Nachhaltig leben

„Jeder kann eine Kleinigkeit tun“

Der Celler Stefan Behnel setzt sich für eine nachhaltigere Lebensweise ein. Er plant außerdem eine Initiative für eine bessere Wohnraumnutzung in Celle.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 09. Apr 2022 | 11:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
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  • 09. Apr 2022 | 11:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
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Celle.

Niemand muss alles richtig machen, es reicht völlig aus, wenn jede und jeder eine Kleinigkeit tut. Das Wichtigste ist es, damit anzufangen“, sagt Stefan Behnel. Der promovierte Softwareentwickler setzt sich für eine nachhaltigere Lebensweise ein, um nicht mehr von fossilen Energieträgern abhängig zu sein. Dafür geht der 43-jährige Celler mit kleinen und größeren Maßnahmen im Alltag als positives Beispiel voran.

"Solidarität ist enorm wichtig"

Für Behnel und viele andere Celler rücken die aktuellen Ereignisse rund um den Ukraine-Krieg das Thema Energie in den Vordergrund. Gas- und Spritpreis schnellen in den vergangenen Wochen in die Höhe wie nie zuvor. Wie eng Krieg und Energiekrise verknüpft sind, zeigt sich nun im Alltag immer häufiger. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat Behnel das Thema Energiesparen bei den zahlreichen Reden auf der Friedenskundgebung am Celler Schloss zu Beginn des Monats vermisst: „Diese Solidarität ist enorm wichtig, ebenso die Außen- und Innenwirkung von Demonstrationen. Die Leute sollen zeigen, dass sie für Zusammenhalt und gegen den Krieg sind. Allerdings höre ich immer häufiger, man könne ja selbst nicht viel tun – außer Solidarität zu zeigen. Im Gegenteil! Alles, was hilft, die erneuerbaren Energien auszubauen, um nicht mehr von Autokratien abhängig zu sein, ist der richtige Weg.“

Kleine Dinge im Alltag integrieren

Dabei hat Stefan Behnel nicht nur die großen Taten im Sinn, sondern auch kleine Dinge, die jeder in seinen Alltag integrieren könne. „Das Duschgel muss nicht flüssig sein, es kann auch ein Stück Seife sein. Das hält viel länger, ist besser für die Umwelt und auch den eigenen Geldbeutel.“ Seit Jahren kauft Behnel außerdem die meisten Dinge ohne Verpackung, entweder in einem speziell darauf ausgerichteten verpackungsfreien Laden oder auf dem Wochenmarkt. Dafür nutzt er unter anderem ausrangierte Glasverpackungen, Netze und Stoffbeutel. „Es ist schon sehr lange her, dass ich in einem Aldi war“, blickt Behnel mit einem Schmunzeln zurück. Die Themen Nachhaltigkeit und Konsumverhalten im Alltag beschäftigen ihn schon seit vielen Jahren.

Behnel setzt aufs Rad und Zugfahrten

Ein Auto hat er schon lange nicht mehr, stattdessen nutzt er seit 2011 zu jeder Gelegenheit das Fahrrad: „Celle ist eine tolle Stadt dafür, in der man viele Geschäfte in kurzer Zeit erreichen kann. Größere Steigungen oder gar Berge gibt es hier nicht, und mit dem Fahrrad muss man auch nicht lange auf Parkplatzsuche gehen.“ Für weitere Reisen verzichtet Stefan Behnel auf das Fliegen, stattdessen fährt er mit dem Zug. So kamen über die Jahre immer mehr Dinge hinzu, die sein Leben umweltfreundlicher und energieeffizienter gemacht haben. „Bei den meisten Entscheidungen habe ich im Rückblick das Gefühl, dass sie mein Leben eher bereichert als eingeschränkt haben, auch wenn manche weiterhin anstrengend sein können, wie beispielsweise das Vermeiden von Plastik“, so Behnel.

Initiative für bessere Wohnraumnutzung

Seit Kurzem plant er eine Initiative für eine bessere Wohnraumnutzung. Unter dem Namen „Celle wird jung“ möchte er Alt und Jung zusammenbringen und den im Überfluss vorhandenen Wohnraum besser verteilen. „Celle hat 15.000 Einfamilienhäuser, aber nur 11.000 Kinder. In mehr als der Hälfte der Einfamilienhäuser leben keine Familien. Immer weniger Menschen leben in immer größeren Häusern und Wohnungen und immer mehr Menschen leben allein“, fasst er die Fakten zusammen. Jungen Familien ein Zuhause in Celle zu geben und es Menschen ab 50 zu ermöglichen, länger in ihren eigenen vier Wänden zu wohnen – dafür will Stefan Behnel sich einsetzen.

Sanierung des Elternhauses

Vor zwei Jahren hat der Celler außerdem mit der energetischen Sanierung seines Elternhauses begonnen, in dem er nun lebt. Für die Dämmung der Außenfassade hat er anstelle von Styropor oder Glaswolle auf Naturfasern aus Holz, Hanf und Zellulose gesetzt. Die alten, zugigen Fenster und die Haustür wurden ausgetauscht. Im Zuge der Dacherneuerung hat Behnel außerdem Solarmodule auf dem Dach anbringen lassen. Diese sorgen für die Stromversorgung des Hauses, häufig kann sogar Energie im zweistelligen Kilowatt-Bereich in das Netz eingespeist werden: „Gerade an sehr sonnigen Tagen oder im Sommer kann ich mich mit Energie totschmeißen“, so Behnel lachend. Des Weiteren nutzt er eine Luftwärmepumpe, um das Haus zu beheizen. „Damit habe ich pro Tag etwa 1,50 Euro an Energiekosten.“

Lebensweise weiter optimieren

Doch das ist noch nicht alles. Durch die Solaranlage motiviert, hat Stefan Behnel begonnen, seine Lebensweise weiter zu optimieren. Nun versucht er, den Strom tagsüber zu nutzen, wenn der Energievorrat durch die Sonne am größten ist. So verwendet er Haushaltsgeräte wie Herd und Waschmaschine nach Möglichkeit in der Mittagszeit. „Im Anschluss freut man sich dann noch mehr über sein Mittagessen in dem Bewusstsein, das habe ich jetzt mit Sonne gekocht“, so Behnel stolz.

Gespeicherte Energie nutzen

Dabei ist dem Celler bewusst, dass nicht jeder zu solch großen Schritten in der Lage ist. Aufgrund seiner Selbstständigkeit sowie der Tätigkeit aus dem Homeoffice ist es für ihn möglich, seinen Tag so zu planen, dass er die gespeicherte Energie zeitlich entsprechend nutzen kann. Auch in Bezug auf die Baumaßnahmen ist er realistisch: „Viele Leute können das nicht von jetzt auf gleich. Es gibt zwar die Möglichkeit der staatlichen Förderung, aber trotzdem ist es natürlich ein großer Aufwand.“ Nicht zuletzt deswegen fokussiert Behnel auch die kleinen Dinge.

Heizung ruhig niedriger stellen

„Man muss in der Wohnung nicht immer im T-Shirt und barfuß herumlaufen,“ findet er. „Man kann die Heizung ruhig ein, zwei Grad niedriger einstellen und dafür den Pullover anlassen. Das spart am Ende wieder ein paar Euro auf der Heizrechnung.“ Diesen Tipp gibt er auch seinen Mitmenschen in Bezug auf den Ukraine-Krieg: „Jeder Euro, den wir auf der nächsten Gasrechnung sparen, bedeutet weniger Geld, das nach Russland überwiesen wird. Weniger Geld, das diesen Krieg finanziert und das uns zu politischen Entscheidungen zwingt.“

Ein bisschen was Gutes tun

Für Behnel sind es jede LED-Lampe, jede A+-Waschmaschine und jedes Fenster, das man zusätzlich mit einem Gummidichtungsband isoliert, die schlussendlich etwas bewirken können. „Wir haben den größten Hebel durch viele Menschen, die alle ein bisschen was Gutes tun. Niemand muss alles richtig machen. Wenn alle danach handeln, macht das so viel aus.“

Von Stefanie Franke

Lebenslauf

4.4.1978

Geburt

1984 bis 1988

Katholische Grundschule in Celle

1990 bis 1997

Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium Celle

1997 bis 2002

Studium in Braunschweig, Limerick und Lille, danach Masterabschluss in Informatik

2002 bis 2005

Doktorat in Darmstadt

2005

Umzug nach München, Tätigkeit als Softwareentwickler

2020

Rückkehr in die Heimatstadt Celle, Selbstständigkeit

2022

Gründung der Wohnrauminitiative Celle wird jung

Von