Respektvoller Umgang

Selbstbehauptung: Mit Mut durch die Matten

Selbstbehauptung erlernen: Daran hatten die Schüler der Celler Paul-Klee-Schule viel Spaß. Sie nahmen beim Pilotprojekt "Cool & Clever" teil.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 20. Jun 2022 | 14:16 Uhr
  • 21. Jun 2022
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  • 20. Jun 2022 | 14:16 Uhr
  • 21. Jun 2022
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Celle.

"Und jetzt zwischen den beiden Matten hindurch gehen“, stellt Elke Wendt, Selbstverteidigungstrainerin bei der Ju-Jutsu-Sparte des VfL Westercelle, die nächste Aufgabe. Die Achtklässler der Paul-Klee-Schule haben in ihrer Sporthalle zwei dicke blaue Matten aufgestellt und drücken von den äußeren Seiten aus mit vereinten Kräften dagegen. Es ist kein Spalt zu sehen. Wie bitte schön, soll man da durch kommen? Doch es geht. Ein Schüler nach dem anderen traut sich. Dabei wenden sie unterschiedliche Techniken an. Der eine krabbelt, ein anderer geht gebückt und eine Schülerin zwängt sich seitlich hindurch. Bei Wendts Kollegen Philip Lindner wird aus Spaß gern auch fester gegen die Matte gedrückt.

Diese Übung ist Teil des Pilotprojekts „Cool & Clever“, das an drei Terminen im Juni an der Celler Förderschule für geistige Entwicklung stattfand. Es ist ein Gewaltpräventionsprojekt für junge Menschen mit Förderschulbedarf und eine Kooperation zwischen der Paul-Klee-Schule sowie der Ju-Jutsu-Sparte des VfL Westercelle, in Abstimmung mit dem Niedersächsischen Ju-Jutsu Verband (NJJV). Ursprünglich wurde Ju-Jutsu 1969 für Polizei, Zoll, Justiz und Streitkräfte als effektives System der waffenlosen Selbstverteidigung konzipiert. Mit der Zeit entwickelte es sich auch zum Wettkampf- und Leistungssport.

Respektvollen Umgang erlernen

„Bei dem Projekt ‚Cool & Clever‘ liegt der Fokus vor allem auf der Selbstbehauptung“, sagt Wendt. „Hinzu kommen ein wenig Prävention und Selbstverteidigung.“ Jedoch in abgeschwächter Form. Die Paul-Klee-Schüler lernten zum Beispiel Techniken, wie sich aus speziellen Handgriffen zu befreien.

Außerdem geht es Wendt und Lindner um einen respektvollen Umgang miteinander. „Insgesamt haben die Schüler gut aufeinander Rücksicht genommen“, lobt Wendt die Achtklässler. „Sie haben darauf geachtet, wen sie vor sich haben.“

Auch das Aufwärmspiel, bei dem sich die Jugendlichen gegenseitig Klammern vom Ärmel stahlen, war auf ein respektvolles Miteinander ausgelegt. Denn Förderschüler, die alle Klammern verloren hatten, konnten wieder mitspielen, wenn andere ihnen eigene schenkten.

Den Schülern gefielen die drei Projekttage. „Es hat uns Spaß gemacht und wir fühlen uns nach dem Kursus sicherer“, sind sich Shakira und Mariella einig. Sie haben gelernt, Streit aus dem Weg zu gehen und wie man den Kopf im Notfall schützt. Auf die Frage hin, ob sie solch ein Training wiederholen wollen, antwortet Shakira: „Ich würde so etwas noch einmal machen, entweder in der Schule oder in einem Verein.“

Fortsetzung erwünscht

Eine Fortsetzung von „Cool & Clever“ wünscht sich auch Schulsozialarbeiterin Regina Schöps, die das Projekt an der Paul-Klee-Schule betreut. Das sei jedoch abhängig von Fördergeldern und Trainerkapazitäten. Trotzdem hofft sie, dass der Kursus auch bald für andere Jahrgänge angeboten werden kann.

Laut Joachim Knoll, stellvertretener Ju-Jutsu-Spartenleiter beim VfL Westercelle, beabsichtigt der NJJV das Projekt auf Landesebene in Kooperation mit örtlichen Sportvereinen weiteren Schulen anzubieten. So stehen womöglich bald andere Schüler vor zwei dicken Matten und stellen sich die Frage: „Wie komme ich da durch?“

Von Katharina Jäger

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