1. Bundesliga Luftgewehr

Auf Drama folgt Ernüchterung für SV Wieckenberg

Starke Leistung, aber kein Ertrag: Der SV Wieckenberg verlor gegen Spitzenreiter SB Freiheit mit 1:4. Es war ein denkwürdiges Duell mit viel Drama.

  • Von Oliver Schreiber
  • 22. Nov. 2021 | 13:34 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Oliver Schreiber
  • 22. Nov. 2021 | 13:34 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Jork.

Ein echtes Wechselbad der Gefühle erlebten die Luftgewehrschützen des SV Wieckenberg beim Bundesliga-Wettkampf in Jork. „Das war das spannendste und dramatischste Match, seit wir in der Bundesliga sind. Das war Werbung für den Schießsport, unsere Leistung war auch gut. Aber dafür können wir uns leider nichts kaufen“, erklärt Teammanager Horst-Dieter Ruschel nach der 1:4-Niederlage gegen den weiter verlustpunktfreien Spitzenreiter Schützenbrüderschaft Freiheit aus Osterode. „Da war viel mehr für uns drin. Das Ergebnis ist viel zu deutlich. Mit ein bisschen Glück hätten wir auch mit 3:2 gewinnen können“, meint Ruschel.

Im Duell der Topschützinnen feuerte Osterodes Jeanette Hegg Duestad zwar in ihrem fünften Wettkampf zum ersten Mal nicht alle 40 Schüsse in die Zehn, doch abermals beeindruckende 399 Ringe reichten der Norwegerin, um gegen Wieckenbergs Schweizerin Chiara Leone (397 Ringe) die Oberhand zu behalten.

An Position zwei ereignete sich ein echtes Drama, das erst im Stechen entschieden wurde. Wieckenbergs Robin Zissel und Jolyn Beer kamen am Ende beide auf 396 Ringe. Im Showdown der beiden Schützen zog Beer als Erste – und traf unter dem Jubel der Zuschauer in die Zehn. Dadurch geriet Zissel unter Druck – und schaffte nur eine Neun. Dies war gleichbedeutend mit seiner ersten Saisonniederlage im siebten Duell. „Es ist leider im Stechen meist so, dass derjenige, der zuerst schießt und die Zehn trifft, auch gewinnt“, erläutert Ruschel.

Tina Lehrich blieb in ihrem Duell mit Michaela Müller-Thöle etwas unter ihren Möglichkeiten und hatte mit 392 gegenüber 396 Ringen das Nachsehen. Lehrich fing stark mit 99 Ringen an und hatte nach der ersten Serie zwei Ringe Vorsprung, aber Müller-Thöle steigerte sich traf von ihren restlichen 30 Schüssen 29 Mal ins Schwarze. Auch Melissa Ruschel musste die starke Leistung ihrer Kontrahentin Lisa Müller anerkennen. Zum Schluss hatte sie mit 394:397 das Nachsehen.

Das nächste Drama gab es an Position fünf – dieses Mal mit dem besseren Ende für Wieckenberg. Claire-Luisa Ruschel machte hier ihrem Ruf als Schnellschützin im Stile von „Lucky Luke“ alle Ehre. Nach nur 20 Minuten hatte sie alle 40 Schüsse abgefeuert und insgesamt 395 Ringe erzielt. Das war im wahrsten Sinne des Wortes zu viel für ihre Gegnerin Pamela Bindel. Sie zerbrach an dem Druck, den Ruschel mit ihrer Schnellfeuerserie erzeugt hatte und gab den Wettkampf tränenüberströmt auf, als ihr Rückstand zu groß wurde. „Natürlich habe ich mich über den Punktgewinn gefreut. Aber gleichzeitig tat es mir für Pam auch unendlich leid. Alle Schützen hatten Mitleid mit ihr. Ich weiß ja selbst, wie man sich da am Schießstand fühlt, wenn so gar nichts gelingt“, sagt Claire-Luisa Ruschel.

Richtungsweisende Duelle vor der Brust

Trotz des hochverdienten Ehrenpunktes herrschte bei den Wieckenbergern Ernüchterung. „Wir lagen bis mindestens zur Mitte des Wettkampfes in der Gesamtwertung vorne. Aber der Schlussspurt von Freiheit war dann schon echt stark. Das muss man einfach anerkennen, sie stehen ja nicht umsonst ganz oben“, erklärt Horst-Dieter Ruschel – und richtet den Blick gleich wieder nach vorne. Am nächsten Wettkampf-Wochenende stehen im Kampf um einen der Top-Vier-Plätze, die die Qualifikation zum Bundesliga-Finale bedeuten, richtungsweisende Duelle an. Wieckenberg als Fünfter trifft an auf den Dritten Wissen und den Vierten Elsen. „Da kann eine Vorentscheidung fallen“, glaubt Ruschel.