Torsten Laskowski

Liebe zu Kultur und antiken Möbeln

Torsten Laskowski aus Bröckel engagiert sich in vielfältiger Weise für seine Heimatregion. Und er hat ein Faible für antike Möbel.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 26. März 2019 | 16:48 Uhr
  • 12. Juni 2022
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  • 26. März 2019 | 16:48 Uhr
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Brückel.

Der Name Torsten Laskowski wird in erster Linie mit dem Antikhof Drei Eichen in Bröckel und Kulturveranstaltungen wie FlotART, dem Nachtweihnachtsmarkt oder der Konzertreihe „Im Alten Schankraum“ verbunden. Sein eigentliches Standbein ist aber der Restaurierungsbetrieb, den der gelernte Tischler auf seiner Hofanlage betreibt.

Zeitsoldat bei der Bundeswehr

Der Weg bis zur Selbstständigkeit als Restaurator war allerdings weit. Die wenigsten werden vermuten, dass Torsten Laskowski nach seiner Ausbildung zum Kaufmann für Eisenbahn- und Straßenverkehr bei der OHE für zwölf Jahre als Zeitsoldat bei der Bundeswehr zuletzt im Rang eines Oberfeldwebels verpflichtet war. „Dabei war ich ein Vorzeigesoldat, habe viel Sport getrieben und bin sogar Fallschirm gesprungen“, schmunzelt er. Er habe zwar Lehrgänge in ganz Deutschland besucht, sei im Wesentlichen aber in Wietzenbruch stationiert und im Bereich der Fernmeldetechnik eingesetzt gewesen. Mit dem Mauerfall habe sich bei der Bundeswehr viel verändert und so hat Torsten Laskowski darauf verzichtet, Berufssoldat zu werden. Erst als 30-Jähriger hat er eine Umschulung als Tischler begonnen.

Interesse für altes Handwerk wecken

Seine Spezialität ist die Schellackpolitur. Während der Beruf des Polierers noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Ausbildungsberuf war, beherrschen heute nur wenige Möbeltischler die Arbeitsschritte. Laskowski hat im Rahmen einer Weiterbildung gelernt, wie durch wiederholtes Auftragen und Polieren der Schellacklösung eine spiegelglatte hochglänzende Beschichtung auf einer Holzoberfläche erzeugt wird. Der 55-Jährige ist derzeit mit der Restaurierung von antikem Mobiliar aus einem ausgebrannten Haus beschäftigt. Oft seien es auch Wasserschäden, die den wertvollen Möbeln zusetzten. Es gibt nur noch wenige Restauratoren und damit auch Nachwuchssorgen. Um bei Jugendlichen Interesse für das alte Handwerk zu wecken, hat sich der Tischler und Restaurator 18 Jahre lang ehrenamtlich in der Burg Brome und im Freilichtmuseum Diesdorf engagiert. Zweimal im Jahr präsentiert er seine Techniken noch im Dorfmuseum Langlingen in einer Schauwerkstatt. Es ist für ihn selbstverständlich, dass er Praktikanten in der Werkstatt aufnimmt. Einmal hat sogar ein japanischer Kunststudent ein Praktikum auf dem Antikhof Drei Eichen absolviert. Als ein Flüchtling aus Angola keinen Praktikumsbetrieb finden konnte, hat Laskowski mit Selbstverständlichkeit ausgeholfen.

Alles begann mit einem Weinfest

Das Ausrichten von Hoffesten hat sich ergeben, als Laskowski im Rahmen seiner Selbstständigkeit an seinem ehemaligen Betriebsstandort in Nienhagen für Kunden und Freunde ein Weinfest veranstaltet hat. „Schoppen unterm Schauer“ sei von Anfang an ein Erfolg gewesen und er bedauere es, dass das Weinfest aufgrund eines Nachbarschaftsstreits nach vielen erfolgreichen Jahren nicht mehr stattfinden könne. Auch den allerersten Nachtweihnachtsmarkt in Deutschland hat er bereits in Nienhagen ins Leben gerufen. „Wir waren die Ersten. Der Nachtweihnachtsmarkt in Cottbus kam erst später“, berichtet er stolz.

Denkmalgeschützter Hof als neuer Standort

Die Hofanlage Drei Eichen hat Torsten Laskowski gekauft, als er an dem alten Standort in Nienhagen keine langfristige Basis mehr für seinen Betrieb gesehen hat. Seine Schwester Kirsten wohnte mit ihrem Mann schon seit vielen Jahren in Bröckel und die frühere Ausspannstation mit Gasträumen und einer Schankwirtschaft stand zum Verkauf. „Das Grundstück war zu groß, zu teuer und denkmalgeschützt“, berichtet er. Dann sei das Grundstück geteilt worden und er konnte den Hof kaufen, dessen Wurzeln im 14. Jahrhundert liegen. Heute ist der Antikhof Drei Eichen ein denkmalgeschützter Hof, dessen besondere Atmosphäre der fachgerechten Restaurierung mit ökologischen Baustoffen zu verdanken ist. „Ich nehme mir kleine Einheiten vor und sehe, dass ich die Bausünden in den Griff kriege“, erläutert der Handwerker. Ihm sei wichtig, dass er am Tag des offenen Denkmals teilnimmt und sein Haus für Nachbarn, Freunde und Interessierte öffnet.

In Bröckel alt werden

Dem Besitzer der denkmalgeschützten Hofanlage ist anzumerken, dass er sich in Bröckel wohlfühlt. Er sei im Dorf angekommen und wolle in Bröckel alt werden. Auch wenn er als Selbstständiger wenig Zeit hat, ist er in vielen Bereichen der Region ehrenamtlich aktiv. Er möchte nicht schimpfen, sondern etwas bewegen: „Ich engagiere mich da, wo ich lebe, und gebe gerne einen Teil an die Gesellschaft zurück. Am Lächeln der Leute merke ich, dass sie alles honorieren.“ Er ist dankbar dafür, dass er bei seinen Aktivitäten Hilfe von Freunden und Unterstützern bekommt, und hat in den vergangenen Jahren einiges für die Dorfgemeinschaft getan. Zusammen mit Ina Müller hat er das „Lebendige Dorfarchiv“ ins Leben gerufen. Außerdem ist er in der Interessengemeinschaft Bauernhaus aktiv und Mitglied im Heimatverein.

Frühstück mit kostümierten Gästen

Dem gebürtigen Nienhäger ist die Region wichtig. Bei FlotART war er von Anfang an als stellvertretender Vorsitzender dabei. Zusammen mit dem Goldschmiedemeister Wolfgang Raschke aus Bröckel hat er damals bei Currywurst und Korn in Steffis Tanke die Vereinsgründung beschlossen. Die Ausstellungen in den „KunstRäumen“ der Samtgemeinde Flotwedel finden inzwischen nur noch alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Kultursommer statt. „Wir stießen an unsere Grenzen und mussten den Druck rausnehmen. Der Spaß wäre sonst flöten gegangen“, vermutet der Kulturaktivist.

Das „Historisches Frühstück“ ist im Rahmen der 800-Jahr-Feier Bröckel entstanden. Seit fünf Jahren kommen Nachbarn und Freunde in mehr oder weniger historischen Kostümen aus dem Spätbarock auf dem Antikhof Drei Eichen zusammen. Alle sitzen an langen Tafeln, jeder bringt etwas zu essen mit. Der Hausherr stellt die Möbel, den Kaffee und die Eier zur Verfügung.

Schäferwagen für Pilger

Seit 2017 ist der Antikhof Drei Eichen offizielle Herberge auf dem Pilgerweg Via Romea, der von Stade nach Rom führt. Laskowski ist für die Tagesstrecke von Celle nach Rietze zuständig. Er ist derzeit dabei, einen Schäferwagen für die Pilger zu bauen, bei schlechtem Wetter stellt der Streckenpate den Gästen aber ein Zimmer im Haus zur Verfügung. Bislang haben rund 20 Pilger bei ihm übernachtet. Die Vorsitzende des australischen Pilgervereins, aber auch Norweger, Dänen, Neuseeländer und Italiener haben bereits bei ihm Halt gemacht. Für den April hat sich ein französisches Ehepaar angemeldet. „Ich habe vom Pastor den Schlüssel für die evangelische Kirche bekommen, damit die Pilger dort beten oder singen können“, freut sich Laskowski. Im Juni gibt es die Gelegenheit, mit Alpakas vom Kloster Wienhausen über Sandlingen nach Bröckel zu pilgern. Die Tiere würden rund acht Kilometer auf der Via Romea schaffen, danach hätten sie keine Lust mehr.

lebenslauf

1963

Geboren in Celle, aufgewachsen in Nienhagen

1980 bis 1982

Ausbildung zum Kaufmann im Eisenbahn- und Straßenverkehr, OHE in Celle

1983 bis 1995

Zeitsoldat bei der Bundeswehr in Celle

1993 bis 1995

Umschulung zum Tischler, Möbeltischlerei und Restaurierungsbetrieb Narjes in Celle

Seit 1997

Selbständig als Restaurator für Möbel zunächst in Nienhagen

2007

Kauf der denkmalgeschützten Hofanlage Drei Eichen in Bröckel

Von Marion Peterson

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