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Typen Norweger als Ungarische Post
Mehr Typen Norweger als Ungarische Post
14:34 13.06.2010
Adelheidsdorf

Wenn jemand erfreut das Klappern der Hufe oder das Wiehern der Pferde wahrnimmt im Stalltrakt der Hengstprüfungsanstalt, huscht ein Lächeln über das Gesicht von Eirik Erlingsen. Der blonde, 1,80 Meter große sehr schlanke junge Mann, der in dunklen Stiefeln, einer grauen Hose, einem blauen Hemd und einer schwarzen Weste steckt, freut sich einfach darüber.

Vor kurzem ist er in das Wohnheim auf dem Gelände der Hengstprüfungsanstalt in Adelheidsdorf gezogen.

Einige Wochen vor der diesjährigen Hengstparade trifft der ausgebildete Pferdewirtschaftsmeister seine Vorbereitungen, um ein Meisterstück abzuliefern, die Ungarische Post. „Es ist in erster Linie für mich Spaß und Freude. Es ist ein gutes Gefühl, dass man dem Publikum etwas bieten kann, was ihm gefällt“, meint der 28-Jährige. „Für mich ist es auch ein gutes Gefühl, dass ich diese nicht einfache Nummer beherrsche.“ Körperbewusstsein, Gleichgewichtsgefühl und Willenskraft müsse er aufbringen, fügt Erlingsen mit ruhiger Stimme hinzu. „Groß ist der Kraftaufwand, weil Muskeln gebraucht werden, die man sonst in der täglichen Arbeit mit dem Pferd nicht braucht.“ Die Oberschenkelmuskulatur sei sehr angespannt, letztlich durch das tägliche Training, in der Regel drei bis vier Wochen vor der Hengstparade. Das Halten der Zügel koste schon viel Kraft, aber das meiste müsse über die Beine geleistet werden.

Fit hält sich Erlingsen durch Fahrradfahren. Um Schäden an Rücken und Knien vorzubeugen, nimmt der Gestütswärter über acht Wochen an einem Kursus „Fitness für Reiter“ teil, der von einer Krankengymnastin geleitet wird, die sich auf Reiter und ihre Belange spezialisiert hat.

Ein bestimmtes Körpergewicht müsse er nicht haben, um das Schaubild „Ungarische Post“ vorführen zu können.

Erlingsen: „Hengste müssen miteinander harmonieren“

Für die Hengste ist das Schaubild eine ungewohnte Situation, daher müssen die Pferde langsam an das Schaubild herangeführt werden, damit sie Vertrauen bekommen und behalten. „Ich bekomme noch junge Hengste“, sagt Erlingsen. „Ich kann sie mir aussuchen.“ Wichtig sei, dass die Hengste miteinander harmonieren, dass sie nicht anfangen, sich zu beißen, um ihre Rangpositionen zu klären. „Es ist ein unangenehmes Gefühl, wenn sie sich beißen und gegenseitig besteigen wollen, wie sie es in der freien Wildbahn machen und erfahren. Aus dem Pferdebestand sucht er zwei Füchse aus, die gleich groß sind, schlicht braun sind, sich optisch ähneln.

„Es ist ein stückweit ein Nervenkitzel, mit den Pferden etwas Außergewöhnliches zu machen ohne Sattel“, meint Erlingsen. „Ich mache es durch Disziplin und durch eine klare Linie, meine Stimme ist dann energisch. Manchmal gibt es mit dem Stöckchen einen kleinen Schlag.“ Beim ersten Mal, als er die Ungarische Post ritt, verlor der Gestütswärter die Kontrolle über die Pferde und fiel zwischen die Tiere. „Es war eine nicht ganz ungefährliche Situation, ich hätte zwischen die acht Beine der Pferde geraten können. Ich habe Glück gehabt.“ Für Erlingsen steht fest: „Ich habe akzeptiert, was geschehen ist und überlegt, wie man es in Zukunft ändern kann. Es war eine Warnung, nicht überheblich zu sein und den Respekt vor dem Tier zu behalten.“

Er gab nicht auf. Er bleibe nach Enttäuschungen konsequent in der Verfolgung seiner Ziele, sagt Erlingsen von sich selbst. Er sei gradlinig, gehe überlegt und zielorientiert vor, wenn er etwas erreichen wolle. Und er habe eine starke Willenskraft. Das sagt der junge Mann mit dem Bürstenhaarschnitt nicht prahlerisch, sondern eher in einem nüchternen Ton. Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen habe er wohl von seiner Mutter geerbt, denn sie habe das Leben gut gemeistert, als sein Vater starb und die Mutter mit zwei kleinen Kindern allein zurückblieb. Als Achtjähriger lernte er bereits, den Blick in die Zukunft zu richten. Seine Mutter, eine gebürtige Cellerin, fasste den Entschluss, in ihre Heimat zurückzugehen. Als die Mutter den Haushalt einer Tante auflösen musste, kam Eirik gemeinsam mit Schwester Kathrin das erste Mal in den Ferien auf einen Reiterhof in Deutsch-Evern. Der junge Mann war fasziniert von der ganzen Atmosphäre: von den Pferden, den Kutschen, die gefahren wurden, das Voltigieren und das Lagerfeuer gefielen ihm. Ebenso war er davon begeistert, mit einem relativ großen Tier zu tun zu haben. Das Erscheinungsbild der Pferde, die Möglichkeiten, was man mit dem Tier alles machen kann, sprachen ihn an. Ausritte in die Natur liebte er ohnehin, denn Ausritte im ländlichen Bereich war der Deutsch-Norweger gewohnt, als er noch in der Nähe von Oslo mit der Familie wohnte. Immer wieder kam er in den Ferien auf einen Reiterhof. Dann schloss er sich einem Reitverein, dem Verein für Reittherapie und Heilpädagogik an, anschließend wurde er Mitglied der Voltigier- und Reitgemeinschaft Westercelle. „Heutzutage gebe ich auch Kindern und Jugendlichen Reitunterricht, um sie in ihren Reitaktivitäten zu fördern.“

Korrekter Umgang mit dem Pferd ist wichtig

Es tue ihm gut mit dem Pferd Umgang zu haben. „Man bekommt ein sehr gutes Verantwortungsbewusstsein, einen ordentlichen, korrekten Umgang mit dem Lebewesen zu pflegen. Ein Pferd kann einem schnell zeigen, wenn man es vernachlässigt“, erzählt Erlingsen.

„Die Pferde pflegen, sie füttern und dafür sorgen, dass es ihnen gut geht, Ställe ausmisten und sich um die Instandhaltung der Anlage zu kümmern, das sind Aufgaben des Gestütswärters. Er ist auch Besamungsbeauftragter für Pferde. „Von Februar bis Juli bin ich auf verschiedenen Deckstationen in ganz Niedersachsen und kümmere mich um die künstliche Besamung der Hengste.“ Sattelmeister würde der Junggeselle gern werden, „aber nur, wenn es machbar ist, wenn eine Stelle vorhanden wäre.“

Von Anne Marx