Wände bemalt sind. Doch es klappte und die Kinder lasen ihre jeweilige Karte vor und so verfolgten alle gespannt die Schöpfungsgeschichte.

Zimmer ohne Heizung

Danach ging es weiter und die Kinder durften sich die Zimmer aus der früheren Zeit ansehen. Kaum vorzustellen, wie es sich zu früheren Zeiten in den kleinen Zellen leben ließ, ohne Heizung, noch nicht einmal unbedingt ein Bett sondern ein Strohlager. In einem Erker mit Sitzplätzen für alle wurde über die hier ausgestellte Arche Noah gesprochen, und die Kinder wussten so einiges darüber zu berichten. Schwieriger wurde es dann, den Sinn der Aussteuertruhen zu verstehen. Aussteuer, die ja eigentlich für eine spätere Heirat gedacht war!

Das Kloster Wienhausen, das größte unter den sechs Klöstern im Raum Lüneburg, wurde erst 1616, 100 Jahre nach der Reformation, zu einem Nonnenkloster. Heute leben hier zwölf Damen sowie eine Äbtissin, die dem Konvent angehören. Sie alle leben nach christlichen Grundsätzen und tragen mit ihrer Arbeitskraft maßgeblich zum Erhalt der klösterlichen Einrichtungen wie Archiv, Bibliothek und Klostergarten bei. Die Kinder traten beeindruckt den Heimweg an, hatten sicherlich viel Neues erfahren.

Von Kirsten Pröve-May