2. Bundesliga/Oberliga

Doumbouya vor Profivertrag bei Hannover 96

Sein großer Traum wird wahr: Moussa Doumbouya, ehemaliger Torjäger des MTV Eintracht Celle, erhält bei Hannover 96 demnächst einen Profivertrag.

  • Von Oliver Schreiber
  • 31. März 2020 | 17:53 Uhr
  • 12. Juni 2022
Beim Porta-Pokal am Anfang dieser Saison trug Moussa Doumbouya (am Ball) noch das Trikot des MTV Eintracht Celle. Kurz danach folgte sein Wechsel zu Hannover 96.
  • Von Oliver Schreiber
  • 31. März 2020 | 17:53 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Die harte Arbeit hat sich ausgezahlt. Moussa Doumbouya wird aller Voraussicht nach Profi bei Fußball-Zweitligist Hannover 96. Einen gültigen Vertrag hat der ehemalige Torjäger des Oberligisten MTV Eintracht Celle zwar noch nicht in der Tasche, dies ist aber nur eine Frage der Zeit. „Es ist das Ziel, dass Moussa bei uns einen Profivertrag unterschreibt. Dazu hat es sehr gute Gespräche gegeben, die aber noch nicht abgeschlossen sind“, erklärt Heiko Rehberg, Leiter der 96-Medienabteilung. Auch Klubboss Martin Kind hatte sich gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung in diese Richtung geäußert: „Es läuft alles, ich werde den Vertrag demnächst unterschreiben.“

Letzte Details sind noch zu klären

Da noch letzte Details zu klären sind, halten sich der in Celle lebende Doumbouya und sein Berater, 96-Ikone Altin Lala, noch bedeckt. Aber daran, dass der große Traum des Guineers wahr wird, zweifelt niemand mehr. „Man muss immer ein Ziel vor Augen haben – und mein Ziel ist es, Fußballer zu werden. Wenn ich die Chance bekomme, Profi zu werden, werde ich sie nutzen“, hatte der 22-Jährige in einem CZ-Interview geäußert.

Nicht zu stoppen: Moussa Doumbouya (rechts) schoss den MTV Eintracht Celle mit 34 Toren in 29 Spielen zum Oberliga-Aufstieg. Seine Qualitäten blieben auch den Scouts von Hannover 96 nicht verborgen.

Besagte Chance kommt nun eher als erwartet. Der Stürmer hat die Verantwortlichen bei den Roten überzeugt. Nicht nur mit seinen Leistungen bei der U23 in der Regionalliga, wo er die interne Torjägerliste mit sechs Treffern zusammen mit Valdrin Mustafa anführt, sondern auch mit seiner Einstellung. Doumbouya ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Malocher-Typ“, der stets hart an sich arbeitet. Und das zusätzlich zu seinem Vollzeit-Knochenjob als Dachdecker bei der Celler Firma Ringler.

Riesenjubel nach dem Oberliga-Aufstieg mit dem MTV Eintracht Celle: Moussa Doumbouya stürzt sich auf Tim Struwe.

Doch genau diese Doppelbelastung kann kein Profikicker stemmen. Daher suchen 96 und Doumbouyas Arbeitgeber Hans-Jürgen Ringler, zugleich auch Eintracht-Sponsor, nach Lösungen. Der hat den Flüchtling durch diese Arbeitsstelle davor bewahrt, abgeschoben zu werden. Laut Medienberichten will 96 Doumbouya einen Job besorgen, der körperlich nicht so anstrengend ist und sich mit dem Profileben vereinbaren lässt. Dadurch wäre Doumbouya abgesichert, wenn es mit der Profikarriere nicht so klappen sollte wie gewünscht. Zumal er bei 96 natürlich nicht gleich in hohe Gehaltsklassen aufsteigt, angeblich soll sein monatliches Salär anfangs bei rund 4000 Euro liegen.

Auf den Spuren von „Henne“ Weydandt

Das Märchen vom Flüchtling, der einst verarmt mit dem Boot aus Libyen kam, in Celle strandete und von dort aus die große Karriere startete, kann nun wahr werden. Der frühere 96-Goalgetter und Scout Dieter Schatzschneider nennt Doumbouya schon liebevoll „meinen kleinen Balotelli“, weil er in der Tat dem italienischen Nationalstürmer ähnelt.

Vor seiner Zeit beim MTV Eintracht Celle kickte Moussa Doumbouya (links, hier im Duell mit Westercelles Philip Boie) für den SC Wietzenbruch in der Bezirksliga.

Doch Doumbouyas Weg erinnert eher an den des künftigen Konkurrenten im 96-Angriff, Hendrik „Henne“ Weydandt. Der mittlerweile 24-Jährige kickte vor sechs Jahren noch in der Kreisliga und schaffte über den damaligen Regionalligisten 1. FC Germania Egestorf-Langreder, aktuell Ligakonkurrent des MTVE in der Oberliga, den Sprung zu 96 ins Profigeschäft. Der eher zurückhaltende Doumbouya selbst ging im CZ-Gespräch auf diesen Vergleich nicht ein, sondern blieb bescheiden: „Ich möchte Erfahrungen sammeln und vor allem meine Familie unterstützen. Vielleicht schaffe ich es ja, irgendwann einmal das Trikot meines Heimatlandes Guinea zu tragen.“

"Der weiß noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist"

Damit würde ein weiterer Traum wahr werden. Und bei Doumbouya, der immer noch in ständigem Kontakt mit seinen ehemaligen Mitspielern und Freunden bei Eintracht steht, scheint nichts ausgeschlossen. „Der weiß noch gar nicht, wie gut er eigentlich ist“, hatte Eintracht-Chefcoach Hilger Wirtz bereits nach den ersten Trainingseindrücken über Doumbouya hinter vorgehaltener Hand gesagt.

Zwei Wochen unter Quarantäne

Der MTVE hatte ihn vom damaligen Bezirksligisten SC Wietzenbruch verpflichtet, direkt nach seiner Flucht hatte er zunächst für den SV Hambühren gekickt. Unter Wirtz‘ Fittichen reifte Doumbouya dann zum Top-Torjäger, der Eintracht mit 34 Toren in 29 Landesliga-Spielen in die Oberliga schoss. „„Wir freuen uns natürlich alle sehr für Moussa, wenn das mit dem Profivertrag klappt. Er ist ein richtig feiner Kerl und hat sich das absolut verdient. Und natürlich sind wir auch ein bisschen stolz, wenn es einer von unseren Jungs bis ganz nach oben schafft“, meint MTVE-Abteilungsleiter Stefan Cohrs.

Moussa Doumbouyas erste Station als Fußballer in Deutschland war der SV Hambühren.

Das einzig Ärgerliche ist, dass Doumbouya sein Können momentan nicht unter Beweis stellen kann, weil der Trainings- und Spielbetrieb wegen der Corona-Krise bekanntermaßen ruht. Zuletzt mussten sowohl die Profis als auch die U23 wegen einiger Infektionsfälle in den Teams zwei Wochen in Quarantäne. Aber natürlich hat Doumbouya auch in dieser Zeit an sich gearbeitet. Harte Maloche zahlt sich immer aus.