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Workshops zu Hassparolen: Umgang mit Extremismus erlernt

10:25 04.10.2021
Izabela Marcinkowska, Ulla Hausin-Beins und Monika Rietze.
Izabela Marcinkowska, Ulla Hausin-Beins und Monika Rietze. Quelle: Nadja Fischer
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Celle

Vorurteile, abwertende Kommentare, diskriminierende Äußerungen, typische „Stammtischparolen“ – damit ist wohl jeder im Alltag oder in Sozialen Netzwerken schon einmal konfrontiert worden.

Im Rahmen des Projekts „Extremismus hat viele Gesichter: Vorbeugen, erkennen, handeln“ testeten die Teilnehmer des Workshops unter der Moderation des Referenten Maik Bischoff, auch anhand ihrer eigenen Beispiele und Erfahrungen, wie sie zukünftig mit Angriffen dieser Art umgehen wollen.

Beispiele aus Alltag und sozialen Medien

Ob an der Bushaltestelle, in der Kneipe, auf dem Schulhof, im Unternehmen oder auf der Familienfeier, jeder kennt Sprüche wie: „Die nehmen uns die Arbeitsplätze weg“, „Die haben doch alle ein Messer“ oder „Wir werden überrannt vom Islam“. Oft möchte man einschreiten, weiß aber nicht, wie man das tun kann. Natürlich möchte niemand einen Streit oder eine Eskalation provozieren. Der Austausch über eigene Erfahrungen und Unsicherheiten sowie das Handwerkszeug für zukünftige Situationen und das Erlernen von Techniken und Strategien, um schlagfertig zu kontern, standen im Mittelpunkt des Argumentationstrainings im ersten Workshop.

„Hate Speech“ (deutsch: Hassrede) mit dem Schwerpunkt „Soziale Netzwerke“– das war dann Thema des zweiten Workshops. Überraschend für die Teilnehmer war, wie alleine durch technische Algorithmen eine Beeinflussung stattfindet kann. Nadja Fischer ist stellvertretende Einrichtungsleiterin des Albert-Schweitzer-Familienwerk und Teilnehmerin:
„Ich habe mich schon etwas erschreckt, wie die Sozialen Medien funktionieren. Habe ich mich einmal für einen Artikel aus einer bestimmten Richtung interessiert, werde ich immer wieder Artikel vorgeschlagen bekommen, die die gleiche „Gesinnung“ haben und die inhaltlich in die gleiche Richtung gehen. Ich werde also – auch durch sogenannte Fake News – immer wieder in meiner Vermutung bestätigt und bin nicht mehr offen für die sachlich richtige Information, schließlich habe ich ja schon 300 Mal das Gegenteil gelesen, dann muss es ja stimmen.“

Die Teilnehmer sind sich einig, dass sie zwei erkenntnisreiche Abende mit einer guten Mischung aus Theorie und Praxis – verbunden mit jeder Menge Spaß vor allem bei den praktischen Übungen – erlebt haben. Alle Beteiligten haben sehr von dem Angebot profitiert.

Das Konzept für die „Aktion Noteingang“ wurde 2018 vom Bildungsmanagement der Zuwanderungsagentur der Stadt Celle sowie der Arbeiterwohlfahrt entwickelt und wird seitdem aus Mitteln des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert. Seit diesem Jahr führt das Albert-Schweitzer-Familienwerk in Celle als verantwortlicher Träger die Aktion mit dem Projekt „Extremismus hat viele Gesichter: Vorbeugen, erkennen, handeln“ gemeinsam mit den Kooperationspartnern Celler Zuwanderungsagentur, Paritätischer Celle, der AWO, dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis und der CeBus GmbH & Co.KG fort.

Aufkleber weist auf Aktion "Noteingang" hin

Geschäfte, Restaurants, Institutionen und Betriebe machen mit einem Aufkleber sichtbar, dass sie diskriminierende oder rassistische Äußerungen und Verhaltensweisen nicht dulden. Sie bieten Betroffenen einen „Noteingang“, einen Schutzraum und Hilfe an. Mithilfe der „Aktion Notengang“ soll eine Atmosphäre in der Stadt geschaffen werden, die Zivilcourage fördert und Gewalt, Rassismus und Diskriminierung nicht duldet.

Die „Aktion Noteingang“ wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Das Bundesprogramm unterstützt seit 2015 zahlreiche Initiativen, Vereine und engagierte Bürger. Die Projekte setzen auf verschiedenen Ebenen an. Zum Beispiel gibt es Initiativen zur Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung mit kommunalen wie auch mit regionalen und überregionalen Schwerpunkten, die durch Fördergelder unterstützt werden. Das Ziel ist es, den Menschen, die in Deutschland leben, ein gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen.

Von Nadja Fischer

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