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Fußball regional Fußball-Fieber am Arbeitsplatz: Hauptsache, der Chef spielt mit
Sport Fußball regional Fußball-Fieber am Arbeitsplatz: Hauptsache, der Chef spielt mit
20:23 16.06.2010
Celle Stadt

Eine gute Vorbereitung auf die WM ist schon die halbe Miete für einen erfolgreichen Fußball-Sommer. Das gilt nicht nur für die Teams, die in Südafrika um den Titel spielen, sondern auch für alle Ball-begeisterten Arbeitnehmer in der Heimat: Denn wer seinen Urlaub nach dem Spielplan eingereicht hat, kann sich in aller Ruhe am Fernsehschirm dem Kick vom Kap widmen – für alle anderen könnte schon das morgige Spiel der deutschen Nationalmannschaft um 13.30 Uhr gegen Serbien zur Zerreißprobe werden: Wie bekommt man nur etwas von der Partie mit während der deutschen Kernarbeitszeit?

Wer als Arbeitnehmer Fußball vom Büro oder der Fertigungshalle aus verfolgen möchte, ist zumeist auf den guten Willen seines Chefs angewiesen, denn das Arbeitsrecht lässt in dieser Frage keine Zweifel, wie der Arbeitsrechtler Ulrich Brock von der Celler Kanzlei Blidon, Brock, von Maltzahn, ausführt: „Arbeitszeit ist Arbeitszeit – Freizeit ist Freizeit. Es gibt keinen Anspruch auf bezahltes Gucken von Fußball.“ Es sei sogar „gefährlich“, so Brock hinsichtlich arbeitsrechtlicher Konsequenzen, „ohne Abstimmung mit dem Arbeitgeber“ den Büro-Fernseher für ein Spiel einzuschalten.

Keine Konsequenzen brauchen die Mitarbeiter vom Allgemeinen Krankenhaus (AKH) und Sankt Joseph-Stift zu fürchten, wenn sie zur gemeinsamen Fußball-Runde zusammenkommen. So wurde die Betriebs-Kantine im AKH zur absoluten WM-Zone erklärt: Fußballdekoration auf Tischen und unter der Decke, täglich ein Gericht aus dem Land eines WM-Teilnehmers, dazu werden alle Spiele auf einer Leinwand übertragen. „Bei uns grassiert das WM-Fieber“, sagt AKH-Sprecher Robert Berrisch. Wie auch im Sankt-Joseph-Stift, wo im Aufenthaltsraum ein Fernseher aufgestellt worden ist, können die Krankenhaus-Mitarbeiter Fußball live verfolgen – freilich nur, solange ihr nicht Dienst darunter leidet. „Zu den Deutschlandspielen bieten wir zudem kostenlos alkoholfreies Bier und alkoholfreie Cocktails an“, verrät Berrisch.

Über einen Getränkeservice können sich die Celler Polizisten zwar nicht freuen. – Dafür stehe in den Aufenthaltsräumen, ein Fernsehgerät, so dass „die Kollegen“ während einer Kaffeepause schon einen Blick auf das WM-Geschehen werfen könnten, so lange ihr Einsatz nicht davon betroffen sei, wie Polizei-Sprecher Guido Koch erklärt.

Wo der Dienstherr oder Arbeitgeber nicht auf das Verantwortungsbewusstsein seiner Mitarbeiter setzt, sollten diese auf keinen Fall auf eigene Faust eine Möglichkeit zum Fußballschauen, etwa im Internet, suchen. „Wenn dies vom Arbeitgeber untersagt ist, bedeutet das sogar einen Kündigungsgrund“, sagt Fachanwalt Brock.

Glücklich können sich diejenigen schätzen, deren Chefetage selber Fußball-begeistert ist. Wie etwa die Mitarbeiter vom Celler Wasseraufbereitungs-Spezialisten Berkefeld Veolia. Die rund 270 Beschäftigten könnten sich die WM-Begegnungen ansehen – wenn sie die Leinwand-Runde selber organisieren würden, sagt Stefan Jakubik, Marketingleiter des Unternehmens. Passender Weise stehe das diesjährige Sommerfest Berkefelds unter dem Motto „WM 2010“, so dass für das Spiel Deutschland – Serbien eine Großbildleinwand in der Altenceller Fertigungshalle installiert wird. Allerdings betont Jakubik, dass sich die kollektive WM-Euphorie nicht zu Lasten des Arbeitsprozesses auswirken dürfe.

In eine derartige Situation können die Mitarbeiter des Energieversorgers SVO vorerst nicht geraten Bei ihnen herrsche ein „normaler Arbeitstag“, so SVO-Sprecher Ralf Horst. Erst in der Endphase der WM wolle man über gemeinsame Fußball-Aktionen nachdenken. Dass Deutschland dann noch eine Rolle in Südafrika spielt, daran bestehen zumindest keine Zweifel.

Von Eike Frenzel