Nienhagen

SV Nienhagen verfehlt Saisonziel

Fußball-Bezirksoberligist SV Nienhagen hat eine Zittersaison hinter sich. Erst am letzten Spieltag schaffte der SVN durch einen 5:1-Erfolg im Abstiegsendspiel gegen den SV Emmendorf den Klassenerhalt. Die Gelb-Schwarzen sind hinter ihren eigenen Erwartungen zurückgeblieben. In der kommenden Spielzeit kommt es nun zum spannenden Kräftemessen mit Oberliga-Absteiger TuS Celle FC.

  • Von Oliver Schreiber
  • 15. Juli 2009 | 17:18 Uhr
  • 14. Juni 2022
SVN-Trainer Rolf Klindtworth gibt lautstark Anweisungen
  • Von Oliver Schreiber
  • 15. Juli 2009 | 17:18 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Nienhagen.

Glückwünsche zum Klassenerhalt nimmt Rolf Klindtworth, Trainer von Fußball-Bezirksoberligist SV Nienhagen, nur mit Widerspruch entgegen. „Gratulieren lasse ich mir nur zum Aufstieg oder zur Meisterschaft. Wir haben weniger erreicht, als wir uns vorgenommen haben, deswegen kann ich auch nicht zufrieden sein. Auch wenn die Saison ein glückliches Ende hatte“, lautet Klindtworths Fazit. Durch den 5:1-Erfolg im „Abstiegsendspiel“ gegen den SV Emmendorf hat der SVN am letzten Spieltag das rettende Ufer erklommen und darf sich nun auf das Derby mit Oberliga-Absteiger TuS Celle FC in der kommenden Spielzeit freuen.

Für die Gelb-Schwarzen hat sich eine alte Fußballer-Weisheit bestätigt, die besagt, dass für einen Aufsteiger die zweite Saison immer die schwierigere ist. Nach Platz sechs im Vorjahr ohne Abstiegssorgen und 42 Punkten sprang diesmal nur der zehnte Rang mit 37 Zählern heraus. Die angestrebte Verbesserung blieb aus. Dass nur fünf Punkte weniger in diesem Jahr Abstiegskampf bis zum Schluss bedeuteten, zeigt die Ausgeglichenheit der torhungrigen Bezirksoberliga (im Schnitt fast 4,5 Tore pro Spiel) mit teilweise kuriosen Resultaten.

Steil bergab ging es für die Nienhäger nach der Winterpause. Davor war der SVN im gesicherten Mittelfeld, holte aus 16 Spielen 23 Punkte. Im Jahr 2009 waren es ganze 14 Zähler aus 14 Partien. Ein wesentlicher Faktor für den Absturz waren die Abgänge von Sven Teichmann (als Trainer zu Fortuna Sachsenroß Hannover) und Tobias Zeising (zum VfL Wathlingen), zwei tragende Säulen mit viel Erfahrung. Dadurch verlor die Defensive an Stabilität, im Mittelfeld fehlte der „Tempomat“. Zudem waren beide auch Führungsspieler. Im Angriff fiel Jonathan Hagos lange Zeit aus, Raphael Strzodka spielte nur eine einzige Minute im letzten Spiel. Eine katastrophale Chancenauswertung, Verletzungspech und Undiszipliniertheiten taten ihr Übriges. „Da kam sicherlich eines zum anderen. Wir haken die Saison ab und konzentrieren uns auf die neue. Ein zweites Mal wollen wir auf keinen Fall bis zum Schluss zittern müssen“, blickt Klindtworth voraus.

Hinter der Zusammensetzung des neuen Kaders stehen noch einige Fragezeichen. Definitiv verlassen wird den Klub Abwehr-Urgestein Klaas Mach, der zum Liga-Konkurrenten in spe, TuS Celle FC, wechselt. Dorthin zieht es auch Maurice Thies – mit neun Toren bester Schütze beim SVN – und den erst in der Winterpause vom VfL Wathlingen geholten Melvin Adekunle. Jurij Graf verabschiedet sich Richtung Hamburg, Matthias Lueg hört wohl ganz auf. Der wichtigste Akteur, Mittelfeldspieler Jan Lührs, beginnt ab Oktober ein Studium in Köln.

Die fast sichere Verpflichtung von TuS-Verteidiger Ludwig Amling hat sich indes zerschlagen, er hat sich umentschieden und bleibt bei den Blau-Gelben. Fest steht, dass Lars Lutschewitz, Alessandro Majer, Tahir Örs und Kevin Schöneck, die zum Teil schon Bezirksoberliga-Luft schnupperten, aus dem eigenen Nachwuchs aufrücken. „Es wird noch weitere, externe Neuzugänge geben, aber da ist noch nichts spruchreif“, so Klindtworth.

SV Nienhagen – Statistik Saison 2008/2009

Der SV Nienhagen schloss die Saison in der Fußball-Bezirksoberliga auf Platz 10 (insgesamt 16 Mannschaften) ab und sicherte sich durch einen 5:1-Erfolg gegen den SV Emmdendorf am letzten Spieltag den Klassenerhalt. Von 30 Spielen gewann der SVN 11, verlor 15 und spielte viermal Remis (37 Punkte), das Torverhältnis lautete 59:72. Die Nienhäger kassierten 89 Gelbe, 5 Gelb-Rote und 4 Rote Karten.

Trainer Rolf Klindtworth setzte insgesamt 28 Spieler ein. Die meisten Tore schoss Maurice Thies (9), gefolgt von Matthias Behrens (8). Verteidiger Christian Behrens wurde als einziger bei allen Partien berücksichtigt. Die längste Zeit auf dem Feld war Routinier Klaas Mach (2567 Minuten).

Heimbilanz: 7 Siege, 2 Remis, 6 Niederlagen (23 Punkte/36:34 Tore).

Auswärtsbilanz: 4 Siege, 2 Remis, 9 Niederlagen (14 Punkte/23:38 Tore).

Eingesetzte Spieler: Christian Behrens (30 Einsätze), Klaas Mach (29), Maurice Thies (28), Alexander Tiegs (24), Jan Lührs (23), Jurij Graf (22), Kai John, Matthias Behrens, Daniel Weiss (je 21), Dominik Klus (18), Jens Gebler (17), Jonathan Hagos (16), Tobias Zeising, Matthias Lueg, Jan Merkert (je 15), Oliver Purcha (14), Nils Rogge (13), Sven Teichmann, Melvin Adekunle (je 12), Lars Lutschewitz (10), Dimitri Tews (9), Naser Dullaj (8), Alessandro Majer (5), Ferhat Agal, Pascal Peschke (je 3), Tahir Örs, Sedat Tüzün (je 2), Raphael Strzodka (1).

Einsatzminuten: Klaas Mach (2567), Christian Behrens (2325), Maurice Thies (2072), Alexander Tiegs (2023), Kai John (1890), Jan Lührs (1867), Jens Gebler, Jurij Graf (je 1473), Daniel Weiss (1317), Tobias Zeising (1286), Oliver Purcha (1252), Jonathan Hagos (1231), Nils Rogge (1103), Matthias Behrens (1073), Sven Teichmann (1025), Dominik Klus (924), Dimitri Tews (810), Melvin Adekunle (708), Matthias Lueg (692), Jan Merkert (668), Lars Lutschewitz (563), Naser Dullaj (441), Alessandro Majer (198), Pascal Peschke (164), Ferhat Agal (139), Sedat Tüzün (32), Tahir Örs (28), Raphael Strzodka (1).

Tore: Maurice Thies (9), Matthias Behrens (8), Jonathan Hagos (6), Dominik Klus (5), Jurij Graf (4), Alexander Tiegs (4), Jens Gebler (4/3), Daniel Weiss (3), Jan Lührs (3), Nils Rogge (3), Melvin Adekunle (2), Oliver Purcha (2), Sven Teichmann (2), Naser Dullaj (1), Christian Behrens (1), Matthias Lueg (1), dazu ein Eigentor des TSV Auetal.

Rote Karten: Jens Gebler, Alexander Tiegs, Sven Teichmann, Tobias Zeising.

Gelb-Rote Karten: Christian Behrens (2), Matthias Behrens, Jurij Graf, Jan Merkert.

Nachgefragt bei: Rolf Klindtworth

Rolf Klindtworth (51) ist seit 2001 Trainer des SV Nienhagen. Der Ex-Spieler des TuS Celle führte den SVN bis in die Bezirksoberliga.

Das Saisonziel lautete „Verbesserung gegenüber der Vorsaison“, als der SV Nienhagen als Aufsteiger Platz sechs belegte. Der SVN musste aber bis zum Schluss um den Klassenerhalt zittern. Warum ging es bergab?

Das hat mehrere Gründe. Die Vorrunde war in Ordnung. In der Winterpause haben wir mit Sven Teichmann und Tobias Zeising zwei erfahrene Führungsspieler verloren. Die Vorbereitung im Januar und Februar war katastrophal, wir haben auf Grund der Platzverhältnisse nicht ein Testspiel machen können, unsere Neuzugänge konnten wir so in unser Spiel nicht integrieren. Hinzu kommen Verletzungspech und Sperren durch Undiszipliniertheiten sowie unsere desaströse Chancenauswertung.

Das war das Negative. Was bleibt positiv in Erinnerung?

Ganz sicher das letzte Spiel, der 5:1-Sieg gegen Emmendorf. Da haben wir gezeigt, dass wir in entscheidenden Spielen voll da sind. Egal ob es um Auf- oder Abstieg ging in den vergangenen Jahren: Wenn es wirklich drauf ankam, haben wir immer gewonnen. Positiv war auch der Zusammenhalt im Verein, die Zusammenarbeit mit der zweiten Mannschaft und mit der A-Jugend.

Welche Spieler haben überzeugt, welche enttäuscht?

Grundsätzlich hebe ich nicht gerne Spieler hervor. Aber Dominik Klus, Nils Rogge oder Daniel Weiss haben mich schon positiv überrascht. Auch Alexander Tiegs hat einen großen Sprung gemacht und konstant gute Leistungen abgerufen. Über Enttäuschungen rede ich öffentlich nicht.

In der nächsten Saison kommt es zum Duell mit dem TuS Celle FC, für den Sie im Herrenbereich fast zehn Jahre kickten. Schon im Derby-Fieber?

Natürlich freuen wir uns auf diese Spiele, das ist für Celle sicherlich etwas Besonderes.

Kommt es zur Wachablösung im Celler Fußball?

Gute Frage, die ich leider nicht beantworten kann. Im Moment weiß ich noch nicht genau, wie unser Kader in der nächsten Saison aussehen wird, das entscheidet sich erst in den nächsten Wochen. Auf jeden Fall wollen wir nicht noch einmal bis zum Schluss um den Klassenerhalt zittern müssen.