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Fußball regional Frauen-Revolution im Regenwald Ex-Celler Chris Brown Erfolgstrainer
Sport Fußball regional Frauen-Revolution im Regenwald Ex-Celler Chris Brown Erfolgstrainer
14:54 13.06.2010
Von Jürgen Poestges
Chris Brown (links) mit seinem Frauen-Team
Chris Brown (links) mit seinem Frauen-Team Quelle: nicht zugewiesen
Celle Stadt

Heute sitzt der Mann an der Central Florida University in Tampa als Fußballtrainer. Chris Brown ist Technischer Direktor der Bulls und Co-Trainer der Lady Bulls, gecoacht von seiner Ehefrau Denise Schilte, ehemals kanadische Nationalspielerin, in den 90er Jahren bei Fortuna Sachsenross Hannover und Turbine Potsdam aktiv. Chris war in der Saison 1995/96 bei TuS Celle FC in der Regionalliga unter Vertrag. Sein Coach aus Austin in Texas, Wolfgang Sühnholz, in den USA heute noch eine Legende, hatte ihn damals Franz Gerber anempfohlen. Sühnholz/Gerber – eine alte Bayern-München-Verbindung.

„Ich war mächtig stolz, als Ami im Fußballland Deutschland spielen zu dürfen. Mit Greg Kile hatte ich damals ein Kumpel von drüben und mit Hakan Bicici einen ganz speziellen Freund“, erinnert sich Chris spontan. Eigentlich müsste er jetzt die nächsten Fußballkurse für Kinder vorbereiten. Doch Chris, selbst Vater von Zwillingen, bleibt in seinem Bürosessel kleben und sinniert über diesen anderen Kumpel. „Dirk, aber der Nachname fällt mir nicht ein. Groß, blond, gelocktes Haar, Schnauzbart.“ Da kann seinem Gedächtnis auf die Sprünge geholfen werden: Es handelt sich um Dirk Paulig.

„Es war eine sehr inspirierende Zeit für mich in einer anderen Kultur. Meine Eltern haben alle Zeitungsartikel aufgehoben. Chris in Deutschland. Das war was.“

Heute lebt Chris in Florida. Und seit kurzem ist er auch Nationaltrainer der Guyana-Frauen. Weshalb er ab und zu nach Georgetown fliegt, in den Regenwald, nördlich von Brasilien. Und demnächst nach Trinidad/Tobago, zur zweiten Runde mit den Frauen beim Turnier um den Gold Cup, zugleich auch Qualifikation zur WM 2011 in Deutschland.

Hirngespinste. Die „Lady Jaguars“ sind gerade erst gegründet, mit zwei Qualifikationsspielen haben sie die erste Runde auf karibischer Ebene gewonnen. 2:0 gegen Suriname und 1:0 gegen St. Vincent und die Grenadinen Anfang März. Das aber hat eine regelrechte Frauenfußball-Euphorie ausgelöst. Eine Liga gibt es jetzt, sechs Teams. Sogar Staatspräsident Bharrat Jagdeo hat im altehrwürdigen Cricket-Stadion zugesehen, mitgejubelt, gratuliert und sich mit den Girls ablichten lassen. „I am so proud of you“ – Ich bin so stolz auf euch. Die Zeitungen überschlugen sich.

Nur beinharte Traditionalisten klagen: Nichts ist mehr so wie früher. Sie trauern dem alten Rekord nach. Vor 30 Jahren nämlich, also 1980, schaffte Trainer Brian O’Neil den bisher größten Erfolg mit seinen Männern, das Erreichen der zweiten Runde bei einer WM-Qualifikation. Die Namen kennt jeder wie hierzulande Herbergers 54er-Elf. Und jetzt kommt dieser Chris Brown daher mit seiner Frauen-Revolution im Regenwald.

Eigentlich ein Zufall. Browns Universitäts-Kollege Mark Rodriguez hat guyanische Wurzeln, eine talentierte Tochter und kurzerhand den Guayanischen Fußballverband traktiert, bis dieser grünes Licht gab. Rodriguez wurde so im letzten Jahr zum Technischen Direktor, installierte seinen Kumpel Chris als Trainer. Nach einem Turnier auf Turks und Caicos, zunächst noch nur mit US-Legionärinnen, haben sie im Winter auch sechs Spielerinnen von lokalen Teams integriert. Sie alle haben einen Traum: Die WM 2011 in Deutschland.