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Handball Celler Handball-Urgestein Rudolf Kahle gestorben
Sport Sport regional Handball Celler Handball-Urgestein Rudolf Kahle gestorben
19:07 31.10.2019
Die Celler Handball-Szene trauert um Rudolf Kahle. Quelle: Alex Sorokin
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Celle

Immer wenn das Telefon in der Redaktion klingelte und die Nummer von Rudolf Kahle im Display erschien, zuckte man unwillkürlich zusammen. Denn wenn Rudi anrief, hatte man bei den Handball-Artikeln mal wieder etwas falsch dargestellt, eine Tabelle nicht abgedruckt oder eine Handball-Partie nicht in der gewünschten Ausführlichkeit gewürdigt. Am Ende seiner Schimpftirade wurde seine Stimme versöhnlicher. „So, und jetzt gib alles, du Tintenfisch.“ Rudolf Kahle hat für den Handballsport immer alles gegeben. So lange, bis es nicht mehr ging. Ende Oktober starb das Celler Handball-Urgestein im Alter von 75 Jahren nach langer, schwerer Krankheit.

Kahle legte Grundstein für Aufstieg der Garßener Handballerinnen

Als „Glücksfall für den Celler Handballsport“ wurde Kahle einmal bezeichnet. Der gelernte Bankkaufmann war Trainer, Schiedsrichter und Verbandsfunktionär. Und er legte Ende der 1970er Jahre zusammen mit dem vor drei Jahren verstorbenen Joachim H. Niederlüke den Grundstein für den Aufstieg der Handballerinnen des SV Garßen, dessen Ehrenmitglied er war. Zwischen 1984 und 1989 ging der Weg des SVG mit Kahle als Trainer von der Kreis- in die Heideliga.

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Rudi Kahle (links) wurde 2017 zum Ehrenmitglied des SV Garßen gewählt. Quelle: Daniela Wagner

Insolvenz der SVG bricht Kahles Herz

Dann übernahm sein Sohn Martin das Traineramt und führte das Team bis in die 1. Bundesliga. Kahle senior blieb immer dicht an der Mannschaft dran, zog später als Gesellschafter der SVG Celle Handball GmbH im Hintergrund die Strippen. Als sein SVG vor zwei Jahren in die Insolvenz ging und sich aus der 2. Bundesliga zurückzog, brach ihm das Herz. „Es tut mir weh“, sagte Kahle seinerzeit mit brüchiger Stimme. Nach dem Niedergang des einstigen Celler Handball-Aushängeschilds wurden Kahles Besuche in den hiesigen Sporthallen seltener.

Er schätzte ein ehrliches, klares Wort

Dabei bezeichnete sich der 1944 in Allstedt im heutigen Sachsen-Anhalt geborene Kahle selbst als „handballverrückt“. Als Spieler war er unter anderem beim MTV Celle aktiv, gewann Anfang der 60er Jahre zwei Niedersachsenmeisterschaften. „Es hat mich geprägt, dass ich Mannschaftssport betrieben habe. Man wächst dadurch nicht unbedingt als Egoist auf“, sagte Kahle einmal. Seine bisweilen ruppige Art war nie bösartig gemeint. Er schätzte selbst ein ehrliches, klares Wort – und Blender roch er sieben Meilen gegen den Wind. Oder wie er es selbst sagte: „Es ist wichtig, dass man sich mit offenen Augen ins Gesicht sehen kann.“

Auch der Ortsrat Kahle dankte Kahle für sein Wirken im Handballsport. Quelle: Jörg Grünhagen

Mehr als 1000 Partien als Schiedsrichter geleitet

Der Träger der „Bronzenen Ehrennadel“ des Handballverbands Niedersachsen (HVN) beschränkte sein Engagement bei Weitem nicht nur auf den SV Garßen. Als Schiedsrichter bis hoch zur Oberliga leitete er mehr als 1000 Begegnungen. Beim Verband wirkte er im Altbezirk Lüneburger Heide, im Bezirk Lüneburg und beim HVN in der Technischen Kommission sowie im Spielausschuss.

Eigenwilliger Artikelschreiber

Auch für die Cellesche Zeitung war Rudolf Kahle über Jahrzehnte unverzichtbar. Woche für Woche schrieb er als Freier Mitarbeiter die Spielberichte aus der Frauen-Landesliga. Wenn am Montagmorgen das Faxgerät in der Redaktion ansprang, wusste man: Jetzt kommen Rudis Artikel. Auf jedem Ausdruck seiner mit der Schreibmaschine verfassten Berichte verlief ein dünner Streifen vom Seitenanfang bis ganz nach unten und ließ uns Redakteure verzweifeln, weil dadurch Spielernamen oder Ergebnisse nicht lesbar waren.

Ohne sie ging es bei Kahle nicht: die Schreibmaschine, auf der er all seine Artikel für die Cellesche Zeitung tippte. Quelle: Stephanie Pilick

Offenbar ein technischer Defekt. Auf den vorsichtigen Hinweis, er möge sich doch bitte ein neues Faxgerät oder besser gleich einen PC anschaffen und die Berichte per E-Mail schicken, wurde Kahle jedes Mal ungehalten. „Was ihr immer habt. Das funktioniert doch noch.“ Und damit war das Thema erledigt.

In den letzten Monaten meinte es das Leben nicht gut mit Rudolf Kahle. Seine Gesundheit war angeschlagen und im Sommer starb sein jüngerer Bruder Thomas. Jetzt hat auch sein Herz aufgehört zu schlagen. Rudolf Kahle hinterlässt zwei Kinder und zwei Enkel. Nicht nur sie werden Dich vermissen, lieber Rudi.

Von Uwe Meier und Heiko Hartung

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