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Lokalsport „Doofe Fehler“ kosten SVG Celle Punkte
Sport Sport regional Lokalsport „Doofe Fehler“ kosten SVG Celle Punkte
14:03 13.06.2010
Von Uwe Meier
Josephine Techert traf gegen Sindelfingen neun Mal.
Josephine Techert traf gegen Sindelfingen neun Mal. Quelle: Peter Müller
Sindelfingen

Leere Blicke, enttäuschte Gesichter und einige Tränen. Wie ein Häufchen Elend wirkten die Spielerinnen des Handball-Erstligisten SVG Celle nach dem Schlusspfiff beim VfL Sindelfingen. Dem Team war klar, dass es kurz zuvor eine große Chance verpasst hat, im Kampf um den Klassenerhalt wichtigen Boden gutzumachen. Nach den vorangegangenen Siegen gegen Oldenburg und Trier war die Möglichkeit vorhanden gewesen, den dritten Erfolg in Serie zu landen und damit für ein ausgeglichen Punktekonto zu sorgen. Doch daraus wurde nichts. Und das nicht etwa, weil man vor 600 Zuschauern, darunter etwa 30 Celler Fans, gegen einen besseren Gegner eine 34:35 (16:18)-Niederlage hatte einstecken müssen. „Nein“, meinte Renee Verschuren wenige Augenblicke nach der Partie, „besser waren die nicht. Es war für uns mehr drin. Aber wir haben verloren. Und daran sind wir ein bisschen viel selbst Schuld.“

Zwar rangiert der Celler Aufsteiger trotz der fünften Niederlage nach acht Spieltagen vorerst auf dem neunten Tabellenrang, doch der Vorsprung zu Abstiegszone ist auf zwei Zähler zusammengeschrumpft. Im kommenden Heimspiel am Sonnabend besteht allerdings die Möglichkeit, den Abstand wieder zu vergrößern. Dann ist der Tabellenvorletzte Frankfurter HC (19.30 Uhr) zu Gast in der HBG-Halle. Bis dahin muss der „37-Stunden-Tripp ohne Punkte“ möglichst aus den Köpfen der SVG-Spielerinnen verschwunden sein.

„Ich hoffe, wir können das nächste Woche wieder gutmachen“, meinte Verschuren. Das heißt aber auch, das die Celler Mannschaft dann 60 Minuten lang voll konzentriert bei der Sache ist. In Sindelfingen war das nicht der Fall gewesen. Da hatte man sich immer wieder Aussetzer erlaubt, die es dem VfL leicht machten, die Celler ganz schlecht aussehen zu lassen. Denn nach dem Wechsel erlaubte sich die Mannschaft zwischenzeitlich einen kollektiven Blackout. Zehn Minuten lang ging zwischen der 37. und 46. gar nichts mehr zusammen. „Ich weiß auch nicht was da passiert ist und was damit uns los war“, sagte Desiree Comans. „Wir haben auf einmal viele unheimlich doofe Fehler gemacht.“ Die „doofen“ Celler Fehler brachten Sindelfingen auf die Siegerstraße. 14 Minuten vor dem Spielende betrug der Vorsprung der Gastgeberinnen sieben Tore.

Auch wenn es die Gäste schafften, anschließend den Hebel umzulegen und mehr Sicherheit ins Spiel zu bringen, war die Entscheidung gefallen. Die Celler Aufholjagd kam einfach zu spät, um der Begegnung noch einmal ein Wende zu geben.

SVG zehn Minuten lang völlig von der Rolle

Nach ganz starken 20 Minuten beginnt Celler Dominanz zu bröckeln / Fehler-Festival nach der Pause

SINDELFINGEN. Angeschlagen aber zuversichtlich war der SVG Celle ins vierte Auswärtsspiel der Saison gestartet. Mit Kateryna Valyushek, Susanne Büttner und Jasmina Jankovic gingen drei durch eine Krankheiten geschwächte Spielerinnen ins Rennen gegen den VfL Sindelfingen. Denise Wichmann musste sogar komplett passen. Dennoch hatte sich das SVG-Team einiges ausgerechnet. Hochkonzentriert ging die Mannschaft in die Partie und legte vorerst eine überzeugende Vorstellung aufs Spielfeld. Bis zur 12. Minute verlief die Partie vollkommen ausgeglichen, dann legte Celle nach. Mit sehenswerten Kombinationen hebelten die Gäste ein ums andere Mal die Sindelfinger Abwehr aus den Angeln. Auch auf eine offensivere Abwehrformation hatte man die richtige Antwort parat. Eine 14:10-Führung war der verdiente Lohn einer bis dahin starken Leistung.

Doch anschließend begann die Celler Dominanz zu bröckeln. Die SVG-Aktionen waren oftmals hektisch. Die Fehlerquote stieg besonders im Angriffsspiel an. Der Vorsprung schmolz dahin. Mit einem Viererpack in den letzten zweieinhalb Minuten vor der Pause verschaffte sich der VfL sogar die Führung.

Nach dem Wechsel hatte es zwischenzeitlich den Anschein als würde SVG die zu Beginn der Partie gezeigte Sicherheit zurück gewonnen haben. Ein Treffer von Josephine Techert sorgte für eine 21:20-Führung, ehe gar nichts mehr zusammen ging. Ein Zeitstrafe für Susanne Büttner nutzte Sindelfingen zu zwei Treffern (23:21/39.) und zog anschließend auf und davon. Celle hingegen wirkte völlig verunsichert, bekam keine Ordnung und Ruhe in die eigenen Aktionen und produzierte in dieser Phase Fehler auf Fehler und unterstützte den Gegner maßgeblich dabei, den Vorsprung bis auf 30:23 (46.) auszubauen, darunter allein fünf Treffer nach Kontern.

Obwohl die Partie zu diesem Zeitpunkt entschieden, steckten die Gäste nicht auf. Aber es reichte nicht mehr zu einem Punktgewinn. „Wir hätten acht Punkte haben können“, ärgerte sich Desiree Comans über eine verpasste Siegchance.

Sindelfingen –

SVG Celle 35:34

VfL Sindelfingen: Chemicz, Grabowski – Freudemann, Weigelt (3), Fischer, Engel (4), Sommerlund (4), Halynskaya (6), Meier (5), Högl, Rösler, Großmann, Cartarius (13/8), Öztürk.

SVG Celle: Jankovic, Lenz, Grimm – Comans (5), Valyushek (1), Steinfurth (2), Verschuren (9/7), Antonewitch (o.E.), Robben (3), Galouza (3), Loest, Techert (9), Büttner (2).

Schiedsrichter: Nils Blümel/Jörg Loppaschewski; Siebenmeter: 8/8 – 7/7; Stafminuten 8 – 8. Zuschauer: 600.

Torfolge: 0:1 (3.), 2:1 (4.), 4:3 (6.), 6:6 (10.), 8:8 (15.), 8:10 (17.), 9:12 (19.), 10:14 (22.), 12:14 (23.), 14:15 (26.), 14:16 (27.), 16:16 (29.), 18:16 (30.) – 18:18 (33.), 20:19 (35.), 20:21 (37.), 24:22 (41.), 28:22 (43.), 28:23 (44.), 30:23 (46.), 30:25 (48.), 31:26 (50.), 32:28 (53.), 33:30 (55.), 35:30 (57.), 35:32 (58.), 35:33 (60.), 35:34 (60.).

Trainerstimmen

Martin Kahle (SVG Celle): Es ist schon bitter, so ein Ding mit einem Tor zu verlieren. Letztlich hat Sindelfingen verdient gewonnen. Von dem hohen Rückstand Anfang der zweiten Halbzeit haben wir uns nicht erholt. Wir haben auch schlecht verteidigt, was Sindelfingen ausgenutzt hat. Grundsätzlich wurden einfach zu viele leichte Fehler gemacht. Dazu haben wir die individuelle Klasse von Hanna Halynskaya nicht in den Griff bekommen. Das gilt für einige andere VfL-Spielerinnen auch. Dennoch ein Kompliment an die Mannschaft, die sich nach dem deutlichen Rückstand nicht hat hängen lassen.

Jörg Plankenhorn (VfL Sindelfingen): Ich habe nicht damit gerechnet, dass es nach der deutlichen Führung nocheinmal so eng werden würde. Wir haben einfach zu undiszipliniert gespielt. 34 Gegentore sind einfach zu viel. Wir haben auch schlecht gedeckt und auch im Angriff zu viele Fehler gemacht. Das haben wir in dieser Form die gesamte Saison noch nicht gehabt. Ich kann mit einer schwachen Leistung leben aber nicht mit einer undisziplinierten Spielweise. Doch wenn mit jemand vor der Saison gesagt hätte, dass wir nach acht Spieltagen 9:7 Punkten haben, hätte ich ihm gesagt, dass er einen Vogel hat.