Oberliga Niedersachsen

Eintracht Celle aus tiefem Tal nach ganz oben

Der MTV Eintracht Celle hat das geschafft, was zu Jahresbeginn keiner für möglich gehalten hätte: den Klassenerhalt in der Oberliga.

  • Von Oliver Schreiber
  • 08. Mai 2022 | 16:42 Uhr
  • 12. Juni 2022
"Nie mehr Landesliga!" Die Spieler des MTV Eintracht Celle feierten nach der 4:1-Gala gegen den MTV Wolfenbüttel den Klassenerhalt.
  • Von Oliver Schreiber
  • 08. Mai 2022 | 16:42 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Inmitten der Feierlichkeiten direkt nach Spielschluss zückte Hilger Wirtz sein Smartphone. Der Trainer des Fußball-Oberligisten MTV Eintracht Celle filmte seine Truppe dabei, wie sie nach dem überzeugenden 4:1-Erfolg gegen den MTV Wolfenbüttel zusammen mit den Fans überschwänglich den vorzeitigen Klassenerhalt zelebrierte. Diesen besonderen Moment wollte er unbedingt festhalten. „Was die Jungs seit Januar geleistet haben, ist einfach grandios. Wir haben hart gearbeitet, und sie haben mich sicherlich nicht immer geliebt. Aber sie haben voll mitgezogen und jetzt den verdienten Lohn dafür eingefahren“, erklärt Wirtz.

Geschafft: Nach 23 von möglichen 27 Punkten in diesem Jahr bleibt der MTV Eintracht Celle weiter Oberligist. Nach dem erneut beeindruckenden 4:1-Heimsieg gegen den MTV Wolfenbüttel ging die Party los, die Spieler wurden im Freudentaumel von ihren Fans mit blau-weißem Rauch „eingenebelt“.

Nachdem der 57-Jährige in bewegten Bildern eingefangen hatte, wie seine Spieler jubelnd, tanzend und singend, von blau-weißem Qualm aus Rauchtöpfen „benebelt“, den feucht-fröhlichen Partymarathon starteten, ordnete er diesen Erfolg entsprechend ein. „Er ist aus meiner Sicht sogar noch höher zu bewerten als der Landespokalsieg oder die beiden Aufstiege aus der Landesliga. Wir sind Ende des vergangenen Jahres durch ein tiefes Tal gegangen, waren auf Grund der vielen Verletzten nicht mehr konkurrenzfähig. Aber wir haben uns da herausgearbeitet. Das macht mich mächtig stolz auf dieses Team“, blickt Wirtz zurück.

Die Eintracht-Spieler bedankten sich bei ihren Fans für die Unterstützung.

In der Tat hätten selbst die kühnsten Optimisten nicht mit einem derartigen Lauf gerechnet. Mit ansehnlichem Kombinationsfußball, hohem Tempo sowie stark verbessertem Defensiv- und Zweikampfverhalten holten die Blau-Weißen sieben Siege und zwei Remis in bisher neun Partien, gleichbedeutend mit der vorzeitigen Rettung zwei Spieltage vor Schluss. Vor eigenem Publikum folgte bis auf das Tündern-Spiel eine Gala nach der anderen: Fünf Spiele, fünfmal drei Punkte und ein Torverhältnis von 21:4 sprechen eine deutliche Sprache.

Häufiges Bild: Die Spieler des MTV Eintracht Celle bejubeln einen Treffer. 21 Tore in fünf Heimspielen waren es bereits in diesem Jahr.

Diese Heimstärke bekam auch Wolfenbüttel vor rund 250 Zuschauern in der Wilharm-Arena zu spüren – mit zehnminütiger Verspätung. Die mit dem Rücken zur Wand stehenden Gäste begannen engagiert. Bereits nach zwei Minuten stockte den Eintracht-Fans der Atem, als nach einem langen Ball Lars Borchert den Ball beim Versuch, ihn abzuschirmen, an Jonas Klöppelt verlor. Dessen Schuss landete am Innenpfosten – und sprang von dort wieder ins Feld zurück. Kurz danach hatte der MTVE Glück, dass die Pfeife von Schiedsrichter Björn Behrens bei einem heiklen Zweikampf im Strafraum stumm blieb und Wolfenbüttel ein möglicher Elfmeter verwehrt blieb.

Großes Durchsetzungsvermögen: Eintracht-Stürmer Luca van Eupen, hier im Duell mit Wolfenbüttels Ludwig Vollbrecht, erzielte seine Saisontreffer 17 und 18.

Nach diesen Schreckmomenten drehten die Hausherren dann auf. Und gingen in der zehnten Minute in Führung. Torjäger Luca van Eupen köpfte aus Nahdistanz eine von Hilger von Elmendorff vors Tor gezogene Ecke ein. Dieser Treffer beflügelte die Celler, die Wolfenbüttel nun förmlich auseinandernahmen. Nach einem der vielen Klasse-Angriffe flankte Gerbi Kaplan vom linken Strafraumeck auf den von rechts einlaufenden Laurin Bonk. Dessen Schuss klatschte MTV-Keeper Direnc Güven ab, Faisal Soma staubte ab – 2:0 (21.). Es war das erste Saisontor des lange Zeit verletzten Stürmers.

Seit Wochen in Topform: Eintracht-Rechtsverteidiger Laurin Bonk.

Eintracht versäumte es, bis zum Pausenpfiff schon alles klarzumachen. Wolfenbüttel hätte sich über ein 0:4 oder gar 0:5 nicht beschweren dürfen. Nach dem Seitenwechsel hatte der MTVE zunächst Probleme, an seine Top-Vorstellung aus der ersten Halbzeit anzuknüpfen. Die Gäste agierten offensiver, das Spiel wurde offener. Der zur Pause eingewechselte Muzaffer Can Degirmenci erzielte nach einer Unachtsamkeit in der Celler Defensive in der 51. Minute den Anschlusstreffer.

Der lange Zeit verletzte Eintracht-Stürmer Faisal Soma (links) erzielte beim4:1-Erfolg gegen den MTV Wolfenbüttel sein erstes Saisontor. Seine Formkurve zeigt stetig nach oben.

Die Wirtz-Elf schüttelte sich kurz – und stellte in der 67. Minute den alten Abstand wieder her. Ein langer Abschlag von Torwart Christof Rienass landete bei Denis Janu, der den Ball gleich weiter auf van Eupen leitete. Der hob die Kugel über den herauseilenden Güven – sein 18. Saisontreffer.

"Zehner" Denis Janu bereitete den Treffer zum 3:1 vor.

Und dann stachen auch noch die Joker. In der Nachspielzeit schickte Adrian Zöfelt (spielte nach seiner Gesichtsverletzung mit Spezialmaske) mit einem genau getimten Pass den ebenfalls kurz zuvor eingewechselten Fatih Yavsan auf die Reise. Der bullige Angreifer umkurvte Güven und schob den Ball aus spitzem Winkel in die Maschen. Der Startschuss zu einem Partymarathon, denn kurz danach folgte der Abpfiff. „Der Sieg war verdient. Was wir vor allem in der ersten Halbzeit gezeigt haben, war allerhöchstes Niveau“, lobt Wirtz.

Mannschaft bleibt im Gros zusammen

Die nächste gute Nachricht: Die Mannschaft wird nach dem Klassenerhalt im Gros zusammenbleiben. „Mannschaft und Staff haben Großartiges geleistet und identifizieren sich voll mit diesem Verein. Es wird sicherlich auch die ein oder andere Veränderung geben, da sind wir noch in finalen Gesprächen. Aber das Gerüst steht“, betont MTVE-Abteilungsleiter Stefan Cohrs.