Oberliga Niedersachsen

Hilger von Elmendorff arbeitet am Comeback

Erst Kreuzbandriss, dann auch noch Corona: Für Hilger von Elmendorff war 2020 ein "Seuchenjahr". Aber Licht am Ende des Tunnels ist in Sicht.

  • Von Oliver Schreiber
  • 29. Dez. 2020 | 12:56 Uhr
  • 12. Juni 2022
Anfang August bereitete sich Hilger von Elmendorff (am Ball) voller Vorfreude auf die Pokalspiele und die neue Oberliga-Saison vor. Doch dann riss in einem Testspiel das Kreuzband im linken Knie.
  • Von Oliver Schreiber
  • 29. Dez. 2020 | 12:56 Uhr
  • 12. Juni 2022
Anzeige
Celle.

Hilger von Elmendorff überlegt kurz. „Seuchenjahr trifft es wohl ziemlich gut. Aber das gilt ja eigentlich für alle“, antwortet der verletzte Mittelfeldstratege des Fußball-Oberligisten MTV Eintracht Celle auf die Frage, wie er das Jahr 2020 mit einem Schlagwort umschreiben würde. Im August hatte sich der 24-Jährige im Testspiel bei Bezirksligist SG Eldingen (9:0) einen Kreuzbandriss zugezogen – ausgerechnet vor den drei wohl wichtigsten Spielen der Vereinsgeschichte im Landes- beziehungsweise DFB-Pokal. Im November kam zu allem Überfluss auch noch eine Corona-Infektion hinzu.

Hilger von Elmendorff kickte in seinem ersten Herren-Jahr 2014 zunächst beim TuS Celle FC.

Doch von Elmendorff ist alles andere als niedergeschlagen und blickt voller Zuversicht auf das neue Jahr. „Die Corona-Infektion war zum Glück nicht so schlimm, ich hatte auch kaum Symptome. Die zehntägige Quarantäne war für mich auch kein großes Problem, weil ich gerade meine Bachelor-Arbeit schreibe und da eh zu Hause am Computer sitzen muss. Und mit meiner Reha liege ich auch voll im Plan. Die schlimmste Zeit habe ich zum Glück hinter mir“, erklärt von Elmendorff, der öffentliche Betriebswirtschaft in einem dualen Studiengang bei der Region Hannover studiert und derzeit im Gesundheitsamt tätig ist. Dort hatte er sich auch infiziert, glücklicherweise aber niemanden in seinem näheren Umfeld angesteckt.

Übungen mit Ball auf dem Bolzplatz

Seit Anfang Dezember ist von Elmendorff wieder im Lauftraining. Mit Freundin Jasmin, mit der er zusammen in Hannover lebt, dreht er gemeinsame Runden um den Maschsee. „Sie tritt mir auch in den Hintern, wenn ich mal keine Lust zum Laufen habe“, berichtet von Elmendorff schmunzelnd. Dazu radelt er auf dem Ergometer und hält sich mit Krafttraining fit. Zweimal pro Woche arbeitet er mit einem Physiotherapeuten an seinem Comeback. Und auch das runde Leder war bei seinem Reha-Programm schon wieder im Spiel. Zusammen mit seinem Vater und zugleich auch Trainer Hilger Wirtz absolvierte von Elmendorff auf dem Bolzplatz in Ovelgönne – ganz in der Nähe seines Elternhauses – ein paar leichte Übungen mit dem Ball. „Das war fast wie früher als Kind. Auf diesem Platz habe ich unzählige Stunden verbracht und gebolzt“, erklärt von Elmendorff.

Nach nur einer Saison beim TuS Celle FC wechselte Hilger von Elmendorff 2015 zum Nachbarn MTV Eintracht. Hier im Derby bekommt er es im Zweikampf mit Michael Kiefer zu tun.

Mit längeren Zwangspausen kennt er sich aus. Vor drei Jahren machte ihm eine hartnäckige Schambeinentzündung zu schaffen, durch die er monatelang ausfiel. Damals war Geduld gefragt, weil eine solche Verletzung schwer therapierbar ist und der Zeitpunkt des Comebacks ungewiss war. Das ist dieses Mal anders. „Ich hoffe, dass ich vielleicht im März wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann und Ende April wieder Punktspiele bestreiten kann. Aber ich mache mir da keinen zeitlichen Druck. Vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining und vor der Rückkehr aufs Spielfeld muss ich jeweils noch zwei Tests bestehen, ob das Knie den Belastungen auch standhält“, erläutert von Elmendorff.

Rückkehr ins Training für März geplant

Der Eintracht-Spielmacher sieht also wieder Licht am Ende des Tunnels. Der Zeitpunkt der Verletzung war – wenn man in einem solchen Fall überhaupt davon sprechen kann – sogar einigermaßen günstig. Angesichts der Corona-Krise und des Lockdowns seit Anfang November hält sich die Anzahl der verpassten Spiele und Trainingseinheiten in Grenzen. Der Restart in der Oberliga dürfte wohl auch erst wieder gen März erfolgen – also parallel zur geplanten Rückkehr ins Mannschaftstraining. „Nach der langen Pause durch Corona fangen ja alle fast wieder bei Null an, insofern ist mein Trainingsrückstand dann gar nicht so groß. Natürlich hätte ich diese Verletzung echt nicht gebraucht, aber zumindest der Zeitpunkt dafür war im Nachhinein nicht der schlechteste. Drei Wochen später wäre mir allerdings lieber gewesen“, sagt von Elmendorff mit einem gequälten Lächeln.

Triumph im Landespokal: Die Spieler des MTV Eintracht Celle feiern den größten Erfolg der Vereinsgeschichte ...

Denn den 3:2-Erfolg im Landespokal-Halbfinale gegen den FC Hagen-Uthlede , den Triumph im Finale gegen den MTV Gifhorn (3:2) und das DFB-Pokalspiel beim FC Augsburg (0:7) konnte er nur von der Tribüne aus verfolgen. „Das tat mehr weh als die Verletzung. Aber immerhin konnte ich jeweils live vor Ort sein und die Mannschaft unterstützen. Das waren einfach tolle Erlebnisse für uns alle, die wir nie vergessen werden“, meint von Elmendorff.

Im Halbfinale und Finale des Landespokals war Hilger von Elmendorff (Mitte) nicht dabei. Dafür aber im Viertelfinale, als mit dem sensationellen und spektakulären 5:4-Sieg bei Regionalliga-Aufsteiger VfV Borussia 06 Hildesheim der Grundstein für den Erfolg gelegt wurde.

Beim hoffentlich nächsten Highlight der Celler will er wieder eine tragende Rolle auf dem Spielfeld einnehmen. „Wir wollen unbedingt den Klassenerhalt schaffen und auch im nächsten Jahr in der Oberliga kicken. Das wird sicherlich schwierig, aber wir können das packen. Ich will der Mannschaft dabei unbedingt helfen“, hofft von Elmendorff auf ein Happy End nach dem „Seuchenjahr“ im nächsten Sommer. Und das in dreifacher Hinsicht: ohne Verletzung, Abstieg und Corona.