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Fußball regional WM-Tagebuch: Zwölf Mal Endspiel: Documenta-Kunst in Downtown Joburg
Sport Fußball regional WM-Tagebuch: Zwölf Mal Endspiel: Documenta-Kunst in Downtown Joburg
14:38 30.06.2010
Celle Stadt

Im Gegensatz zu Durban, wo fast alle Straßennamen im Zuge einer überzogenen Political Correctness ethnisiert wurden, heißen die meisten Straßen im Central Business District (CBD) von Johannesburg noch immer so wie vor 100 Jahren: Eloff Street, De Villiers Street, Plein Street usw. Das waren im alten südafrikanischen Monopoly-Spiel teure Straßen, vergleichbar der Schloßallee und Parkstraße. Heute meint man sich dort in Kinshasa, Lagos oder der Bronx zu wähnen. Nur die Architektur der verfallenden Hochhäuser erinnert daran, dass dies einst das pulsierende moderne Manhattan Südafrikas war. Wie eine Oase der Ruhe wirkt in all dem Gewusel, Dreck und Verkehrschaos die altehrwürdige Art Gallery. Neben Rembrandt, Goya, Rodin, Monet, Matisse und Picasso sind dort auch viele einheimische Künstler, wie zum Beispiel Irma Stern und William Kentridge ausgestellt.

Im Rahmen des vom Goethe-Instituts initiierten Projektes „Football meets culture“ zeigt Farocki seine schon 2007 auf der Documenta 12 in Kassel mit großem Erfolg präsentierte Medieninstallation „Deep Play“. Farocki, der zu den wichtigsten Essayfilmern Deutschlands gehört, war lange Jahre Redakteur der Zeitschrift „Filmkritik“ und unterrichtet seit 2004 an der Akademie der bildenden Künste Wien. „Deep Play“ zeigt simultan auf zwölf Bildschirmen das WM-Endspiel 2006 zwischen Frankreich und Italien aus verschiedenen Perspektiven. Während auf einem Monitor die unterschiedlichen Arten der Ballbehandlung (Dribbling, Paß, Schuss) graphisch veranschaulicht werden, hat ein anderer die ganze Zeit über nur einen einzigen Spieler im Bild, ein weiterer zeichnet vor dem Hintergrund des Trainerblickes den Weg des Balls auf. Man betrachtet das Olympiastadion aus der stationären Außenperspektive, verfolgt die Anweisungen und Einspielungen der zentralen Kameraregie und sieht auf einem Überwachungsmonitor gelangweiltes Sicherheitskräfte in den Katakomben des Stadions. Farocki geht es dabei nach eigenem Bekunden vor allem um das Erkennen von Prozessen, das erst durch eine synoptischen Betrachtung möglich wird.

Beim Verlassen der Gallerie springt mir am Ausgang eine Broschüre mit Sicherheitstips für Besucher ins Auge. Darin heißt es u. a.: „Planen Sie Ihre Route im voraus.“ Ein Ratschlag, der sich im schachbrettartig aufgebauten CBD leicht umsetzten läßt.

Von Michael Schaaf