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Fußball überregional Krisen-BVB verliert wilden Borussen-Gipfel gegen Gladbach
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18. Spieltag : Krisen-BVB verliert wilden Borussen-Gipfel gegen Gladbach

23:01 22.01.2021
Die Spieler jubeln: Borussia Mönchengladbach hat die Gäste aus Dortmund mit 4:2 besiegt. Foto: Martin Meissner/Pool AP/dpa
Die Spieler jubeln: Borussia Mönchengladbach hat die Gäste aus Dortmund mit 4:2 besiegt. Foto: Martin Meissner/Pool AP/dpa Quelle: Martin Meissner
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Mönchengladbach

Mönchengladbach (dpa) - Mats Hummels schlich enttäuscht vom Platz, Kapitän Marco Reus machte aus seinem Frust gar keinen Hehl. Borussia Dortmund hat beim wilden Rückrunden-Auftakt gegen Borussia Mönchengladbach den nächsten schweren Rückschlag kassiert.

Am Freitagabend blieb der BVB auswärts beim 2:4 (2:2) zum dritten Mal in Serie sieglos und muss mehr denn je um die Qualifikation zur Champions League bangen.

«Es sind halt immer die gleichen Fehler, die wir machen. Dann ist es schwierig, ein Spiel zu gewinnen. Das stinkt gewaltig», sagte Reus im ZDF. «Es ist heute auf keinen Fall alles schlecht, aber am Ende geht es um die Tore, da haben wir zwei geschossen und vier kassiert und daher verdient verloren», sagte Hummels bei DAZN.

Die nach wie vor in diesem Jahr unbesiegte Borussia vom Niederrhein zog nach dem ersten Sieg gegen die Westfalen seit fast sechs Jahren vorbei an Dortmund auf Rang vier in der Tabelle der Fußball-Bundesliga. Damit gelang dem Team des vom BVB umworbenen Trainers Marco Rose nach den Erfolgen gegen RB Leipzig und den FC Bayern der dritte Heimsieg der Saison gegen ein Liga-Spitzenteam.

Ein Doppelpack von Dortmunds Super-Stürmer Erling Haaland (22. Minute/28.) war zu wenig für den BVB, der eine enttäuschende Englische Woche mit nur einem Punkt aus den Spielen gegen Mainz (1:1), in Leverkusen (1:2) und nun in Gladbach abschloss. Der 20 Jahre alte Norweger überflügelte mit seinen Bundesligatoren 26 und 27 im erst 28. Bundesliga-Spiel Uwe Seeler, der einst ebenfalls 28 Spiele für seine ersten 26 Tore benötigt hatte.

Den Gladbacher Sieg machten aber Nico Elvedi (11. und 32.), Ramy Bensebaini (49.) und der eingewechselte Marcus Thuram (79.) perfekt. «Das 4:2 am Schluss hat uns richtig gut getan», sagte Gladbachs Doppeltorschütze Elvedi. «Das war für uns ein extrem wichtiges Spiel», betonte Florian Neuhaus.

Es dauerte nicht mal eine Minute, da herrschte schon Höchstspannung auf dem Platz. Jonas Hofmann nahm Dortmunds Jude Bellingham den Ball vor dem BVB-Strafraum ab und leitete weiter auf Neuhaus. Der Nationalspieler wartete nicht lange, setzte zum Schlenzer an und bejubelte die vermeintliche Führung nach nur 43 Sekunden.

Gegen den abgefälschten Ball war Dortmund-Keeper Roman Bürki machtlos. Doch dann: Videobeweis. Schiedsrichter Manuel Gräfe entschied nachträglich: Foul von Hofmann, kein Tor für Gladbach. Rose, der vor dem Spiel noch die Hälfte die BVB-Bank abgeklatscht hatte, ärgerte sich am Spielfeldrand.

Den äußerst frühen Weckruf vernahmen die Dortmunder noch nicht so richtig. In der siebten Minute rettete Bürki nach einem Flachschuss gegen Hofmann, wenig später konnte auch er nichts mehr ausrichten. Wieder war Hofmann beteiligt, diesmal als Vorbereiter. Seine Freistoß-Hereingabe verwertete Elvedi per Kopfball zur Führung. Die BVB-Abwehr um Ex-Weltmeister Mats Hummels war nicht auf der Höhe. Nach kurzer Wartezeit kam auch aus dem Video-Keller die Bestätigung für das Gladbacher 1:0.

Kaum hatte die Partie also begonnen, waren der nächtliche Ausflug von Breel Embolo und alle Spekulationen um eine Rose-Zukunft bei den Dortmundern erstmal vergessen. Jetzt wurde Fußball gespielt - und wie, nach dem Gegentor auch von den Westfalen. Die Mannschaft von Trainer Edin Terzic ließ die Gladbacher nun nicht mehr so gewähren, störte früher und machte dank Haaland aus einem 0:1 ein 2:1.

Rose reagierte, stellte von Dreier- auf die eher gewohnte Viererkette um. Fehlerlos wurde es danach nicht, langweilig auch nicht. Starke Offensivreihen trafen auf Abwehrketten mit Patzer-Potenzial. Wären Fans im Stadion gewesen, sie wären auf ihre Kosten gekommen. So aber bejubelten die Gladbacher Spieler den zweiten Elvedi-Treffer unter sich - diesmal sah Bürki nicht gut aus. «Der Halbzeit-Pfiff, Hallelulja», kommentierte Gladbachs Stadionsprecher das Spektakel in der ersten Hälfte.

Die zweite ging genauso wild weiter. Mit seinem ersten Bundesliga-Tor seit Mai 2020 brachte Bensebaini die Gladbacher wieder in Führung. In Sicherheit konnten sich die Gastgeber aber noch nicht wiegen. Der BVB drängte. Nach 70 Minuten nahm Terzic Marco Reus vom Feld, enttäuscht warf der BVB-Kapitän seine Schuhe weg. Rose brachte indes neben Embolo auch noch Thuram, der nach seiner Spuckattacke fünf Spiele hatte aussetzen müssen. Und ausgerechnet er besiegelte mit einem Kopfballtor die BVB-Niederlage. «Es waren einfach viel zu viele Rückschläge», kommentierte Terzic: «Wenn man vier Tore kassiert, wird es schwer, ein Spiel zu gewinnen.»

© dpa-infocom, dpa:210122-99-136748/6

Von dpa Von Carsten Lappe und Jens Marx