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Fußball regional Jacob Deines: „Boxen ist kein Ballett“
Sport Fußball regional Jacob Deines: „Boxen ist kein Ballett“
13:34 13.06.2010
Celle Stadt

Boxen ist sein Leben. Jacob Deines, kraftstrotzender Hoffnungsträger des VfK Celle, gibt für diese Sportart alles. Bei den Deutschen Boxmeisterschaften der Eliteklasse präsentierte er sich in Topform und kam in seiner Gewichtsklasse (Mittel bis 75 Kilogramm) mit der Silbermedaille nach Hause. „Diese Meisterschaften waren für mich eine Herausforderung, wollte ich doch allen auch beweisen, dass ich es besser kann, als auf den Niedersachsenmeisterschaften“, so Deines. „Von meiner Leistung her habe ich alles getan und mir den zweiten Platz verdient“, fügt der 22-Jährige hinzu.

Deines sportlicher Alltag ist durchgeplant. Sechs Mal die Woche trainiert er, ob auf dem olympischen Stützpunkt in Gifhorn, beim VfK Celle oder zu Hause. „Bis zu zwei Stunden Training am Tag müssen schon drin sein, um Erfolg zu haben“, sagt der Boxer. Er trainiere so viel wie möglich. Seine tägliche Jogging-Runde nutzt er für Klimmzüge und Liegestützen in freier Natur. Eine gute Kondition und Ausdauer würden das Boxen ausmachen, ebenso die Technik. „Boxen ist kein Ballett, Kraft gehört dazu.“

Freizeit ist bei diesem Trainingsplan rar. Wenn er Zeit hat, verbringt er sie mit seiner Freundin in Hannover oder mit seiner Familie. „Ich bin ein Familienmensch. Das ist das A und O für mich. Auch wenn der Sport bei mir einen wichtigen Stellenwert einnimmt, so steht Familie für mich noch immer an erster Stelle“, meint der gebürtige Sibirier, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt. „Meine Familie unterstützt mich mit dem Boxen. Auch meine Mutter versteht mich. Sie betont immer wieder, wie wichtig das Trainieren ist. Wenn ich verliere, dann bin ich selbst Schuld.“

Hobbys sind für den zweifachen Deutschen Meister ein Fremdwort. Ab und zu würde er Fußball spielen, „doch ich habe keine Lust auf etwas anderes als Boxen.“

Vor acht Jahren hat er mit dem Boxen angefangen, als er mit seinen Brüdern ein Schnuppertraining beim VfK Celle besuchte. „Ich war sofort begeistert und blieb dabei“, erinnert er sich. „Viele sagen, Boxen sei eine brutale Sportart, doch ich finde, bei jeder Sportart kann man sich verletzen. Beim Boxen passiert eben ein bisschen mehr. Ich lasse den kritischen Stimmen einfach ihre Meinung, denn ich finde es nicht so schlimm.“

Dass er ab und zu im wahrsten Sinne des Wortes mit einem blauen Auge davon kommt, nimmt er in Kauf, sei eben Bestandteil des Boxens – und lässt sich dann von seiner Freundin verarzten „Ich habe schon 80 Kämpfe hinter mir, eine gebrochene Nase hatte ich zum Glück noch nicht.“

Deines’ Bundeswehrzeit ist beendet. Nun ist er auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung. In welche Richtung es gehen soll, weiß er noch nicht. Vor zwei Jahren hat er bereits mit einer Tischlerlehre angefangen, sie aber abgebrochen. „Ich muss mir erst einmal Gedanken machen, denn es ist nicht so einfach, Sport und Beruf zu kombinieren“, erklärt er.

In Zukunft möcht er sich verstärkt auf das Boxen konzentrieren – eventuell auch auf internationaler Ebene. „So lange ich noch körperlich fit bin, boxe ich weiter. Ein paar Jährchen werden das sicherlich noch sein. Ich denke, mit 30 ist dann wahrscheinlich Schluss.“

Von Rebekka Schrimpf