Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Fußball regional Vielseitigkeit im Doppelpack
Sport Fußball regional Vielseitigkeit im Doppelpack
12:57 13.06.2010
Dynamisches Duo: Marc und Ralf Schindel (von links) sind sportlich breit aufgestellt. Hauptsache ein Ball ist im Spiel.
Dynamisches Duo: Marc und Ralf Schindel (von links) sind sportlich breit aufgestellt. Hauptsache ein Ball ist im Spiel. Quelle: Peter Müller
Eschede

Diese Antworten erinnern unweigerlich an eine häufig vorkommende Situation vor der Restauranttür: „Bitte, nach Ihnen.“ – „Aber nein, gehen Sie doch vor.“ – Es sind allerdings weniger Höflichkeiten, die Marc und Ralf Schindel aus Eschede austauschen, wenn sie über ihre gemeinsamen Aktivitäten sprechen, als echter Respekt vor der Leistung des anderen. „Ralf ist im Handball besser“, sagt Marc über seinen jüngeren Bruder. „Marc ist im Volleyball sehr stark“, kontert dieser.

Sechs Jahre liegen zwischen dem 27-jährigen Marc und seinem jüngeren Bruder Ralf. Ihrer großen Leidenschaft, dem Sport, gehen beide trotz ihres Altersunterschieds schon seit längerer Zeit gemeinsam nach: Für Eschede spielen sie Handball im Regionsoberliga-Team, für Lachendorf stehen die Brüder in der Volleyball-Verbandsliga am Netz. Von einem „Brüderduell“, dem Konkurrenzkampf unter Geschwistern, wollen die beiden indes nichts wissen – sie spielen gut, weil sie zusammen in einer Mannschaft antreten und „weil wir schon immer gut miteinander ausgekommen sind“, wie Marc hinzufügt.

Von klein auf haben sich Marc und Ralf für die verschiedensten Sportarten begeistert. Einzige Voraussetzung: Es muss ein rundes Spielgerät vorhanden sein. „Alles mit Ball klappt ganz gut bei uns“, sagt Marc. Tischtennis, Tennis und Fußball hätten die Brüder ausprobiert, ehe sie im Handball und Volleyball ihre Passion entdeckten. Mit 12 Jahren begann Marc in einer Escheder „Hobbytruppe“ Volleyball zu spielen. „Es gab damals noch keine Jugendabteilung, da habe ich bei den Herren mitgespielt.“ Vier Jahre später stand er auch für die Escheder Handballer auf dem Parkett.

Mit der gleichen sportlichen Veranlagung ausgestattet, startete Ralf im Alter von 15 Jahren mit dem Handball. „Mit einigen Freunden habe ich die erste Jugendmannschaft im Ort gegründet.“ Als B-Jugendlicher wechselte Ralf nach Bergen, mit dessen Team er bis in die Handball-Oberliga aufstieg. Hier kreuzten sich die sportlichen Wege der Brüder 2005. Ralf half als A-Jugendlicher Rückraumspieler in der Herrenmannschaft aus, in der inzwischen sein Bruder Marc als Kreisläufer auf Torejagd ging. Eine wertvolle Kombination für jedes Team, das freilich auch die Umstände der sportlichen Vielseitigkeit der Schindel-Brüder in Kauf nehmen muss. „Zu Beginn der Saison lasse ich mir die Spielpläne schicken“, sagt Marc, der als Maschinenbau-Ingenieur für einen Reifenhersteller arbeitet. Es gelte, Überschneidungen zu vermeiden. Häufig müssten Spieltermine geändert werden. Dennoch käme es vor, dass die Brüder nachmittags etwa in Hannover eine Volleyball-Partie bestreiten müssten und im Anschluss nach Hermannsburg hetzen, um mit Eschede Handball zu spielen. „Der Zeitliche Aufwand ist hoch“, sagt Marc. Mindestens zweimal wöchentlich Training, am Wochenende ein bis zwei Punktspieltermine. Auf der anderen Seite würden beide ohne Sport wohl „durchdrehen“, wie Ralf erklärt, der ebenfalls einen Ingenieursstudium absolviert.

Gedanken, aus der sportlichen Veranlagung mehr Kapital zu schlagen, äußern die Brüder unterdessen nicht. Im Gegenteil: Bodenständig wirken Marc und Ralf Schindel, wenn sie über ihre Leidenschaft Sport sprechen. „Es gibt keine Konkurrenz zwischen beiden. Sie sind Frohnaturen, in jeder Beziehung“, weiß ihr Lachendorfer Trainer Wolfgang Wagner, der zumindest dem Jüngeren etwas mehr Potential bescheinigt. „Ralf ist im Moment ein bisschen besser. Mit dem richtigen Feintuning könnte er sicherlich in der 2. Bundesliga spielen.“

Worte, die Ralf Schindel sicherlich gerne hört, das 1,90 Meter-Duo aber kaum sprengen dürften. „Wenn wir getrennt sind, wirkt sich das auf das Spiel aus“, sagt Ralf, „Marc würde der Mannschaft wirklich fehlen.“ Marc ergänzt: „Wir haben uns schon im Auge, wir unterstützen uns gegenseitig.“ So werden Eschede und Lachendorf wohl noch einige Zeit auf die Schindel-Brüder zählen können. „Einer von beiden ist immer vorne am Netz“, sagt Trainer Wagner – „für uns ist das natürlich gut.“

Von Eike Frenzel