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Typen Motor der 1000-Jahr-Feier
Mehr Typen Motor der 1000-Jahr-Feier
14:34 13.06.2010
Altencelle

Das Eckgrundstück, auf dem er für die Fördergemeinschaft Historisches Altencelle einen „Hingucker“ schaffen will, habe er immer noch im Auge, sagt er ruhig, aber bestimmt. „Eine Idee, die in mir gewachsen ist, möchte ich doch verwirklichen“, meint Dieter Reinebeck. Mit einer Anfrage bei einer Behörde sei er noch nicht weitergekommen. Der 71-Jährige, der seit neun Jahren Vorsitzender der Fördergemeinschaft Historisches Altencelle ist, setzt grundsätzlich auf eine gute Zusammenarbeit mit Institutionen. Seine Erfahrung ist allerdings eine andere. Aber für ihn gilt: „Wenn ich etwas erreichen will, bleibe ich dran, so nach dem Motto ‘Steter Tropfen höhlt den Stein.’“ Der große Krach liegt ihm nicht. Aber er verleiht seinen Anliegen gern Nachdruck und macht keinen Hehl aus seinem Standpunkt. Er wünsche sich noch mehr Mitglieder in der Fördergemeinschaft, die sich engagieren.

Wenn Erben ihm alte Erbstücke und Utensilien aus vergangenen Zeiten bringen, möchte er auch die Zusammenhänge kennenlernen, die sich um eine alte Nähnadel oder eine Nachtmütze drehen. Kleine Details geben Hinweise auf geschichtliche Situationen und Zusammenhänge. Reinebeck sucht Menschen, die solche historischen Zusammenhänge sich anhören und notieren. Vieles habe er selbst schon auf Blättern gesammelt, es müsse aber noch vieles archiviert werden. Reinebeck will Traditionen bewahren und weitergeben.

Gemeinsam mit anderen Altencellern hat er sich im Vorbereitungsteam für die 1000-Jahr-Feier engagiert. „Danach hat nichts mehr stattgefunden“, entrüstet sich der engagierte Mann. Der Gedanke, Kulturgut erhalten, blieb in ihm haften. Für ihn stand fest, dass man einen Verein gründen musste. „Ich habe mir einen Juristen genommen, eine Satzung ausarbeiten lassen und dadurch die Gemeinnützigkeit des Vereins erreicht.“ Er verstehe sich als „Motor“ des Ganzen. Ich versuche immer wieder, den Verein nach vorn zu bringen“, fügt er lächelnd hinzu. „Ich bringe gern Ideen ein, und nehme gern Ideen entgegen. Der Historische Dorfmarkt ist auf meinem Mist gewachsen“, meint Reinebeck. „Ich bringe mich gern ein, um etwas zu organisieren“, fügt der Rentner hinzu. „Es geht mir um alte Gewerke, Handwerkskunst, Bäuerliches.“ Gern organisiert Reinebeck Vortragsveranstaltungen und andere Aktivitäten des Vereins. Er tue gern etwas für die Allgemeinheit. Das ist auch der Grund, weshalb er für die Altenceller Schützengesellschaft Schützenscheiben bemalt.

Er versteht sich eigentlich als Altenceller

Er sei zwar in der Blumläger Masch in der St. Georg-Straße groß geworden. Da der Großvater die Mutter und ihre Geschwister in einem Aller-Altarm gebadet habe und der Großvater für die Interessengemeinschaft Allerufer Geld bezahlt habe, fühle er sich als Altenceller, meint Reinebeck. Er ist ein äußerst kreativer Mensch: ob im Vorgarten, im Treppenhaus, im Wohnzimmer oder in seiner Werkstatt: Malen und plastisches Gestalten sind seine Leidenschaft. Die Holzskulptur in den Hortensien seines Vorgartens könnte eine Zahnwurzel sein. Es ist eine freie Gestaltung, genauso wie die Holzskulptur im Vorgarten auf der rechten Seite.

Wenn Reinebeck über seine Kunstwerke spricht, lacht er manchmal spontan. Auch vor der Haustür stehen Skulpturen, eine aus Holz, eine aus Keramik. „Früher habe ich viel aus Keramik gearbeitet, heute arbeite ich aus Stein und Holz“, erklärt Reinebeck.

Seine Werkstatt, in der er viele Jahre als selbständiger Schaugewerbegestalter tätig war, ist quasi sein Reich, indem er sich auch als Rentner besonders wohlfühlt. Lagepläne aus Altencelle, viele Fotos, Aquarelle, eine etwa 100 Jahre alte Handdruckpresse und vieles andere mehr sind hier zu sehen. Hier in seiner Werkstatt betätigt sich Reinebeck künstlerisch. Derzeit arbeitet er an einem Torso aus Eichenholz. Ein Frauentorso aus Stein steht vor dem Fenster. Aquarelle schmücken die Wände. Ein großes Ölgemälde, in dem er die Landschaft an der Al- garve einfing, ist an die Wand angelehnt. An der Zimmerdecke hängen getrocknete Heugarben. Er habe sie gesammelt, weil er seitens der Kirche darum gebeten wurde und „weil es sonst keiner macht“, meint Reinebeck.

Sein künstlerisches Engagement bezeichnet der Hobbykünstler als Liebhaberei. Er sei Autodidakt, habe als Junge in der Schule schon viel gemalt. Er habe immer bedauert, dass er nicht zur höheren Schule gehen konnte. Aber damals habe der Schulbesuch noch Schulgeld gekostet, und in seiner Familie seien damals fünf Kinder gewesen. In diversen Kunstwerkschulen hat er sich seine Kenntnisse und sein „Rüstzeug“ geholt. Immer wieder besucht der Rentner Seminare, um sich fortzubilden. Ich bedauere es, zu wenig Zeit zu haben für meine künstlerischen Tätigkeiten.“

Reinebeck schätzt es, auch jetzt im fortgeschrittenen Alter eigenständig zu leben. Trotzdem ist für den 71-Jährigen das Familienleben groß geschrieben. Mit Ehefrau Brigitte ist er 47 Jahre verheiratet. „Er ist sehr verlässlich“, sagt sie mit dem Brustton der Überzeugung. Seine drei Kinder und drei Großsöhne seien ihm sehr wichtig, er habe ein inniges Verhältnis zu ihnen.

Fitness ist für Dieter Reinebeck ganz wichtig

Reinebeck ist sehr sportlich. „Man muss etwas für seine Figur tun“, meint der schlanke Mann mit den zurückgekämmten weißen Haaren. Gymnastik und Fitnesstraning stehen auf seinem Programm. Früher hat er 30 Jahre dem Judosport gefrönt.

Sein Ideenreichtum ist ungebrochen. Eine aktuelle Herzensangelegenheit bleibt es für den Vorsitzenden der Fördergemeinschaft Historisches Altencelle, die kreative Gestaltung eines Trafohauses zu organisieren, das eingebaut ist in ein Gräberfeld in Altencelle am Rande der Hügelgräber am Föscherberg. Ursprünglich ein Störfaktor, soll das Häuschen nun, so Reinebecks Idee, mit bronzezeitlichen Motiven in Gaffitti-Spritztechnick verschönert werden.

Von Anne Marx