1. Bundesliga Luftgewehr

„Die Mutter aller Schlachten“ für SV Wieckenberg

Das Bundesligafinale im Visier, den Spitzenreiter vor der Brust: Den SV Wieckenberg erwartet ein emotionales Derby mit vielen Weltklasseschützen.

  • Von Oliver Schreiber
  • 19. Nov. 2021 | 14:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Oliver Schreiber
  • 19. Nov. 2021 | 14:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Wieckenberg.

Die Vorfreude ist Horst-Dieter Ruschel deutlich anzumerken. „Das ist ein Niedersachsenderby, in dem es darum geht, wer die Nummer eins im Norden ist. Es ist sozusagen die Mutter aller Schlachten“, erklärt der Teammanager der Luftgewehrschützen des SV Wieckenberg vor dem Bundesliga-Duell am Samstag um 16.30 Uhr gegen die Schützenbrüderschaft Freiheit aus Osterode. Der Showdown gegen den verlustpunktfreien Spitzenreiter steigt im Alten Land in Jork, Gastgeber ist Aufsteiger SV Ladekop. „Auf dem Papier haben wir keine Chance. Aber wir sind gut in Form und fahren dahin, um zu gewinnen. Zudem sind wir so etwas wie der Angstgegner für Freiheit“, erläutert Ruschel.

Auf jeden Fall wird es eine Auseinandersetzung auf Weltklasse-Niveau. Das Team aus dem Harz hat mit Jeanette Hegg Duestad die absolute Topschützin der Liga in seinen Reihen. Die Norwegerin ging bisher viermal in dieser Saison an den Schießstand – und setzte jeden Schuss in die Zehn, also insgesamt viermal die volle Punktzahl von 400 Ringen. „Das ist schon beeindruckend, davor kann man nur den Hut ziehen. Aber auch sie wird nicht immer die Zehn treffen“, meint Ruschel. Hegg Duestad ist übrigens mit Wieckenbergs Norweger Henrik Larsen liiert, der allerdings in Jork nicht dabei sein wird.

Dafür setzt der SVW auf die Schweizerin Chiara Leone, die auf ähnlichem Level wie Hegg Duestad schießt und durchaus eine Siegchance hat. Bei ihren bisherigen beiden Wettkämpfen für die Wieckenberger erzielte sie jeweils 398 Ringe. Ihr in nichts nach steht Robin Zissel, der sich zuletzt beim 5:0-Sieg gegen Ladekop in den illustren Kreis der 400er-Schützen einreihte und bester männlicher deutscher Schütze der Liga ist. Zissel (397,17 Ringe im Schnitt) wird auf Jolyn Beer (396,25) treffen. In diesen beiden Topduellen an den Positionen eins und zwei riecht es nach einer Punkteteilung.

Demnach wird viel auf die Begegnungen an den Positionen drei bis fünf ankommen. Hier liegen die Wieckenberger rein statistisch im Hintertreffen, sollten die Osteroder in Bestbesetzung antreten. Tina Lehrich musste zuletzt den Folgen eines Autounfalls Tribut zollen und konnte nicht an ihre gewohnte Leistung anknüpfen. Daher kommt sie „nur“ auf einen Schnitt von 393,17 Ringen, ihre wahrscheinliche Gegnerin Michaela Müller-Thöle auf 396,17. Allerdings kann Lehrich auch auf diesem Niveau schießen. Dies gilt auch für Melissa Ruschel (392,50), die sich mit Lisa Müller (395,80) duelliert. Auch Claire-Luisa Ruschel (388,00) kann ihrer Kontrahentin Jessica Mager (395,25) gefährlicher werden, als es die nackten Zahlen aussagen. „Die kennen sich ja auch alle untereinander aus dem Nationalkader und wissen, das allein die Tagesform entscheidet. Es ist alles drin für uns“, glaubt Ruschel.

Die Wieckenberger (8:4 Punkte) sind also durchaus optimistisch, ihren vierten Platz, der zur Teilnahme an der Meisterschaftsendrunde berechtigt, halten zu können. Hinzu kommt, dass sich die Formkurven beider Teams entgegengesetzt entwickelt haben. Freiheit startete stark und schoss in den ersten drei Wettkämpfen im Schnitt jeweils 1983 Ringe, zuletzt waren es aber nur noch 1971. Wieckenberg begann im Bereich von 1960 Ringen, steigerte sich und erzielte im letzten Wettkampf gegen Ladekop 1977 Ringe. „Es wird ein sehr spannendes und emotionales Duell. Hoffentlich mit dem besseren Ende für uns. Die Zuschauer werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen“, fiebert Ruschel dem Derby entgegen.