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Typen Konsequenz, Herz und Musik
Mehr Typen Konsequenz, Herz und Musik
14:03 30.12.2015
Musik ist Gerd Büthes Leidenschaft. Der 74-Jährige spielt Flöte und Klavier, darüber hinaus singt erin der Chorgemeinschaft Baven. 
Musik ist Gerd Büthes Leidenschaft. Der 74-Jährige spielt Flöte und Klavier, darüber hinaus singt erin der Chorgemeinschaft Baven.  Quelle: Benjamin Westhoff
Müden Örtze

Gerd Büthe wollte studieren. Die Voraussetzungen dafür brachte er mit, denn nach dem Besuch der Grundschule in Föhrste im Kreis Alfeld (Leine) hatte er die Gymnasien in Hildesheim und Alfeld besucht und das Abitur abgelegt. Seinen weiteren Werdegang hatte er sich so vorgestellt, dass er zur Bundeswehr gehen würde, um sich zum Offizier ausbilden zu lassen und dort ein Studium zu absolvieren. Davor musste er lediglich an der Offizierbewerber-Prüfzentrale in Köln die dortigen Tests bestehen. Diese Hürde erwies sich allerdings als zu hoch. Nicht, dass es ihm an Intelligenz, Bildung oder Entschlusskraft fehlte, vielmehr kam das „Aus“ von einer ganz anderen Seite: die Militär-Ärzte hatten bei ihm einen zu hohen Blutdruck festgestellt. Damit war ihm dieser Weg verbaut.

Büthes Vater war Rektor einer Grund- und Hauptschule in Gronau. Was lag da näher, als ebenfalls den Lehrerberuf zu ergreifen? Also besuchte Büthe die pädagogische Hochschule in Alfeld und legte seine erste Lehrerprüfung im Februar 1967, genau drei Jahre nach dem Abitur, ab. Seine erste dienstliche Verwendung führte ihn nach Müden an der Örtze, damals noch ein selbstständiger Ort. An der dortigen Volksschule unterrichtete er mehrere Fächer, unter anderem evangelische Religion. In diesem Fach hatte er eine besondere Ausbildung durchlaufen, die ihm sogar den Einsatz als Hilfsgeistlicher erlaubte.

Neues Aufgabenfeldin der Sonderpädagogik

1973 wurde der junge Lehrer an die Sonderschule im benachbarten Faßberg versetzt. Um hier erfolgreich unterrichten zu können, studierte er wiederum Sonderpädagogik in Hannover. Sein spezielles Gebiet war das der Sprachheilpädagogik. Schließlich kam er an die Berger Käthe-Kollwitz-Förderschule. Als Sprachheillehrer war er in dieser Zeit stundenweise abgeordnet an alle Grundschulen der Stadt Bergen, an die damals noch bestehende kleine Schule in Lohheide sowie an die Sprachheilschule in Celle. Aufgrund seiner umfassenden Kenntnisse und Fähigkeiten erfolgte 1976 die Beförderung zum Sonderschullehrer. Die letzte Station seines Lehrerdaseins absolvierte Büthe wieder an der Förderschule in Faßberg, die mittlerweile den Namen Peter-Härtling-Schule trug. Von hier aus wurde er stundenweise abgeordnet zur Grund- und Hauptschule in Unterlüß. Ende Januar 2007 wurde der Müdener pensioniert.

Rückblickend resümiert der Pensionär, dass es ihm an der Sonderschule gefallen habe. Schließlich sei er auf eigenen Wunsch dahin abgeordnet worden. „Ich wusste, was mich erwartet“, sagt der 74-Jährige. Es reiche keineswegs, sich speziell an diesen Bildungseinrichtungen nur als Lehrer einzubringen, sondern es wird viel mehr erwartet. „Man muss oftmals ein ‚Begleiter‘ sein“, lautet Büthes Erfahrung. Das bringe geistig-seelische Belastungen mit sich, die vielfach Nervenkraft erfordern. Konsequenz ist hierbei eine Schlüsseleigenschaft. Sie durchzuhalten sei zwar nicht immer einfach, aber die ihm anvertrauten Schüler erwarteten sie geradezu, lautet seine Erfahrung. „Dennoch müssen die Kinder spüren: ‚Der Lehrer meint es gut mit mir‘.“ Generell gesehen kann das nur ein Erzieher leisten, der Kinder mag, lautet Büthes Überzeugung.

Wenngleich er mit Leib und Seele Pädagoge war, so verfolgte Büthe noch weitere Interessen. Im Jahr 1970 wurde an ihn die Frage herangetragen, ob er nicht den Vorsitz des DRK-Ortvereins Müden-Poitzen übernehmen wolle. Damit fühlte er sich in seinem sozialen Engagement angesprochen. „Ich habe das als Verpflichtung angesehen“, sagt er heute. Als er im November 2015 nach 45 Jahren von diesem Führungsposten zurücktrat, konnte er guten Gewissens ein „ordentlich bestelltes Feld“ an seine Nachfolgerin übergeben.

Musiker vollerLeidenschaft

Ein zweiter, stark ausgeprägter Interessenbereich von Büthe und seiner Frau ist die Musik mit ihren zahlreichen Facetten. Die beiden hatten sich beim Silvesterball des Männer-Turn-Vereins (MTV) Müden kennengelernt und 1970 geheiratet. Im gleichen Jahr schloss er sich dem Singkreis der St.-Laurentius-Gemeine Müden an und hat ihm bis heute die Treue gehalten. Zusätzlich wurde Büthe fünf Jahre später Mitglied im Männergesangverein (MGV) Faßberg-Müden.

Eine Besonderheit stellt Büthes neunjährige Zugehörigkeit zu „Planet Harmony“ dar. Diese Sangesgemeinschaft hatte sich zum Ziel gesetzt, die legendären „Comedian Harmonists“ aus den vielzitierten Goldenen Zwanzigern Berlins wieder aufleben zu lassen. Die Idee dazu kam aus einem Kreis des MGV Müden, die sich zunächst „Die Müden Sänger“ nannten. Sie suchten einen Bassisten und fanden ihn in Büthe. Diese Gruppierung war die Keimzelle von „Planet Harmony“. Zunächst mussten alle viel lernen, um ein Abbild ihrer großen Vorbilder auf die Bühne bringen zu können. Mit professioneller Hilfe einer Choreografin aus Celle und der Hamburger Musical-Schule gelang es bald, sich dem Anschein nach locker, gelöst und stets heiter zum mehrstimmigen Gesang zu bewegen. Ihre Auftritte, die bald die lokalen Grenzen des Nordkreises übersprangen, brachten große Erfolge. „Wir traten nicht nur hier auf, sondern beispielsweise auch in Hamburg, Hannover oder Braunschweig“, erinnert sich Büthe. „Das alles brachte mir sehr, sehr große Freude“, sagt er, „wir waren eine hervorragende Truppe und hatten meist schon beim Proben Spaß.“ Das Ende dieser aus sechs Herren und einer Dame bestehenden Sangesgemeinschaft kam im Jahr 2009 und der Grund war ganz profan: „Das Repertoire war ausgeschöpft“, da es keine neuen Partituren mehr gegeben habe. „Wir alle haben das unvermeidliche Ende dennoch sehr bedauert.“ Dem Publikum ging es gewiss ebenso.

Im MTV Müden war Gerd Büthe ab 1979 ein Vierteljahrhundert lang als Regisseur und auch Mitspieler der Theatertruppe tätig. Diese Zeit überschnitt sich mit seiner Tätigkeit als Chorleiter der Chorgemeinschaft Baven, die er seit 1982 ausfüllt. Bis heute ist der dem Chor treu. Seine Gesangsleidenschaft teilt er mit seiner Frau, die ebenfalls im Bavener Chor singt. Außerdem spielt er neben seiner Sangeslust noch Klavier und Flöte. Sein „anderes“ Hobby mag deshalb etwas erstaunen: Der Müdener liebt, genau wie seine Frau, das Bergwandern. Gefragt nach einem Traum, den er sich erfüllen möchte, antwortet der Müdener spontan: „Eine schöne Bergtour auf den Großglockner“.

Lebenslauf

1. Oktober 1941 geboren in Gronau (Leine)

1964 bis 1967 Besuch der Pädagogischen Hochschule in Alfeld (Leine) und erste Lehrerprüfung

1970 Hochzeit mit Gisela

1973 erste Dienststelle Volksschule in Müden (Örtze)

1973 bis 1974 Studium der Sonderpädagogik in Hannover

1974 bis 2007 Förderschulen Käthe-Kollwitz-Schule, Bergen und Peter-Härtling-Schule, Faßberg

30. Januar 2007 Pensionierung

Von Udo Genth