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70 Jahre Luftsportclub Faßberg

09:14 11.03.2021
Die Piper PA18 des LSC Faßberg auf dem Fliegerhorst Faßberg beim Tag der Bundeswehr 2017.
Die Piper PA18 des LSC Faßberg auf dem Fliegerhorst Faßberg beim Tag der Bundeswehr 2017. Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Faßberg

Die Wurzeln des Luftsportclubs (LSC) Faßberg gehen auf das Jahr 1948 zurück, als sich Flugbegeisterte aus Unterlüß und Faßberg zusammenfanden, um die Jugend für den Flugmodellbau zu interessieren. Ziel der „Luftsportvereinigung Heide“ war zunächst, in Diskussionen mit den Fliegerkameraden aus Uelzen, Celle, Walsrode und Faßberg durch den Flugmodellbau den Anschluss an die aktive Fliegerei nicht zu verlieren. Jedoch konnte der LSC Faßberg erst nach Lockerungen des alliierten Verbotes der Fliegerei im Jahre 1951 gegründet werden. Mit der Satzung vom 1. März 1951 fand am 29. März 1951 die Gründungsversammlung des LSC Faßberg statt. Satzungsgemäß wurden der Vorsitzende, der stellvertretende Vorsitzende sowie der Schatzmeister und Schriftführer gewählt. Dabei hatte der Vorsitzende, Flugkapitän a. D. Paul Spremberg, noch mit den Alliierten Streitkräften zu verhandeln, denn die Alliierten gestatteten zur damaligen Zeit lediglich den Modellflug. Mit dem Gründungstag wurde der LSC auch Mitglied des Deutschen Aero-Clubs (DAeC) innerhalb des DAeC-Landesverbandes Niedersachsen (LVN) mit Sitz in Göppingen, der heute in Hannover zu Hause ist.

Fluggelände am Hausselberg

Schnell war ein geeignetes Fluggelände am Hausselberg in Faßberg gefunden. Schon 1952 konnte die Sparte Modellflug durch die Sparte Segelflug erweitert werden und das erste Segelflugzeug wurde aus dem Bruch eines Segelflugzeuges „Grunau Baby 2b“ aufgebaut. Gleichzeitig wurden eine Seilwinde und ein Seilrückholwagen aus einem schrottreifen Opel P4 gebaut. Weil dieser alte Opel dazu rückwärts fahren musste, wurde er liebevoll „Lepo“ (Opel rückwärts gelesen, wie viele andere Rückholfahrzeuge) genannt.

Erster Segelflugstart Pfingsten 1953

Am Pfingstsonntag 1953 erfolgte der erste Segelflugstart des Luftsportclubs mit dem reparierten Grunau-Baby 2b auf dem Fluggelände am Hausselberg. Am Pfingstmontag wurde dieses erste Segelflugzeug in der Ortsmitte auf den Namen „Faßberg“ getauft. Der LSC wuchs und nahm an zahlreichen Wettbewerben teil, so dass 1955 in Eigenleistung zwei weitere Segelflugzeuge „SG38“ und „Baby V“ gebaut wurden und der Schulungsbetrieb aufgenommen werden konnte. Mit den Fliegerkameraden der umliegenden Nachbarvereine aus Unterlüß und Walsrode entstand eine gute Zusammenarbeit, und die Vereine unterstützten sich gegenseitig.

Gründung einer Luftwaffen-Sportfluggruppe

Der LSC wuchs schnell und siedelte nach Aufstellung der Bundeswehr-Flugsportgruppe auf den Bundeswehrfliegerhorst Faßberg um. Weil im geteilten Berlin eine fliegerische Betätigung nicht möglich war, wurden 1957 35 Berliner Studenten des Akademischen Luftsportsclubs Berlin (AkaLuft Berlin) Mitglied im Luftsportclub Faßberg. Am 16. Juli 1958 wurde auf dem Fliegerhorst eine Luftwaffen-Sportfluggruppe ins Leben gerufen. Hier hatten junge Soldaten die Gelegenheit, sich mit der Fliegerei vertraut zu machen, und warben innerhalb und außerhalb der Bundeswehr für den fliegerischen Dienst. Inzwischen hatte sich der Flugzeugpark auf zwei Segelflugzeuge (Ka-7 und L-Spatz) sowie mehrere Motorflugzeuge (Elster B, Piper L18, Do27) erweitert. Der LSC und die Luftwaffen-Sportfluggruppe arbeiteten eng zusammen, so dass nach deren Auflösung 1971 die Fluggeräte an den Luftsportclub übergingen. Dadurch verstärkte sich der LSC auch personell, denn die Fluglehrer und Piloten wurden Mitglieder im LSC Faßberg.

Einer der „Jüngstpiloten“ (Mitte) wird von erfahrenen Modellfliegern mit der Lehrer-Schüler-Fernbedienung auf seinen ersten „Alleinflug“ eingewiesen. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Aufnahme von Motorflugschulungen

Im Jahre 1964 wurde der Motorflug im Verein eingeführt. Wegen fehlender eigener Fluggeräte wurden Flugzeuge aus den Nachbarvereinen Uelzen und Hodenhagen gechartert. 1966 konnte preiswert ein Bruchflugzeug Piper L-4 erworben und in Eigenleistung wieder aufgebaut werden. Damit konnten dann auch 1968 die Motorflugschulungen im Verein aufgenommen werden. Durch Erwerb weiterer Flugzeuge (Bölkow Junior 208 und Robin HR 200/100) wurde der Schulungsbetrieb erweitert. In den ersten Jahren der Bundeswehr-Sportfluggruppe nutzte der Luftsportclub die Halle 11a, die jedoch ab 1978 nicht mehr zur Verfügung stand. Nach Ausweichen zur alten Ostwache wurde dann im Nordosten des Fliegerhorstes Faßberg ein Gelände zur Errichtung von Flugzeughallen ausgewiesen. In unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden aller Vereinsmitglieder wurden 1980 mit finanzieller Hilfe des Landkreises Celle und der Gemeinde Faßberg zwei Flugzeughallen aufgebaut, die noch 1996 durch eine weitere Halle, der sogenannten Seifert-Halle, erweitert wurden. 1985 kam die Sparte Fallschirmspringen hinzu und nach Auflösung der Fallschirm-Einsatztruppe Lüneburg kamen wegen der dortigen Platzschließung zahlreiche Fallschirmspringer zum Luftsportclub Faßberg. 1995 kam das Ultraleichtfliegen nach Faßberg und zwischendurch war auch ein Tragschrauber in Faßberg beheimatet.

Jede Menge Kinder der Ferienpassaktionen freuen sich auf ihren Erstflug mit der Piper PA18 des LSC Faßberg. Quelle: Fremdfotos/eingesandt

Kinder gehen in die Luft

Beim Luftsportclub Faßberg stand stets die Jugendarbeit im Vordergrund. Beginnend mit dem Modellbau der Gründungsjahre veranstaltet der LSC Jahr für Jahr ein Kinderfliegen, bei dem die Kinder ihre Heimat aus der Luft, also aus der Vogelperspektive, besichtigen können. Hier hören dann die Piloten „Cooooool!“ oder „Da steht ja unser Haus!“. Neben Faßberg wird heute das Kinderfliegen auch für die umliegenden Gemeinden wie Unterlüß und Hermannsburg (heute Südheide) sowie Wietzendorf, Bispingen und auch in den Städten Bergen und Munster angeboten. Dazu benötigen die „Jüngstpiloten“ oft hohe Sitzkissen, um aus den Fenstern genug sehen zu können. Neben der guten Zusammenarbeit mit dem Fliegerhorst Faßberg gibt es auch eine enge Verbundenheit mit der Flugplatzfeuerwehr, und es werden gemeinsame Brandschutzübungen durchgeführt. Vor rund zehn Jahren kamen wieder Modellflieger auf den Fliegerhorst, und im LSC wurde die Sparte Modellflug erneut eingerichtet. Die Fallschirmspringer zogen inzwischen ab, und auch die Segelfluggruppe hat sich aufgelöst. Das bedeutet, dass der Verein von über 130 Mitgliedern auf rund 30 geschrumpft ist. Geflogen und geschult wird immer noch auf einer alten Bundeswehrmaschine Piper L18C (zivil PA18) sowie mit einer Cessna C172H.

Rundflüge über die lila blühende Heide

Gäste sind immer willkommen, doch weil auf dem Fliegerhorst kein Publikumsverkehr möglich ist und auch keine Fliegerkneipe besteht, geht dies nur in Verbindung mit Mitgliedern des LSC. Rundflüge über die lila blühende Heide oder Kurzausflüge auf die Inseln sind dabei die beliebtesten Ziele der Freizeitpiloten. Und viel Freude haben auch die Modellflieger im Verein, wenn sie ihre Modelle beim Kunstflug am Himmel begleiten. Besonders die Kinder freuen sich, wenn sie selber mit einer Lehrer-Schüler-Fernsteuerung den Steuerknüppel in die Hand nehmen können. Während die Modellfliegergruppe ihre Flugzeuge meist komplett selber baut und nach einer unsanften Landung wiederherstellt, haben einige Privatpiloten die Ausbildung zum Flugzeugwart im DAeC erworben und übernehmen einfache Wartungsarbeiten selbst, so dass auch tiefere Einblicke in die Flugzeugtechnik gegeben sind. Leider hat die Pandemie auch den Luftsportclub getroffen, aber Piloten schauen nach vorn, und so hoffen die Fliegerfreunde, dass diese Pandemie bald überwunden ist und die grenzenlose Freiheit wieder wahrgenommen werden kann.

Von cz