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Lokalsport Von Celle auf das Dach der Welt
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15:29 13.06.2010
Celle Stadt

Wenn Ria Quindt ihren Lebensgefährten am Ohr hat, klingt seine Stimme seit Wochen leise und gedämpft. Es ist nicht allein die wackelige Verbindung des Satellitentelefons, die den Celler Mike Kraft so schwer zu seiner Partnerin durchdringen lässt – dem 54-Jährigen fehlt hier, auf dem „Dach der Welt“ schlichtweg die gewohnte Luft zum Atmen.

„Sagarmatha“, Göttin im Himmel oder „Chomolungma“, Mutter des Universums – so wird der Mount Everest (8848 Meter) auf nepali und tibetisch genannt. Und seit drei Wochen dürfte sich auch Kraft der Magie des höchsten Berges der Welt kaum noch entziehen können. In einem Basislager im Himalaya auf 5500 Meter Höhe – rund 3400 Meter unterhalb des Everest-Gipfels – bereitet sich Kraft auf die herausfordernde Erfüllung seines Lebenstraumes vor: Einmal den höchsten der weltweit 14 Achttausender zu besteigen. Gut gerüstet ist der Celler Extremsportler für dieses Abenteuer allemal: Mit zwölf Jahren begann Kraft, der für eine Celler Erdölfirma als Geophysiker arbeitet, mit dem Laufsport. Regelmäßig nimmt er inzwischen an Triathlons, Ultra-Läufen und Bergtouren teil. Um sich auf den Gipfelsturm am Mount Everest vorzubereiten, absolvierte der Masterstrainer des Celler Schwimmclubs (CSC) ein 15-monatiges Training, das ihn unter anderem während der Wintermonate in den Harz führte. Jedes Wochenende, so erinnert sich Quindt, habe sie Kraft vom Brocken abholen müssen, den er samt 25 Kilogramm Gepäck immer wieder bestiegen habe.

Doch trotz aller Fitness, die ihr Lebensgefährte sich angeeignet hat, trotz aller alpiner Erfahrung, die er während der Besteigung verschiedener höchster Gipfel rund um die Welt gesammelt hat, bewegen Quindt auch großen Sorgen: „Einen Tag bin ich euphorisch, einen anderen Tag bedrückt.“ Nur noch knappe Nachrichten kann Kraft nach Celle senden, seit sein Smartphone ausgefallen ist. – Das Satellitentelefon, das er dafür benutzt, muss für den Notfall einsatzbereit sein. Und wenn die Expedition sich Anfang Mai, wenn die Everest-Besteigung für wenige Wochen überhaupt möglich ist, auf den Weg in die Höhe macht, werden die Nachrichten einige Tage ganz ausbleiben. Beruhigend sei da eine Regel, die Kraft ihr angesichts der ihm vertrauten Bergführer verraten habe: „Vertrauen in die Guides ist der halbe Erfolg des Aufstieges.“

Von Eike Frenzel