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Lokalsport Die Unbeschwertheit des Moments
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Coronakonforme Sport-Aktion begeistert Celler Lobetal-Bewohner

12:00 29.04.2021
Von Heiko Hartung
Quelle: Oliver Knoblich
Altencelle

Rund um das zentrale Rondell ist richtig was los: Knapp die Hälfte der 150 Bewohner der Lobetal-Einrichtung für kognitiv beeinträchtigte Menschen in Altencelle haben sich bei strahlendem Sonnenschein hier mit ihren Betreuern versammelt. Alle stehen an dem Banner ihrer jeweiligen Wohngruppe. 14 gibt es davon – von Haus Noah über Haus Ruth bis zu Haus David. Zu fröhlicher Musik wird geturnt und getanzt. „Wir haben gute Laune“, ruft einer laut, während alle zum „Fliegerlied“ von Buddy hüpfen und winken. Manchmal schallen freudige Juchzer über den Platz. In der Mitte steht Birgit Scheer-Leineweber und macht die Übungen vor – natürlich in angemessenem Corona-Abstand. „Streckt euch und fangt die Sonne mit den Händen ein. Ja, ihr könnt das“, ruft sie. 

Anregung durch Aktion des KSB

Normalerweise leitet Scheer-Leineweber das Kinderturnen beim SV Altencelle. In dieser Woche hat die 54-Jährige das „Revier“ gewechselt. „Ich habe von der coronakonformen Aktion ,Sport am Kindergartenzaun‘ des Kreissportbunds Celle gehört und fand die Idee toll“, erzählt die SVA-Abteilungsleiterin. Über eine Freundin kam der Kontakt zur Behinderteneinrichtung im Celler Ortsteil zustande. In dieser Woche bot sie ihre Turnstunde täglich am Nachmittag an. 

Lobetal-Bewegungszentrum geschlossen 

Und das ehrenamtliche Engagement kam super an: „Das ist eine wunderbare Sache“, freut sich Gisela Thiessen. „In der Pandemie ist das Sport- und Bewegungsangebot für unsere Bewohner leider eingeschränkt“, berichtet die Leiterin der Altenceller Lobetal-Zweigstelle. Das Freizeit- und Bewegungszentrum der Einrichtung ist geschlossen, die Fitnessgeräte, das Trampolin und der Gymnastikraum dürfen nicht benutzt werden. Stattdessen werden in den Räumen derzeit Corona-Schnelltests gemacht. „Wir merken, dass es vielen nicht gut tut, wenn sie ihren Bewegungsdrang wegen der Pandemiebeschränkungen nicht ausleben können“, sagt Thiessen. 

Wolfgang Petry und Andreas Gabalier sorgen für Stimmung 

Dagegen hatte Birgit Scheer-Leineweber ein gutes Rezept: In ihren 45-minütigen Turneinheiten ging es richtig rund. „Ohne Druck, jeder macht das, was er kann und möchte“, unterstreicht die Übungsleiterin. Was sie beobachtet hat: „Besonders auf Übungen mit Musik sprechen die Leute an.“ Und so erschallt Wolfgang Petry („Hölle, Hölle, Hölle“) ebenso aus Leinewebers mobiler Musikbox wie „Hulapalu“ von Alpenrocker Andreas Gabalier.

Und die Begeisterungsfähigkeit der Lobetal-Bewohner scheint grenzenlos zu sein. Auch die Mitarbeiter aus der Tagesförderstätte und die Wohngruppen-Betreuer machen schwungvoll mit. Zwischendurch gibt‘s immer wieder Applaus. Man feiert das Leben und die Unbeschwertheit des Moments. 

Turnstunde wird zur Open-Air-Party 

Nach umfangreichen Stretch- und Dehnübungen ist zum Ende hin Entspannung angesagt. Scheer-Leineweber zeigt Lockerungsübungen, der Puls geht wieder runter – bis zum großen Finale: Bei Helene Fischers „Atemlos“geht es noch einmal rund, sogar eine kleine Polonäse zieht über das Rondell – glückliche Gesichter, wohin man schaut. Da wird die Turnstunde zur fröhlichen Open-Air-Party. 

Abwechslung im Corona-Alltag willkommen 

Die Aktion ist zunächst auf diese Woche beschränkt, denn auf Dauer kann Birgit Scheer-Leineweber ihr Angebot nicht täglich bieten. „Wenn wir unseren Bewohnern aber ab und zu ein wenig sportliche Abwechslung in den Corona-Alltag bringen könnten, wäre das schön“, sagt Einrichtungs-Leiterin Gisela Thiessen. 

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