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13:21 13.06.2010
Rolf Lüchau aus Eschede - Vorsitzender des örtlichen Fremdenverkehrsvereins - vor der Mühle in Eschede.
Rolf Lüchau aus Eschede - Vorsitzender des örtlichen Fremdenverkehrsvereins - vor der Mühle in Eschede. Quelle: Torsten Volkmer
Eschede

Dass er einmal ein Schreibwarenfachgeschäft führt, war kaum zu erwarten. Rolf Lüchau ist nämlich von der Ausbildung her Rundfunk- und Fernseh-Techniker. Diesen Beruf hat der geborene Escheder nach Absolvierung der Realschule gelernt.Anschließend an die Lehre ging er für drei Jahre nach Berlin und verhalf hier kaputten Radios oder Fernsehern wieder zu gutem Ton und scharfem Bild. „Das war eine schöne Zeit“, sagt Rolf Lüchau in der Rückschau. Da trat Brigitte aus Hannover in sein Leben. Sie war in der Schreibwarenbranche zu Hause. So traf es sich gut, dass in Eschede ein entsprechender Laden übernommen werden konnte. Das taten beide, denn nach ihrer Heirat im Jahr 1970 gingen Brigitte und Rolf Lüchau nun gemeinsam durchs Leben. Genau genommen trat die Sache mit dem gemeinsamen Weg erst etwas später ein, weil Ehefrau Brigitte das Geschäft führte, während Rolf Lüchau in Celle seinem erlernten Beruf nachging. Diese Zweigleisigkeit änderte sich aber bald, und dann waren beide Lüchaus beruflich in Eschede gebunden.

Wer in Eschede geboren wurde, dort wohnt und tätig ist, hat bald das Bedürfnis, sich für seinen Ort zu engagieren. Zumindest ging es Rolf Lüchau so. Er trat also 1976 dem örtlichen Verkehrsverein bei. Der wurde seinerzeit von Karl Hörnecke geführt. Hörnicke jedoch wechselte kurze Zeit später als Gemeindedirektor nach Faßberg. So wurde Rolf Lüchau von Bekannten angesprochen, sich als Hörneckes Nachfolger für den Vorsitz zur Verfügung zu stellen. „1978 bist Du in der Jahreshauptversammlung des Fremdenverkehrsvereins Eschede als Vorsitzender einstimmig gewählt worden“, erinnert Klaus Engel, ein guter Bekannter gut dreißig Jahre später an das Ereignis. Es bedeutete eine Zäsur für Rolf Lüchau und gleichermaßen für Eschede.

„Damals wurde Eschede von mehr Touristen besucht“, erinnert sich jetzt der neue Vorsitzende. Besucher aus Berlin, die das Gebiet der Lüneburger Heide und deren angrenzende Regionen als „heimatnah“ zu ihrer eingemauerten Stadt ansahen, machten gern dort Urlaub. Eine weitere starke Gruppe bildeten die Leute aus dem Rheinland. Ihnen hatte es wohl die gänzlich anders geartete Landschaft mit viel Wald und – zumindest in den Monaten August und September – den blühenden Heideflächen angetan. Dieses Fremdenverkehrs-Schema änderte sich merklich nach der politischen Wende. In den Jahren 1992 und 1993 gingen die Übernachtungszahlen schlagartig zurück, mussten die Touristikmanager feststellen. Irgendwie war Eschede ins Hintertreffen geraten. Um diesem Umstand gefestigt entgegen zu wirken, kam in dieser Zeit die Idee eines Zusammenschlusses des Verkehrsvereins mit dem örtlichen Gewerbeverein ins Gespräch. „Wir wollten schließlich gemeinsam etwas erreichen für Eschede“, stellt Rolf Lüchau fest. Er war jedenfalls vor rund zwei Jahrzehnten unter dem Vorsatz angetreten, den Tourismus voranzubringen. Der Ort bringt viel Potenzial ein, um auf Fremde Anziehungskraft auszuüben, meinte Lüchau. Er zählt die positiven Fakten auf, mit denen sein Heimatort aufwarten kann. „Wir haben eine unmittelbare Straßenverbindung nach Uelzen oder Hannover durch die Bundesstraße 191, die durch Eschede führt; darüber hinaus hat Eschede einen Eisenbahnanschluss“. Diese infrastrukturellen Punkte sind in erster Linie für das Gewerbe von Interesse, darüber hinaus kann Eschede mit einer Grund-, Haupt- und Realschule aufwarten, desweiteren bestehen zwei Kindergärten direkt im Kernort, insgesamt gibt es deren vier in der Samtgemeinde. Das ist natürlich für Touristen nicht eben von vorrangigem Interesse, kann jedoch gewiss bei Überlegungen junger Familien eine Rolle spielen, die sich in einer Gemeinde der Südheide ansiedeln wollen. Dafür finden die Urlauber eine „herrliche Landschaft, eine seenreiche Umgebung und gute Radwege“ vor, zählt Rolf Lüchau auf. Wenn man ihn so hört, dann ist unverkennbar neben dem engagierten Touristikfachmann der Kommunalpolitiker herauszuhören. Das ist zweifellos richtig, denn seit 1978 hat Lüchau (für die CDU) einen Sitz im Gemeinderat, er ist zudem zweiter stellvertretender Bürgermeister.

Die länger angedachte Vereinigung von Verkehrsverein und Gewerbeverein nahm 2003 Gestalt an. Die neue Gemeinschaft trat unter dem etwas sperrigen Namen „Südheide Tourismus und Gewerbe Samtgemeinde Eschede“ auf den Plan. Für Rolf Lüchau allerdings war damit die Endphase seiner Tätigkeit als Vorsitzender eingeläutet. Nach reiflicher Überlegung fasste er einen Entschluss, von dem er sich auch durch Bekannte und Freunde nicht abbringen ließ. Rolf Lüchau wollte den Vorsitz in jüngere Hände übergehen lassen. „33 Jahre sind genug“ sagt er nüchtern, aber in seiner Stimme scheint doch ein wenig Wehmut mitzuschwingen. Das wäre durchaus verständlich, denn einige Dinge hat er angeschoben. Er konnte Vermieter zur Modernisierung ihrer Fremdenzimmer gewinnen und hat die Mitglieder des Verkehrsvereins vielfach zur Landschaftspflege motiviert, erzählt Klaus Engel. Der jährliche „Frühschoppen“ geht auf Lüchaus Initiative zurück, ebenso der örtliche Mühlentag. Seine Idee von einer „Brautmoden- und Hochzeitsschau“ erwies sich als „wahnsinniger Erfolg“, wie sich der Urheber noch in der Rückschau freut. Andere Vorhaben kamen nicht recht in Fahrt. Als Beispiel für einen Flop sei der Tanzabend genannt. Neben den Initiatoren und ihren Ehefrauen kam niemand, um das Tanzbein zu schwingen, lästert Klaus Engel. Letztlich überwiegt in hohem Maße das Positive.

Das alles ist nun Geschichte. Der Übergang, reiflich überlegt und gut vorbereitet, ging reibungslos vonstatten. Seit März 2009 steht an der Spitze des Vereins „Südheide Tourismus und Gewerbe“ Stephanie Bölke. Für Rolf Lüchau ergibt sich dadurch mehr Zeit, die er vorzugsweise in seinem Garten verwenden will. Zudem kann er sich verstärkt auf das Schreibwarengeschäft in der Bahnhofstraße konzentrieren. Letztlich ist da noch der Sohn, der in Zeuthen bei Berlin gerade baut und Vaters gelegentliche Hilfe zu schätzen weiß.

Rolf Lüchau wird es gewiss nicht langweilig. Mit stiller Zufriedenheit lässt er die zurückliegende Zeitspanne Revue passieren. Er weiß ganz genau, wem er einen großen Dank schuldet. „Wenn ich meine Frau nicht gehabt hätte, wäre das alles nicht gegangen“, sagt Rolf Lüchau und blickt auf seine Ehefrau Brigitte. Sie nickt.

Rolf Lüchau, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins Eschede, steht vor der Mühle in Eschede. Der örtliche Mühlentag ist nur eines von vielen Projekten, die er angeschoben hat. Foto: Volkmer

Lebenslauf

✎29. Juni 1944 wird Rolf Lüchau in Eschede geboren

✎1963 – Beginn der Lehre als Rundfunk- und TV-Techniker

✎1966 bis 1969 – berufliche Tätigkeit in Berlin

✎1969 – Übernahme des Schreibwarenladens in Eschede

✎1970 – Heirat von Brigitte und Rolf Lüchau

✎1976 – Eintritt in den Verkehrsverein Eschede

✎Februar 1978 – Wahl zum Vorsitzenden des Verkehrsvereins Eschede

✎1978 – Eintritt in den Escheder Rat

✎2003 – Zusammenschluss von Verkehrs- und Gewerbeverein zur „Südheide Tourismus & Gewerbe Samtgemeinde Eschede e.V.“

✎März 2009 – Übergabe des Vorsitzes an Stephanie Bölke

Von Udo Genth