MTVE Celle im DFB-Pokal

Wie der Vater, so der Sohn

Schon Papa Ralf hat im DFB-Pokal gespielt, jetzt zieht Sohn Felix mit MTV Eintracht Celle nach. Ein Gespräch über Pokalruhm, Losfeen und Finnbogasons Trikot.

  • Von Heiko Hartung
  • 05. Sept. 2020 | 08:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
Vater und Sohn auf Augenhöhe: Ralf Krüger (links) hat als Torwart Mitte der 80er-Jahre im DFB-Pokal gegen Bayern München gespielt, sein Sohn Felix spielt mit MTV Eintracht Celle kommenden Samstag beim FC Augsburg.
  • Von Heiko Hartung
  • 05. Sept. 2020 | 08:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Der Auftritt auf der großen Fußballbühne rückt immer näher. Am Samstag, 12. September, 15.30 Uhr, fordern die Fußballer des MTV Eintracht Celle den Bundesligisten FC Augsburg im DFB-Pokal heraus. Mit seinen Toren im Landespokal hat MTVE-Stürmer Felix Krüger (27) seinen Klub in den wichtigsten nationalen Pokalwettbewerb geschossen. Auch sein Vater Ralf Krüger (58), Anfang der 90er-Jahre Torwart bei TuS Celle, blickt auf Duelle „Klein gegen Groß“ zurück. Im CZ-Gespräch erzählen Vater und Sohn über „Heldentaten“ gegen die großen Bayern, Corona-Tests und wie man zur Losfee wird.

Ralf, wann hast Du gemerkt, dass Dein Sohn kein Torwart ist?

Das Schlimme ist: nie. Felix konnte auch gut den Ball fangen. Ich musste ihm immer ausreden, im Tor zu stehen. Er sollte Fußball spielen und nicht wie ich, nur dabeistehen und die Bälle aus dem Tor holen.

Felix, Dir steht mit dem Pokalhit in Augsburg das größte Erlebnis deiner Laufbahn bevor. Wie ist Deine Gefühlslage?

Wir freuen uns alle riesig. Hätte uns vor einem Jahr einer erzählt, dass wir beim FC Augsburg spielen, den hätten wir ausgelacht. Und jetzt ist das Realität: Am Tag vorher anreisen, Übernachtung, dann nochmal trainieren – das alles muss man aufsaugen, das passiert so schnell nicht wieder.

Negative Corona-Tests sind was Positives

Ihr müsst Euch im Vorfeld der Partie viermal auf Corona testen lassen.

Ja, zwei Covid-19-Abstriche wurden schon gemacht.

Hoffentlich waren alle Proben negativ?

Ich habe nichts Positives gehört. (lacht). Also von keinem positiven Test gehört. Damit ist bislang alles gut.

Gab es diesbezüglich Auflagen vom Verein oder anderer Stelle?

Ganz viele Freunde haben gefragt, ob wir jetzt 14 Tage in Privatquarantäne verbringen. Machen wir aber nicht. Wenn man sich an die üblichen Richtlinien hält, reicht das aus.

Felix Krüger schoss im Niedersachsenpokal-Endspiel zwei Tore und war als Pokalheld ein gefragter Interview-Partner.

Was nehmt Ihr Euch als Underdog gegen die Profis vor?

Ich hatte einen Anruf von einem Redakteur aus Augsburg. Dem habe ich ganz trocken gesagt: Celle gewinnt 1:0 – um ein bisschen zu provozieren. Aber klar: Wir wollen das Spiel genießen, uns aber auch gut verkaufen. Darauf arbeiten wir seit Tagen hin. Nicht abschießen lassen, ein bis zwei gute Bälle spielen. Und wenn wir Glück haben, können wir hinterher in der Kabine noch ein Trikot abstauben. Ich würde das von Alfred Finnbogason nehmen.

Im DFB-Pokal gegen Bayern München

Ralf, Du hast auch mal im DFB-Pokal gespielt. Lang, lang ist‘s her: In der Saison 1884/1985 mit deinem damaligen Verein Friesen Hänigsen.

Ja, das war frühes 20. Jahrhundert. (lacht) In der 1. Runde mussten wir zum VfL Osnabrück, damals Zweitligaabsteiger. Kein Traumlos. Nach zehn Minuten lagen wir 0:2 hinten und das Ding war eigentlich gegessen. Und dann gewinnen wir in der Verlängerung mit 5:2.

Dann kamen die Bayern ...

Das war der Jackpot. Im Hänigser Stadion wurden Zusatztribünen aufgebaut für 16.000 Leute. Die waren pickepacke voll. Das vergisst man so leicht nicht. War ein schönes Spielchen und wir haben knapp nicht gewonnen. Udo Lattek war Trainer, Jean-Marie Pfaff stand im Tor, dazu Augenthaler, Lerby, Kögl – war schon ne ganz gute Riege. Am Ende stand es 0:8. Ich habe mir keinen Ball selbst reingeworfen, mich aber auch nicht mit Ruhm bekleckert.

Felix Krüger wurde im vergangenen Jahr zum Celler Pokalhelden.

Und dann durftest du in der Sportschau die Auslosung der nächsten Runde machen. Wie fühlt man sich als Losfee?

Das war spooky. Die brauchten wohl verzweifelt einen und haben sich gedacht: Der arme Bengel hat acht Stück gekriegt, den holen wir mal ins Studio nach Frankfurt. Aber das war natürlich auch ein Erlebnis.

Jetzt gibt es bald zwei in der Familie, die mal im DFB-Pokal gespielt haben. Dann seid ihr beiden auf Augenhöhe.

Ich habe Papa immer schon dafür bewundert, dass er das mitmachen durfte. Das ist ein Kindheitstraum. Wenn man in der 1. Runde die Kleinen gegen die Großen spielen gesehen hat, dachte man sich: Das muss doch mal funktionieren, dass man da auch hinkommt – und jetzt hat es geklappt.

Das ganze Interview steht hier als Podcast zur Verfügung.