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Lesung : Literarischer Dämmerschoppen mit Heinrich Thies

18:00 05.03.2020
Autor Heinrich Thies las aus seinem Buch „Fesche Lola, Brave Liesel – Marlene Dietrich und ihre verleugnete Schwester“ und begeisterte die Zuhörer im Landhaus Müden. Quelle: Kulturkreis Faßberg e.V.
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Müden

Der Vorsitzende des Kulturkreises Faßberg, Lothar Kuhlmann, begrüßte kürzlich im Landhaus Müden rund 50 Mitglieder und Gäste, die sich zum Dämmerschoppen mit kleinem Imbiss eingefunden hatten. Der frühere HAZ-Redakteur und Marlene Dietrich Spezialist Heinrich Thies ist der Frage nachgegangen, warum Marlene Dietrich ihre Schwester nie erwähnte. Viele Menschen wissen und wussten nicht, dass Marlene Dietrich in ihrer Biografie ganz bewusst sich nie zu ihrer Schwester Elisabeth bekannt hat. Um es vorwegzunehmen, Elisabeth betrieb auf dem Kasernengelände Bergen-Belsen mit ihrem Mann Georg Will ein Lichtspieltheater, deren Besucher Wehrmachtssoldaten und auch SS-Offiziere aus dem benachbarten Konzentrationslager (KZ) waren.

Details über das Leben der Schwester Elisabeth

Weil sicherlich vielen Gästen die Geschehnisse um das KZ Bergen-Belsen bekannt ist, aber Details über das Leben der Schwester Elisabeth von Marlene Dietrich völlig unbekannt waren, ging der Autor auf den Besuch von Marlene Dietrich genau ein, die vor rund 75 Jahren zu einem Überraschungsbesuch in die Heide gekommen war. Sie besorgte sich mit einer Generalsmaschine die Gelegenheit, von München aus zum Fliegerhorst Faßberg zu fliegen, um hier zu landen. Die nach Amerika ausgewanderte Marlene Dietrich verweilte in Deutschland, um nach Kriegsende als Truppenbetreuerin die US-amerikanischen Soldaten aufzusuchen.

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Die Geschichte der beiden ungleichen Schwestern

Erst in Deutschland angekommen erfuhr die Diva, dass sich ihre Schwester Liesel in Bergen-Belsen aufhielt und sogar in Bergen gewohnt hat. Und auch vor Ort erfuhr Marlene Dietrich erst, dass die Schwester keinesfalls als KZ-Insassin in Belsen inhaftiert war, sondern dort mit ihrem Mann ein Kino betrieb. Fortan rollte Heinrich Thies die Geschichte der beiden ungleichen Schwestern Liesel und Marlene auf. Die beiden wuchsen als sogenannte höhere Töchter in Schönefeld bei Berlin auf, denn der Vater war ein preußischer Polizeioffizier. Die ältere Schwester Liesel wurde 1900 geboren und Marlene folgte knapp zwei Jahre später 1901. Sehr früh verstarb der Vater 1908 an Syphilis, jedoch wurde gesagt, es sei vom Pferd gefallen. Insbesondere Elisabeth wurde durch die Mutter geprägt, deren zweiter Mann jedoch im Krieg gefallen war. Als höhere Töchter sollten beide Mädels das Abitur machen, aber während Liesel sehr brav und klug war, hatte Marlene nur Flausen im Kopf, berichtete der Autor. Die Kindheit der Töchter spiegelt sich im roten Tagebuch von Marlene wieder, das sie liebevoll „Rotchen“ nannte.

Ihre größte Liebe war Jean Gabin

Aus einem Eintrag aus dem Jahre 1914 zitierte der Autor, dass Liesel ein braves Mädchen sei, wenige Freundinnen und noch weniger Jungs hätte. Liesel liebte ihre kleine Schwester und wurde Lehrerin. Marlene blieb ohne Abitur und wurde in ein Internat gebracht und sollte das Geigenspiel erlernen, wurde aber vom Geigenlehrer vergewaltigt. Marlene hatte es mit Männern sowie Frauen und es wird berichtet, sie hätte eine Liason mit John Wayne gehabt. Ihre größte Liebe jedoch war Jean Gabin, den Marlene 1938 in Paris kennen lernte, als Gabin schon ein weltberühmter Filmschauspieler war. Diese unvollendete Liebe führte dazu, dass der Weltstar und die Diva jedoch nur einen einzigen Film gemeinsam gedreht hatten. Erst ein Jahr nach Ende des Krieges drehte beide den Film „Martin Roumagnac“ (1946), ihren einzigen gemeinsamen Film.

Schwester Liesel nach außen verleugnet

So kamen in dieser Autorenlesung vielen Details ans Tageslicht, die nicht allen Marlene Dietrich-Fans bekannt waren. In sehr unterhaltsamer Weise hat der Autor Thies aus seinem Buch „Fesche Lola, Brave Liesel – Marlene Dietrich und ihre verleugnete Schwester“ vorgelesen. Denn auf die Frage ihres Schauspielerkollegen Maximilian Schell, ob sie Geschwister gehabt habe, antwortete sie mit einem Wort: „Nein“. Sie hat also ihre Schwester Liesel nach außen verleugnet, jedoch tatkräftig finanziell unterstützt. Mit kleinen Gesangseinlagen aus den Musikfilmen lockerte der Autor seine Lesung auf, was die gespannt zuhörenden Gäste mit Beifall belohnten. Es war spannend bis zum Schluss, als die Nachkriegszeit beschrieben wurde. Fasziniert haben die Lesungsbesucher den Ausführungen gelauscht. Zum Abschluss der Autorenlesung bestand Gelegenheit, Fragen zu stellen, und Heinrich Thies bewies in eindrucksvoller Form, dass er unzählbare Einzelheiten recherchiert hatte und keine Frage blieb offen. Mit einem kleinen Geschenk verabschiedete die zweite Vorsitzende Brigitte Kriegel den brillanten Autor sowie Erzähler und versprach ihren Mitgliedern, dass Heinrich Thies die zweite Lesung beim Kulturkreis gehalten hätte und eine dritte bestimmt kommen würde. Mit anhaltendem Beifall wurde der Autor verabschiedet und die Gespräche wurde an den Tischen fortgeführt.

Von cz