Nationalmannschaft

Flick simuliert WM-Masterplan in Marbella

Das Nationalteam startet mit einem Aktivurlaub ins Saison-Finish mit vier Partien in der Nations League. Bundestrainer Flick setzt auf einen Mix aus Arbeiten und Relaxen. Das Ziel: Zurück in die «Weltspitze».

  • Von Cellesche Zeitung
  • 23. May 2022 | 13:31 Uhr
  • 14. Jun 2022
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  • 23. May 2022 | 13:31 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Marbella.

Marbella (dpa) - Thomas Müller muss vom luxuriösen Teamhotel nur eine schmale Straße überqueren, schon steht er auf dem Golfplatz.

Den kurzen Weg zu den perfekt gepflegten Rasenplätzen im «Marbella Football Center» könnten die Fußball-Nationspieler auch mit dem Rad zurücklegen. Und in der großzügig bemessenen Freizeit dürfen sie im Regenerations-Camp an Spaniens Cota del Sol mit Partnerinnen und Kindern an der Poolanlage entspannen. Hansi Flick macht's möglich.

Der Bundestrainer lässt vor der Winter-Weltmeisterschaft in Katar eine Idee neu aufleben, die auf seinen Vor-Vorgänger Jürgen Klinsmann zurückgeht. Vor dem deutschen WM-Sommermärchen 2006 reiste der Kader um den damaligen Kapitän Michael Ballack nach Sardinien, um dort erstmals mit Familienanschluss eine Turniervorbereitung vorzunehmen.

DFB-Spieler sollen freie Zeit nutzen

«Es ist eine Tradition beim DFB, dass man gemeinsam so eine Art Regenerations-Trainingslager macht», erinnerte Flick, der von 2006 bis zum WM-Triumph 2014 in Brasilien Assistent von Joachim Löw war. «Ich habe das schon das eine oder andere Mal mitgemacht», sagte der 57-Jährige zu seinen guten Erfahrungen mit derartigen Camps.

Bis Freitag sieht der Tagesablauf so aus: Vormittags will Flick «den Fokus aufs Training und auf positionsspezifische Dinge legen», wie er ankündigte: «Nachmittags können die Spieler relaxen und runterfahren und haben freie Zeit zur Verfügung. Das ist uns wichtig.»

Bis zum Abend sollen die eingeladenen Nationalspieler um Kapitän Manuel Neuer, der zuvor noch seinen Vertrag beim FC Bayern München bis 2024 verlängerte, im «The Westin La Quinta Golf Resort & Spa» einchecken. Ilkay Gündogan muss nach dem Gewinn des englischen Meistertitels mit Manchester City erst am Dienstag anreisen.

Auch Haaland in Marbella zu Gast

Die DFB-Vorhut hatte in der Hügel-Landschaft abseits des Trubels und der Strände von Marbella alles vorbereitet. Der Haupt-Trainingsplatz etwa war schon mit Bandenwerbung der DFB-Sponsoren versehen. Ein guter Bekannter aus der Bundesliga war am Montagvormittag auch schon da. Stürmerstar Erling Haaland, der im Sommer von Borussia Dortmund zum Gündogan-Club Man City wechselt, war im Fitnesscenter zu sehen.

Der 21-Jährige ist im «Marbella Football Center» Stammgast. Haaland besitzt in der Nähe ein Haus, aktuell bereitet er sich auf die Länderspiele mit Norwegen in der Nations League vor. Haaland könnte den DFB-Kickern um Dortmunds Kapitän Marco Reus bis Freitag hin und wieder über den Weg laufen.

Für Flick ist der Aktivurlaub des DFB-Teams an der Costa del Sol unter blauem Himmel und bei Temperaturen um die 30 Grad ein wichtiger WM-Baustein. Der Bundestrainer simuliert sozusagen den Masterplan für Katar. Erst gibt es das Kurz-Trainingslager in Spanien, dann folgen quasi im Turniermodus mit Stammquartier bei DFB-Ausrüster Adidas in Herzogenaurach die vier Nationenliga-Partien gegen Europameister Italien (4./14. Juni), EM-Finalist England (7. Juni) und Ungarn (11. Juni). «Jeder ist heiß auf das, was ansteht», sagte Flick. «Ich freue mich», versicherte auch Routinier Müller trotz der zum Ende einer langen Saison noch einmal anstehenden Länderspiel-Strapazen.

Sommer-Planung im Klinsmann-Stil

Flick probt schon mal den Ablauf der ebenfalls kurzen Vorbereitung auf die Winter-WM in Katar. Am 17. November wird der DFB-Tross das «Zulal Wellness Resort» im Norden des Wüstenstaats beziehen, sechs Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Japan. Flick plant davor einen Kurzaufenthalt in Dubai mit einem Testspiel. «Das muss in den nächsten Wochen noch festgezurrt werden», berichtete Flick.

Ein lockerer Saisonausklang ist für den 57-Jährigen tabu. Der Marbella-Trip war ihm wichtig, weil etliche Akteure wie der starke Bayern-Block schon am 14. Mai ihr letztes Saisonspiel hatten. «Nach zwei Wochen frei zu sagen, wir treffen uns vier Tage vor den Nations-League-Spielen und dann sollen die Spieler plötzlich Leistung abrufen, das wäre nicht seriös, das wäre nicht professionell», begründete der Bundestrainer die Sommer-Planung im Klinsmann-Stil.

Jeder Vorbereitungstag auf die WM ist wertvoll. Nach dem aktuellen Lehrgang mit vier Partien folgen nur noch zwei weitere Länderspiele Ende September zum Einspielen vor der Kader-Nominierung. Flick hat sein WM-Ziel fest im Visier: «Wir haben schon die Weltspitze im Blick und wollen alles dafür tun, dass wir konsequent weiter den Weg gehen.»

© dpa-infocom, dpa:220523-99-393336/3

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