Minibiker des MTC Faßberg

Mit Vollgas und viel Gefühl

Sie sind jung und haben das Wort Angst aus ihrem Wortschatz gestrichen. Die jungen Minibiker des MTC Faßberg starten in die Saison.

  • Von Uwe Meier
  • 27. Juni 2020 | 18:02 Uhr
  • 13. Juni 2022
Die richtige Technik macht es: Thias Wenzel fährt in hohem Tempo durch eine Kurve.
  • Von Uwe Meier
  • 27. Juni 2020 | 18:02 Uhr
  • 13. Juni 2022
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Fassberg.

Thias Wenzel fährt in die Boxengasse und klappt das Visier seines Motorradhelmes nach oben. Darunter kommen strahlende Augen und das breite Lächeln eines Elfjährigen zum Vorschein. „Ich bin mit dem Ellenbogen geschliffen“, platzt es voller Stolz aus ihm heraus. „Ja, ja“, sagt Vater Jan Wenzel mit einem leichten Kopfschütteln, um dann mit einem Lächeln anzufügen: „Ich weiß schon, Du bist eben der Größte.“

Faßberger Jungs trainieren für die anstehenden Aufgaben

Jeden Mittwoch und jeden zweiten Samstag treffen sich die jungen Minibiker des MTC Faßberg auf der vereinseigenen Kartbahn auf dem Fliegerhorst des Ortes zum Training. Die Gruppe ist angesichts von nur drei Fahrern zwar klein, aber die Jungs gehen hochmotiviert ihrem ungewöhnlichen Hobby nach. Lennard Zech (11 Jahre), Mourice Siemast (12) und Thias Wenzel (11) lieben es einfach, ihre 8,4 PS starken Hondas NSF 100, die 73 Kilogramm schwer sind und es schon mal bis auf 120 Stundenkilometer bringen, über die Rennstrecke zu bewegen. „Es ist schön, wenn einem dabei der Wind um die Nase weht“, sagt Lennard, „das macht einfach Spaß.“ In den Kurven und auf der Geraden versuchen sie, ihre Maschinen in den Grenzbereich zu bringen. Fährt da nicht auch mal die Angst mit? „Nö“, sagt Lennard nur knapp.

Schnelle Gerade und enge Kurven werden locker gemeistert

Auf den Geraden wird sich ganz flach auf der Maschine liegend hinter der Verkleidung versteckt. Und fast waagerecht geht es durch die vielen, zum Teil ziemlich engen Kurven. Dabei schrammt das Knie, das durch eine Verstärkung an der Rennkombi geschützt ist, schon mal auf dem Asphalt. Manchmal kommt sogar, wie bei Thias, der Ellenbogen hinzu. Ganz so wie die Großen. Ein bisschen gefährlich sieht das schon aus. Aber das Motorrad bleibt in der Spur. „Eigentlich ist das physikalisch unmöglich. Aber die Jungs haben das drauf“, meint Jan Wenzel über die Kurventechnik.

Von Stürze lassen sich die "Jungs" nicht stoppen

Stürze? Ja klar, die gibt es auch mal. Aber außer ein paar kleinen Prellung und auch mal einer verstauchten Hand ist den Jungs dabei nichts passiert. „Das gibt mal ein paar Schrammen“, sagt Lennard, „aber nichts Schlimmes.“ Das passiert halt mal. Und die Beschädigungen am Motorrad werden von den Vätern wieder geradegerückt.

„Für mich ist es wichtig, das die Jungs ihr Motorrad im Griff haben“, sagt Jan Wenzel als Vater und Mechaniker von Mourice und Thias, „und das haben sie.“ Zu Anfang hätten sie es zwar hin und wieder mal übertrieben. „Doch das ist vorbei. Die Jungs wissen sehr genau, was geht und was nicht.“

Auftakt in die Rennsaison in Bopfingen

Und was wirklich geht, wird sich an diesem Wochenende zeigen. Da steht der Saisonauftakt im ADAC-Minibike-Cup in Bopfingen (Baden-Württemberg) auf dem Programm. Eigentlich hätte die Saison schon im April beginnen sollen. Doch Corona hatte auch die jungen Motorsportler ausgebremst. „Wir hangeln uns jetzt von Rennen zu Rennen“, so Jan Wenzel, der von seiner Frau Alexandra unterstützt wird.

Die ganze Familie ist auf Rennstrecken dabei

Sie ist Trainerin und Betreuerin in einer Person. Kreuz und quer durch Deutschland wird sie die Saison führen. Mit dabei ist dann auch Michael Gaul, der seinen Sohn Lennard tatkräftig unterstützt. Am Ende der Serie werden Wohnmobil und Autos der Familien rund 7000 Kilometer mehr auf dem Tacho haben. „So kann man Deutschland auch kennenlernen“, meint Gaul schmunzelnd. So ganz billig ist das Hobby der Söhne nicht – und genügend Zeit muss man auch mitbringen. Für Jan Wenzel alles kein Problem. „Die Jungs haben Spaß und wir sind als Familie dadurch viel zusammen. Da macht man das gern.“

Erste Fahrversuche im heimischen Garten

Angefangen hatte für die Wenzels 2017 alles auf einem Schrottplatz. Dort hatten sie ein kleines Pocket Bike gefunden, dass sie mit nach Hause nahmen und im heimischen Garten die ersten Fahrversuche machten. Das war irgendwann aber nicht mehr genug.

Sicherheit wird in Faßberg großgeschrieben

Der Wettkampf mit Gleichgesinnten sollte her. Und so wurden richtige „Maschinen“ angeschafft. Neu kostet so eine Honda über 5000 Euro. So tief wollten die Faßberger Fahrer aber nicht in die Tasche greifen. Gebrauchte Motorräder im Wert von zirka 3000 Euro tun es auch. Dazu kommen dann noch Lederkombi und ein guter Helm. „Die Sicherheit wird da großgeschrieben“, sagt Gaul. Und die Rennwochenenden kosten auch ein wenig. Nur gut, dass das Trio in der Firma Reifen-Gruhn in Hermannsburg einen Gönner gefunden hat. „In der Saison werden wir mehrfach im Monat bei denen vorstellig, da ständig Reifen der Minibikes umgezogen werden müssen“, erzählt Alexandra Wenzel.

Erste komplette Saison im ADAC-Minbike-Cup

Alle drei MTC-Fahrer bestreiten in diesem Jahr zum ersten Mal eine komplette Saison im ADAC-Minibike-Cup und starten dort in der Einsteigerklasse. Und klare Ziele haben sich die Jungs dafür auch gesteckt. „Ins A-Finale kommen“, sagt Lennard Zech, der 2017 mit diesem Sport begonnen hatte und der neben dem Motorradsport noch gerne Fußball spielt (TuS Hermannsburg), in der Leichtathletik (LG UFO) auf den Springstrecken unterwegs ist und gern Trampolin springt.

Hohe Ziele in einem schnellen Sport

Das A-Finale ist auch das Ziel von Mourice Siemast. „Und dann unter die ersten Zehn“, sagt der Zwölfjährige. „Das müsste schon irgendwie zu schaffen sein.“ Thias Wenzel ist das nicht genug. Er will in den rund 20 Fahrer umfassenden Teilnehmerfeld noch weiter nach vorn. „Ich möchte schön mindestens einmal auf dem Podest stehen und dann in der Gesamtwertung unter die ersten Fünf kommen.“ Ob er dabei auch wieder die Ellenbogen schleifen lassen muss? Darüber kann der Elfjährige nur Lächeln.