Verrückt nach Fußball

Als Schiedsrichter per Hubschrauber eingeflogen

Als Schiedsrichter hat Rudi Oelmann immer einen passenden Spruch parat. Er weiß, wie man mit Spielern umgehen muss, schließlich pfeift er seit über 60 Jahren.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 28. May 2022 | 10:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Lisa Brautmeier
  • 28. May 2022 | 10:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Winsen.

In Rudi Oelmanns Arbeitszimmer steht ein Geschenk, ein blau-weißer Krug, der drei Männer abbildet. Alle stehen auf dem Fußballplatz, einer ist Feldspieler, ein anderer Torwart und der dritte Schiedsrichter. Sie stellen alle Funktionen dar, in denen Oelmann selbst schon auf dem Fußballplatz stand. Erst kürzlich wurde er für seine 60-jährige Mitgliedschaft in der Schiedsrichtervereinigung geehrt. Der 79-jährige vom SV Hambühren ist auf dem Fußballplatz groß geworden und ihn hat der Sport nie wieder losgelassen.

Am liebsten bei Jugendspielen

Als Schiedsrichter ging es Oelmann nie darum, in einer möglichst hohen Liga zu pfeifen. Am liebsten war er bei Jugendspielen im Einsatz. „Da kommt auch mal ein Kind auf einen zu und fragt: ‚Onkel, kannst du eine Schleife binden?‘“, erzählt Oelmann schmunzelnd. Und Kinder reagieren auch weniger gereizt, wenn sie zurückliegen. „Herren fallen da schon eher mal aus der Rolle“, sagt Oelmann. Wirklich Probleme hatte er mit Teams aber nie. Die roten Karten, die er in all den Jahrzehnten verteilt hat, kann er an einer Hand abzählen.

Klare Ansagen und witzige Sprüche

Wenn er vor einer Partie schon wusste, dass es knifflig werden könnte, holte er die Mannschaften bewusst zuvor zu sich. Dann gab es die klare Ansage: „Wir sind 23 Männer. Wenn Sie sich auch wie Männer verhalten, kommen wir gut miteinander aus. Und bei 23 Männern muss einer das Sagen haben und das bin heute ich, denn ich werde dafür bezahlt.“ Oelmann hat immer einen Spruch auf den Lippen, um auch etwas die Ernsthaftigkeit aus den Partien zu nehmen.

Per Hubschrauber zum Finalspiel

Auch bei der Bundeswehr hat Oelmann gepfiffen. In diese Zeit fiel der Höhepunkt seiner Schiedsrichterlaufbahn: Er durfte 1968 das Endspiel der Divisionsmeisterschaften in Oldenburg pfeifen. „Das war eine Ehre für mich, ausgewählt zu werden“, sagt Oelmann. Aber das wirklich Besondere daran war der Hinweg. Denn Oelmann wurde extra für da Spiel persönlich abgeholt und nach Oldenburg gebracht – und zwar per Hubschrauber.

Zwölf Jahre war Oelmann in der Bundeswehr. Dafür zog er von seinem Heimatort Bröckel nach Celle, spielte in der Zeit beim VfL Westercelle. Dann musste er 1974 aus seiner Dienstwohnung ausziehen und so ging es für ihn und seine Frau Brigitta nach Hambühren. Dort verbrachten sie bis zu ihrem Umzug vor zweieinhalb Jahren nach Winsen die meiste Zeit.

Spartenleiter beim SV Hambühren

Beim SV Hambühren engagierte sich Oelmann gleich als Jugendtrainer und kurze Zeit später übernahm er den Posten des Spartenleiters, den er zehn Jahre lang ausübte. „Aber ich habe immer gesagt, ich mache das nur so lange, wie kein Geld über den Tisch geht“, sagt Oelmann. Und als dann gleich fünf neue Spieler verpflichtet wurden, jeweils für 1000 Euro, legte er sein Amt nieder.

Das Wichtigste am Fußball ist für Oelmann die Gemeinschaft. Das trifft auch auf sein zweites großes Hobby zu: den Chorgesang. 1975, kurz nach dem Umzug nach Hambühren, ging der damalige Vorsitzende des Gesangvereins „Freiheit“ an Oelmanns Haus vorbei. „Ich stand unter der Dusche und da hat er mich singen gehört. Später klingelte er dann an der Tür und er sagte, dass er noch nach Männerstimmen suche“, so Oelmann. Er versprach, in den Chor einzutreten und seine Frau sorgte dafür, dass er das Versprechen auch hielt.

Mit dem Chor auf Reisen

Mit dem Chor ging es auf große Reisen, zum Beispiel nach Griechenland, Kanada und Australien. Überall wurde gesungen: Am Flughafen, im Outback Australiens auf dem Weg zum Ayers Rock. Und egal ob in Sydney oder Athen – für Oelmann gehörte auch der Besuch der Fußballstadien mit zum Programm. Am liebsten ist er aber im Stadion von Eintracht Braunschweig. Er ist seit klein auf Fan und war auch beim letzten Spiel der abgelaufenen Saison vor Ort, um den Aufstieg in die zweite Liga zu feiern.

Beim Terroranschlag in Madrid vor Ort

Da aber einer der beiden Söhne Bayern-Fan ist, war er auch schon in München oder beim Champions League-Spiel des FC Bayern in Madrid. Und das am 10. März 2004, wenige Stunden bevor ein Terroranschlag auf mehrere Züge die Stadt erschütterte. „Überall war Blaulicht zu sehen und Sirenen zu hören“, erinnert sich Oelmann. Züge fuhren nicht, Taxis gab es auch kaum welche. Trotzdem schafften sie es zum Flughafen und unbeschadet aus der Stadt heraus.

Ob große Stadien oder kleine Dorfplätze – Oelmann schaut Fußball überall gerne. Aber seit Kurzem gibt es einen neuen Club, den er unterstützt. Dann trägt er sogar ein Trikot mit der Aufschrift „Ultras Kickers Wolthausen“. Da die Freunde seiner Enkelinnen den Verein mitgegründet haben, lässt er sich bei deren Spielen gerne blicken. So kann er seine Familie und Freunde unterstützen und seiner Fußballleidenschaft nachgehen – für ihn die perfekte Mischung.