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Fußball regional Faßberger Lauf-Talent Finja Lange will unter die Top Fünf in Deutschland
Sport Fußball regional Faßberger Lauf-Talent Finja Lange will unter die Top Fünf in Deutschland
17:21 27.12.2015
Unterlüß

UNTERLÜSS. Das Licht der Flutlichtmasten wirft ein surreales Licht auf die Tartanbahn im Unterlüßer Hochwald-Stadion, seichte Nebelschwaden wandern durch die Luft. Leichtathletin Finja Lange dreht gerade die erste Runde der 8000 Meter langen Übungs-Strecke und gibt das Tempo für die hinter ihr laufende Siebener-Gruppe vor. „Du bist zu schnell, das schaffen die anderen nicht“, schreit ihr Trainer Jan Rybizki über den Platz. Ihr Blick wandert auf ihre Uhr, sie drosselt etwas das Tempo – bei Temperaturen etwas unter zehn Grad trägt die 16-Jährige nur ein T-Shirt. „Wir drehen unsere Runden – egal bei welchem Wetter. Selbst Schnee hält uns nicht ab. Zur Not schippen wir die Bahn frei“, sagt die 16 Jahre alte Schülerin.

Ein Satz, der deutlich macht, wie ehrgeizig das junge Lauf-Talent ist. Ihr wöchentliches Pensum kann sich sehen lassen. Ob im Wald, auf der Tartanbahn oder in der Halle: Sechs bis sieben Tage in der Woche trainiert Lange. Seit September – so hat es ihre GPS-gestützte Uhr aufgezeichnet – hat sie im Schnitt 70 Kilometer pro Woche abgerissen. Jeden Sonntag dreht sie eine 15 Kilometer lange Runde durch die Wälder um Faßberg, so Lange: „Das Laufen im Wald befreit mich von den Sorgen des Alltags, ist aber auch eine gute Zeit zum Abschalten und Nachdenken: über Hausaufgaben, Klamotten, Essen, eigentlich über alles Mögliche.“

Der Ehrgeiz von Lange ist es, der Trainer Rybizki an seinem Schützling imponiert. Aus seiner Sicht hat sie im vergangenen Jahr eine außergewöhnliche Entwicklung hingelegt: „Wovon sie sportlich vorher nur geträumt hat, das hat sie jetzt erreicht. Das setzt enorme Kräfte frei, jetzt gibt es für sie keine Grenzen mehr.“

Nach einigen Siegen auf Lokal- und Landes-Ebene hat die Faßbergerin sportlich in diesem Jahr den Durchbruch geschafft: Bei den Niedersächsischen Meisterschaften (Altersklasse U18) erreichte sie über 3000 Meter den zweiten Platz und verbesserte ihre persönliche Bestzeit um zehn Sekunden auf 10:35,26 Minuten. Bei den Norddeutschen Meisterschaften landete sie auf Platz zwei, wodurch sich die Athletin für die Deutschen Meisterschaften in Jena qualifizierte. Dort blieb sie aber hinter ihren eigenen Erwartungen zurück und wurde am Ende 15.

„Das war total grausam für mich. Ich war richtig enttäuscht von mir, weil ich mein Potenzial nicht abrufen konnte“, gibt sich Lange selbstkritisch. An einen Rennabbruch hat sie dabei nie gedacht: „Im Wettkampf aufgeben geht für mich gar nicht. Ich laufe lieber schlecht, als aufzuhören.“ Aber genau das macht den Reiz am Laufen für sie aus: „Ich bin niemandem Rechenschaft schuldig, am Ende bin ich immer selbst für meine Leistung verantwortlich.“ Eine reine Einzelkämpferin ist sie nicht, sie zieht viel Motivation und Ansporn aus dem Training mit anderen Läufern.

Ihre ersten Runden auf der Tartanbahn hat Lange mit ihrer Mutter Nicole 2007 gedreht, als beide zusammen das Sportabzeichen gemacht haben. Dann ist Lange, die damals noch geturnt und Fußball gespielt hat, auf den Geschmack gekommen und dabei geblieben. Mittlerweile läuft sie in anderen Sphären als ihre Mutter: „Wenn ich sonntags mit Finja mithalten will, muss ich schon das Fahrrad nehmen, sonst habe ich keine Chance mehr.“

Für 2016 hat Lange sich viel vorgenommen: „Ich will die 3000 Meter in unter zehn Minuten schaffen.“ Außerdem will sie bei den Deutschen Meisterschaften unter die ersten Fünf kommen. Ihr Trainer hält die Zielsetzung nicht für vermessen: „Sie ist noch nicht die Beste in Deutschland, gehört aber unter die ersten Fünf, wenn alles passt.“ Ihr großer Traum ist es, einmal für Deutschland bei einer Europameisterschaft an den Start zu gehen.

Dafür ist sie auch bereit, persönliche Opfer zu bringen. „Für den Sport wäre ich auch bereit, meine berufliche Entwicklung eine Zeit lang hinten anzustellen“, offenbart Lange, die nach ihrem Abitur am Christian-Gymnasium Hermannsburg wahrscheinlich die Fächer Sport und Ernährung studieren will.

Von Kai Knoche