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Vereine Was tun gegen Insektensterben?
Mehr Vereine Was tun gegen Insektensterben?
17:25 04.02.2020
Mit Grafiken und zahlreichen kleinen Filmbeiträgen verdeutlichte Gartenfachberater Klaus-Dieter Kerpa bei seinem Seminar das Vorgetragene.
Mit Grafiken und zahlreichen kleinen Filmbeiträgen verdeutlichte Gartenfachberater Klaus-Dieter Kerpa bei seinem Seminar das Vorgetragene.
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Celle

Dem Insektensterben und der Frage, was jeder Einzelne dagegen tun kann, widmete sich ein Seminar der Kreisgruppe Celle im Verband Wohneigentum mit dem freiberuflichen Gartenfachberater Klaus-Dieter Kerpa. Der Referent führte aus, dass Insekten mit mehr als eine Million wissenschaftlich beschriebenen Arten innerhalb der Tierwelt die artenreichste Klasse darstellen. Die Population der Insekten hat in den vergangenen 30 Jahren dramatisch abgenommen und beträgt jetzt nur noch etwa 75 Prozent der damaligen Werte. Dies veranschaulichte Kerpa mit Fotos von Windschutzscheiben, die nach einer Autofahrt längst nicht mehr so mit Insekten übersät sind wie vor 20 Jahren.

Kerpa legt dar, dass Insekten viele wertvolle Funktionen übernehmen. Insekten sind wichtiger Bestandteil der Nahrungskette, sie machen unsere Böden fruchtbar, indem sie organische Substanzen zersetzen, sie befreien uns von „Müll“, indem sie sich von Kot ernähren und als wichtigste Aufgabe sichern sie in der Landwirtschaft unsere Ernährung. Insbesondere Bienen sind als Bestäuber in erheblichem Maße für den Erhalt und die Fortpflanzung der Pflanzenwelt verantwortlich.

Vier Faktoren für das Insektensterben

Das Insektensterben führt Kerpa auf vier Faktoren zurück: den Einsatz von Pestiziden, Fungiziden und Herbiziden, das Verschwinden natürlicher Lebensräume, die durch Monokulturen ersetzt werden, den Verlust von Acker-Randstreifen und schutzgebenden Hecken sowie durch den Klimawandel.

Neonicotinoide sollen das Saatgut vor Insektenbefall schützen. Das Gift bleibt nicht in dem Saatgut, sondern gelangt von der Wurzel auch in die Blüten hinein. Über die Pollen nehmen die Insekten die Gifte auf. Außerdem verteilen sich die Stoffe im Boden und gelangen auch in die nahegelegenen die Bäche. Neonicotinoide beeinträchtigen etwa das Orientierungsvermögen von Bienen. Belastete Bienen finden nur zu 55 Prozent zum Bienenstock zurück, während unbelastete Bienen zu 85 Prozent zurückfinden.

Enge Wechselbeziehung zwischen Tier- und Pflanzenwelt

Insekten stehen in einer engen Wechselbeziehung zu der vorhandenen Pflanzen- und Tierwelt. Monokulturen tragen zum Verschwinden der Nahrungsspezialisten bei. Für Insekten sind mit Kies angelegte Steingärten Gärten des Grauens. Auch große Rasenflächen sind nicht insektenfreundlich. In naturnahen Gärten bilden sich Nahrungsketten. Wildkräuter und Wildgehölze spielen hier eine große Rolle als Nahrungsgrundlage für Insekten. So kann Beifuß beispielsweise bis zu 180 verschieden Insektenarten ernähren. Kerpa empfahl, mithilfe von Samenmischungen ein- und mehrjähriger heimischer Wildblumen Nektar-Inseln für Schmetterlinge anzulegen. Nachtblühende Sorten wiederum locken Nachtfalter und Insekten an, die als Nahrungsquelle für Fledermäuse dienen. Und auch das Ansäen von Pflanzen mit großen Samen, die eine begehrte Nahrungsquelle für heimische körnerfressende Vögel sind, wurde angeraten.

„Wir als Hauseigentümer können dem Insektensterben entgegensteuern, indem wir eine Vielfalt an Blumen, Pflanzen und Sträuchern in unseren Gärten anpflanzen“, war einhellige Überzeugung der Versammelten.

Kerpa gab viele Anregungen und riet auch davon ab, jedes sogenannte Unkraut und Verblühte sofort zu entfernen. „Also nicht zu ordentlich aufräumen, Insekten brauchen Schlupflöcher wie Trockenmauern oder Holzstapel.“ Während des Vortrags wurden viele Fragen gestellt und beantwortet und jeder nahm wichtige Erkenntnisse für sich und seinen Garten mit nach Hause. So endete dann auch – unterbrochen von einem gemeinsamen Mittagessen – eine lehrreiche Veranstaltung.

Von Werner Muck

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