Leben mit Parkinson

"Jeder Tag ist ein Geschenk"

Mit den Diagnosen Parkinson und Krebs hat es Margarete Hubach aus Eversen nicht leicht. Dennoch bleibt sie stets positiv und wird nicht müde, anderen zu helfen.

  • Von Lisa Brautmeier
  • 24. Mar 2021 | 15:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
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  • 24. Mar 2021 | 15:00 Uhr
  • 12. Jun 2022
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Eversen.

Seit 2013 hat sie die Celler Parkinson-Selbsthilfegruppe geleitet. Nun möchte sie kürzertreten. „Mir ist jetzt erst klar geworden, wie viel ich dort geleistet habe“, sagt Margarete Hubach, die nicht nur die monatlichen Treffen geplant, sondern auch Vorträge von Ärzten, gemeinsame Ausflüge und sportliche Aktivitäten organisiert hat. Dabei war die Gruppe für sie auch immer eine gute Möglichkeit, ihre eigenen Probleme ein wenig zu vergessen.

Immer eine helfende Hand

Die 72-Jährige hilft anderen Menschen so gut sie kann. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob es um medizinische Fragen geht oder beispielsweise um den Kauf einer Waschmaschine. Selbst bei solchen Dingen unterstützt Hubach ihre Freunde und die Mitglieder der Parkinson-Selbsthilfe. Die Gruppe ist die vergangenen Jahre ständig gewachsen, sodass es nun über hundert Betroffene und Angehörige sind, die sich über die Krankheit regelmäßig austauschen. Als Hubach 2013 die Leitung übernahm, waren es gerade einmal zwölf Mitglieder. Kennengelernt hatten sich diese über eine Tanzveranstaltung für neurologische Krankheiten und Parkinson. „Da wollte ich unbedingt hin und habe dort viele neue Leute kennengelernt. Das war eine nette Truppe“, sagt Hubach, die 2007 selbst die Diagnose Parkinson bekam.

Lange Zeit im Ungewissen

Bis sie endlich von ihrer Krankheit erfuhr, vergingen Jahre. Seit 2000 war sie krank, konnte teilweise nicht mehr arbeiten und litt unter Depressionen, bis sie letztendlich die richtige Diagnose gestellt bekam. „Damals sagten mir die Ärzte, dass niemand mit 50 Jahren Parkinson bekäme“, ärgert sich Hubach, die daher lange im Ungewissen lebte, bis ein Arzt die entsprechenden Untersuchungen einleitete. Heutzutage ist bekannt, dass nicht nur ältere Menschen von Parkinson betroffen sein können.

Mit Beginn der Krankheit waren dann erst einmal viele Sachen nicht mehr möglich. „Ich konnte zum Beispiel nicht mehr Rad fahren, dabei waren mein Mann und ich mit Freunden früher viel unterwegs“, erzählt Hubach. Da ging es dann öfters auf längere Touren, zum Beispiel von Passau nach Wien. Als dann die Krankheit aufkam, sind ihr Mann Horst Hubach und sie zunächst noch mit dem Auto hinterhergefahren. Doch auch das wurde für sie später immer anstrengender.

Obwohl Margarete Hubach gerne unterwegs war, wohnte sie ausschließlich in ihrem Geburtsort Eversen. „Ich wäre hier nie weggegangen“, sagt die heimatverbundene 72-Jährige. Das Gleiche gilt auch für ihren Mann, der ihr früher eine Mitfahrgelegenheit nach Bergen geboten hatte, wo Margarete Hubach als Jugendliche eine Lehre als Schneiderin anfing. Durch die gemeinsamen Fahrten kamen sie sich näher, 1969 folgte die Hochzeit. Als Schneiderin blieb sie dann aber nicht tätig. Es gab einfach zu viele, die diesen Beruf in Eversen ausübten. „Dazu kamen auch viele Kriegerwitwen, die sich dadurch ihren Unterhalt verdienten“, erinnert sich Hubach. Hilfreich war die Lehre aber dennoch gewesen. „Vor allem, als man später etwas für die beiden Töchter nähen wollte“, so Hubach.

Als Hofdame viel unterwegs

Zwischen Ausbildung und Heirat stand aber erst einmal ein großes Abenteuer an, das Hubach an viele verschiedene Orte führte. Die Werbegemeinschaft der Lüneburger Heide schrieb die Wahl zur Heidekönigin aus. Dafür wurden junge Frauen gesucht, die die Region auf Veranstaltungen repräsentieren sollten. Die Wahl fiel zwar auf eine Konkurrentin, aber Hubach schaffte es immerhin in den Hofstaat, und so ging es für sie auf viele Reisen und Messen. Die Frauen halfen bei verschiedenen Events, standen an Ständen mit regionalen Produkten, die sie präsentierten und verkauften. Um immer mit dabei sein zu können, fing Hubach zeitgleich an, in einer Bäckerei zu arbeiten. „Dort konnte ich nämlich für längere Zeit unbezahlten Urlaub nehmen und die ganzen Reisen so auch mitmachen“, sagt die Everserin.

Hubach war dadurch nicht nur in Niedersachsen unterwegs. Als Hofdame Margarete von Eversen war sie zum Beispiel auch auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin zu Gast. „Wir haben damals viel erlebt, sind viel herumgekommen. Für uns Mädchen vom Dorf war das natürlich etwas sehr Besonderes“, sagt Hubach, die aber auch immer das gesellige Leben in ihrem Heimatort schätzte. 1975 wurde sie in den Festausschuss des Schützenvereins berufen – als einzige Frau. Ihr Mann wurde zweimal Schützenkönig, einmal war Margarete Hubach im selben Jahr Damenbeste. „Das ist bis heute in unserem Verein einmalig“, so Hubach, die besonders viel Spaß daran hatte, die Kinderschützenfeste vorzubereiten.

Parkinson und die Diagnose Brustkrebs

Das Organisationstalent ist ihr geblieben, und sie setzte es später in der Parkinson-Selbsthilfegruppe ein. Von der Hilde-Ulrichs-Stiftung wurde sie daher in diesem Jahr zur Alltagsheldin ernannt, da sie sich so sehr für andere einsetzt, obwohl sie selbst es nicht immer einfach gehabt hat. Denn 2017 kam zusätzlich zum Parkinson noch die Diagnose Brustkrebs hinzu. Mittlerweile haben sich Metastasen entwickelt, sodass die Krankheit nicht heilbar ist. „Das zu erfahren, war schon heftig. Aber ich habe beschlossen, es mit Fassung zu tragen“, sagt die 72-Jährige. Sie hat noch Pläne, würde gerne, wenn es Corona und ihr Zustand zulassen, wieder zu ihrer Tochter nach Bayern fahren, wo Margarete und Horst Hubach ein halbes Jahr lang gewohnt haben, um der Familie dort unter die Arme zu greifen.

Ärzte nicht ausreichend informiert

Derzeit muss sie zu Hause aber viele Arzttermine wahrnehmen. Sie nimmt an einer Studie teil und erhält eine Art Chemotherapie in Tablettenform. Diese wird sie nun dauerhaft einnehmen müssen. Aber sie wird weiterkämpfen – auch für andere. In den vergangenen Jahren musste Hubach bereits mehrmals feststellen, dass medizinisches Personal nicht immer ausreichend über die Krankheit Parkinson informiert ist. Auch Onkologen wollten ihr nach der Brustkrebs-Diagnose Medikamente verschreiben, die sich mit Parkinson nicht vertragen. „Man sagte mir, ich solle mich nur auf meinen Krebs konzentrieren und Parkinson hintenanstellen. Aber das funktioniert so nicht. Ich muss beides im Blick behalten“, sagt Hubach.

Auf Probleme hinweisen

Sie möchte wachrütteln, diskutiert mit Ärzten und war bei angehenden Krankenpflegern in einer Unterrichtsstunde zu Gast, um zu erklären, was diese bei Parkinson-Patienten beachten müssen. Am Ende wurde die Einheit deutlich überzogen, denn Hubach wird nicht müde, auf Schwierigkeiten und Probleme hinzuweisen. Die Auszubildenden waren dankbar, meinten, sie würden sich sofort an sie und ihre Worte erinnern, sobald sie es mit einem Parkinson-Patienten zu tun haben würden. Hubach möchte erreichen, dass die Menschen mit dieser Krankheit bessere Behandlungen erhalten. Das ist ihr großes Ziel. Daher kämpft sie auch gegen den Krebs weiter an und das ganz nach dem Motto: „Jeder Tag ist ein Geschenk.“

Lebenslauf

1948

geboren in Eversen

1963

Lehre als Schneiderin

1967

Aufnahme in den Hofstaat der Heidekönigin

1969

Heirat mit Horst Hubach

1975

Aufnahme in den Festausschuss des Schützenvereins

2007

Diagnose Parkinson

2013

Wahl zur Leiterin der Parkinson-Selbsthilfegruppe