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Gruppe „jederMann“ aus Faßberg/Müden absolviert zehnte Pilgertour

13:19 24.11.2021
Pilgerten gemeinsam: (von links) Malcolm Chamberlain, Hans-Dietrich Springhorn, Rudolf Hensch, Manfred Meister (der in Hermannsburg lebende „mitgebrachte Pastor“), Hartmut Klages und Thomas Wiechmann.
Pilgerten gemeinsam: (von links) Malcolm Chamberlain, Hans-Dietrich Springhorn, Rudolf Hensch, Manfred Meister (der in Hermannsburg lebende „mitgebrachte Pastor“), Hartmut Klages und Thomas Wiechmann. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Müden

Martin Luther soll seine Thesen in Wittenberg 1517 an die Kirchentür geschlagen haben, das genaue Jahr ist umstritten. Im Jahr 1521 musste der Reformator eine Reise nach Worms antreten und sollte vor dem Reichstag seine 95 Thesen widerrufen. Er blieb standhaft, machte sich auf die gefährliche Rückreise und wurde in Eisenach auf der Wartburg festgesetzt. Hier übersetzte er die Bibel. 500 Jahre Widerrufsverweigerung, das war ein Grund für die Männergruppe „jederMann“ der St.-Laurentius-Kirchengemeinde Faßberg-Müden, für ihre zehnte Pilgertour einen Teil des Lutherweges auszuwählen. Der Abschnitt von Bad Hersfeld nach Eisenach wurde von sechs Pilgerbrüdern durchwandert.

Abschlusstour für Pilgervater Rudi Hensch

Gutes Wetter, Sonne, eine fantastische Mittelgebirgslandschaft mit Rhön-, Frankenwald- und Thüringer-Wald-Ausläufern – besser geht es nicht. Der Pilgervater Rudi Hensch hätte zu seiner Abschlusstour keinen besseren Weg aussuchen können.

Stadtbesichtigung und private Abendandacht

Bad Hersfeld war die erste Station, und dort machte sich die Gruppe, nachdem Quartier bezogen wurde, für die nächsten Tage mit einer langen Stadtführung fit. Es herrschte eine gewisse Anspannung auf das, was auf die Pilgerbrüder zukommen würde. Denn es standen Pilgeretappen mit bis zu 25 Kilometern an. Bad Hersfeld, die Stadt von Alfred Duden und Konrad Zuse, war und ist eine sehr schöne alte Kleinstadt. Natürlich durfte nach der Stadtbesichtigung eine private Abendandacht in der Stadtkirche nicht fehlen.

Pilgerbrüder erleben Natur pur

Am nächsten Tag wurde es ernst, und die Pilgerbrüder konnten es nicht erwarten endlich die Stadt zu verlassen. Das nächste Ziel war Friedewald und dort das Hotel am Dreierberg, ein Gasthaus in der Nähe einer Wasserburgruine aus dem 13. Jahrhundert. Auf dem Weg, der unterbrochen war von einer kleinen Andacht und einer Schweigestunde, hatten die Pilgerbrüder Natur pur. Abends durfte die Pilgerandacht in der örtlichen Kirche nicht fehlen. Pfarrerin Julia Kaiser begeisterte die Pilgerbrüder mit ihrer Freundlichkeit und Euphorie.

Nach 25 Kilometern ins Taxi umgestiegen

Am folgenden Tag führte der Weg auf den Aussichtspunkt Bodesruh, an einer Kali-Abraumhalde in Heringen vorbei, über die Grenze nach Thüringen und dann in den Ort Berka an der Werra. Auf diesem Weg wurde nach etwa 25 Kilometern in Werra-Suhl-Tal in ein Taxi umgestiegen.

Pastor zeigt kein Interesse an Pilgerbrüdern

Die Abendandacht in der St.-Katharinen-Kirche Berka mussten die Pilgerbrüder für sich allein gestalten. Erstmalig erlebte die Gruppe, dass ein örtlicher Pastor erkennbar kein Interesse an Pilgerbrüdern hatte. Dankenswerterweise wurde es aber ermöglicht, die Kirche zu betreten – einen „eigenen“ Pastor hatten die Pilgerbrüder mit Manfred Meister ja dabei.

Wanderung auf historischen und aktuellen Pfaden

Am letzten Tag wanderte die Gruppe auf historischen und aktuellen Pfaden. Es wurde nicht nur auf den Spuren Luthers gepilgert, sondern der Lutherweg wurde im 18 Jahrhundert auch von Napoleon mit seinem Heer genutzt, und aus dem 12. Jahrhundert gibt es Wegspuren, genannt die „kurzen Hessen“, an denen sich vermutlich Luther orientiert hat.

Wege erleben Renaissance

Von jüngerem Datum ist der Rennsteig, ein Grenz- und Kammweg im Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und im Frankenwald. All diese Wege, die aktuell bei Pilgern, Wanderern und Sportlern eine Renaissance erleben, prägten die Pilgertour. In Eisenach angekommen, die letzten Kilometer erneut mit einem Taxi, da das Hotel in Wutha-Farnroda doch weiter entfernt lag als vermutet, machte sich die Pilgergruppe, zur Abendandacht in der Stadtkirche in Eisenach auf.

Wartburg bei letzter Etappe besucht

Wie konnte es anders sein, am Sonntag ging es zu Fuß auf die sehenswerte Wartburg, eine letzte Pilgeretappe light. Vieles dreht sich dort heute noch um Luther, seinen Aufenthalt und die Reformation.

Von Hans-Dietrich Springhorn

24.11.2021
24.11.2021