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Fußball regional Hicksch folgt Halbe als Trainer beim TuS Celle FC
Sport Fußball regional Hicksch folgt Halbe als Trainer beim TuS Celle FC
14:28 13.06.2010
Trainer beim TuS Celle FC: Ein Ritt auf der Kanonenkugel.
Trainer beim TuS Celle FC: Ein Ritt auf der Kanonenkugel. Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Zumindest an der Verständigung dürfte das Engagement des neuen TuS Celle FC-Trainers Uwe Hicksch nicht scheitern: Der 52-Jährige mit Besitz der Trainer-A-Lizenz ist Vater zweier Töchter im Teenager-Alter und müsste daher mit der Jugendsprache bestens vertraut sein. Und seit gestern hat Hicksch, der die personell nahezu unveränderte Mannschaft des TuS FC bereits in der Oberligasaison 2007/2008 betreute, wieder das Traineramt an der Nienburger Straße übernommen.

Zuvor, am Montagabend, hatte sich der Vorstand des Bezirksoberliga-Zwölften vom bisherigen Übungsleiter Rüdiger Halbe getrennt, nachdem zwischen ihm und den Spielern „Kommunikationsprobleme“ bestanden hätten, die TuS FC-Vorsitzender Peter Hoop vor allem auf den Generationsunterschied zwischen dem 65-Jährigen und seinen Schützlingen zurückführte. „Er hat die jugendlichen Spieler nicht mehr erreichen können“, sagte Hoop. Halbe war für eine Stellungnahme gestern nicht zu erreichen.

Damit ist nach vier Monaten eingetreten, was Kritiker bereits während Halbes Präsentation als Trainer in Frage gestellt hatten: Ist der 65-jährige Braunschweiger wirklich der richtige Mann für den Neuanfang mit einer jungen Mannschaft? Zweifel am fußballerischen Sachverstand des ehemaligen TuS-Spielers und Mitglieds der Amateur-Nationalmannschaft gab es fraglos keine. Und so ließ der TuS-Vorstand auch keine Gelegenheit aus, im Zuge seiner „Vertrauensoffensive“ die Richtigkeit seiner Trainerwahl zu betonen. Er machte folglich auch keine Einwände gegen Halbes Fünfjahresplan geltend, mit dem er TuS Celle FC wieder in die Regionalliga führen wollte. „Wir standen im Dezember vor einem Trümmerhaufen und haben die rettende Hand gerne ergriffen“, sagte Hoop hinsichtlich der Verpflichtung Halbes.

Dass aus dem Heilsbringer Halbe nun der Ex-Trainer Halbe geworden ist, lag wohl nicht allein an dessen Trainingsmethoden, die aus Kreisen der TuS-Mannschaft als „nicht mehr zeitgemäß“ bezeichnet wurden.

Offenbar hat der Vorstand nach sechs Liga-Begegnungen, die allesamt unter der Prämisse „Klassenerhalt“ standen, die Nerven verloren: Fünf Punkte hat Halbe, der seine Mannschaft auf Grund der Wetterverhältnisse unter denkbar schlechten Bedingungen vorbereiten musste, auf dem Konto. Eingefahren wurden diese zudem auch gegen Gegner von der Tabellenspitze. Das reichte den TuS-Verantwortlichen nicht: „Allmählich wird es eng“, sagte Hoop, der daraufhin mit dem Vorstand eine „Zäsur“ machen wollte: „Mit einem Aktiven aus Celle, der die Mannschaft kennt und 100 Prozent Leistung bringt.“

Jetzt soll Uwe Hicksch dort weiter machen, wo er vor 16 Monaten in einer höheren Spielklasse aufhören musste. Er sei „völlig überrascht“ gewesen, nachdem ihn Vorstandsmitglied Gerd Stieler am Montagabend nach seiner Bereitschaft gefragt habe, sagt Hicksch, der seit seiner letzten TuS-Trennung kein Traineramt inne hatte. Warum man Hicksch nicht schon im Dezember angesprochen hat, bleibt das Geheimnis des neuen Vorstandes. Dass Hicksch indes nach 15 Minuten Bedenkzeit zugesagt habe, habe vor allem daran gelegen, dass im Verein und Mannschaft „am Herzen lägen.“ Dem Unternehmen Klassenerhalt blickt Hicksch positiv entgegen: „Die Substanz ist in der Mannschaft definitiv vorhanden.“

Altbekannte Reflexe mit neuen Erklärungen:

Trainerbank des Bezirksoberligisten als Schleudersitz

Uwe Hicksch ist bereits der sechste TuS Celle FC-Übungsleiter innerhalb von 16 Monaten

CELLE. Die Konsequenzen sind stets die selben, allein die Erklärungen ändern sich: Wenn der sportliche Erfolg eines Fußballvereins ausbleibt, der Abstieg droht oder sich personelle Konstellationen ändern, wackelt schnell der Trainerstuhl. Übungsleiter, die noch vor wenigen Monaten als Heilsbringer oder Erneuerer verpflichtet worden sind, müssen zügig ihre Sachen packen.

Bezirksoberligist TuS Celle FC stellt hier keine Ausnahme dar. Im Gegenteil: Mit der (Wieder-) Einstellung von Uwe Hicksch wurde der sechste Trainerwechsel binnen 16 Monaten beim Celler Traditionsverein vollzogen. – Damit herrschen beim TuS FC zumindest in dieser Hinsicht Verhältnisse wie im Profifußball: Eintracht Braunschweig etwa verschleißte als Zweitligist in der Saison 2006/2007 gleich fünf Fußballlehrer.

Das TuS-Trainerkarussell im Überblick:

Uwe Hicksch: Nach eineinhalb Jahren in der Oberliga wird Hicksch am 20. Dezember 2008 beim TuS Celle FC entlassen. Die Mannschaft steht zu diesem Zeitpunkt auf Platz zehn der Tabelle. Die Trennungsgründe: „Verschiedene Auffassungen“ in der Arbeit, wie es seitens des Vorstandes hieß. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass es zwischen Hicksch und dem spielenden Vorstandsmitglied André Müller ein Konflikt schwelte.

Jörg Rienass: Der vormalige B-Junioren-Trainer übernimmt am 10. Januar 2009 den Posten als Trainer der Oberligamannschaft TuS Celle FC. Ihm zur Seite stehen TuS-Keeper Eike Mach und Spieler sowie Vorstandsmitglied André Müller.

André Müller: Nach dem Abstieg in die Bezirksoberliga Ende Mai 2009 verlässt Rienass den TuS FC. Neuer Übungsleiter wird Müller, der damit kurzfristig in Celle das Magath-Modell maximaler Kompetenzbündelung etabliert: Sportlicher Leiter, Manager, Sponsoren-Aquisiteur und Trainer.

Eike Mach: Nach einer 1:7-Klatsche bei Teutonia Uelzen hat Müller genug. In der Mannschaft finde er kein Gehör mehr, beklagt sich Müller und um die sportliche Talfahrt zu stoppen, übergibt er am 7. Oktober 2009 das Traineramt in die Hände von Torwart Eike Mach – eine Interimslösung, in der Winterpause soll ein neuer Trainer verpflichtet werden.

Rüdiger Halbe: Der neue Vorstand um den Celler Unternehmer Peter Hoop tritt am 15. Dezember 2009 sein Amt an – und präsentiert den neuen TuS-Übungsleiter Rüdiger Halbe. Der 65-Jährige, der Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre selber für den TuS spielte, präsentiert seinen Masterplan: „Mein erklärtes Ziel ist, in fünf Jahren in der Regionalliga zu spielen.“

Uwe Hicksch: Fünf Punkte aus sechs Partien stehen zu Beginn der Rückrunde auf dem Konto von Trainer Halbe. Zu wenig aus Sicht des TuS-Vorstandes. Am 12. April 2010 wird Halbe telefonisch von seiner Entlassung in Kenntnis gesetzt. Neuer Trainer wird erneut Uwe Hicksch, der die selbe Mannschaft mit Ausnahme eines Spielers bereits in der Oberliga betreut hatte.

Von Eike Frenzel