Historische Romane: Salina Voltaire hat ein Faible für Celler Blütezeit
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Historische Romane: Salina Voltaire hat ein Faible für Celler Blütezeit

08:00 17.12.2020
Von Carsten Richter
Verliebt in Celle: Die Fachwerkkulisse zum Beispiel auf dem Großen Plan begeistert Salina Voltaire immer wieder aufs Neue.
Verliebt in Celle: Die Fachwerkkulisse zum Beispiel auf dem Großen Plan begeistert Salina Voltaire immer wieder aufs Neue. Quelle: David Borghoff
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Celle

Bei ihrem Interesse für Literatur, Schlösser und die Zeit der Renaissance war es nur folgerichtig, dass Salina Voltaire eines Tages in Celle gelandet ist. Alle Leidenschaften vereint die 63-Jährige, die als Barbara Wolter in Hannover geboren wurde, seit einiger Zeit in ihrem Hobby als Autorin historischer Romane, die sie unter ihrem Pseudonym veröffentlicht. Mittlerweile ist bereits der fünfte Band ihrer Familiensaga „Die Erben von Eldingen“ in Planung – der erste Band ist im Sommer dieses Jahren erschienen und spielt in den Jahren 1654 bis 1658. Man ahnt es, im Mittelpunkt steht das dortige Schloss. Das Gebäude wurde erst Jahrhunderte später errichtet, aber Salina Voltaire füllt das Haus dennoch mit Leben, so wie es sich in der frühen Neuzeit zugetragen haben mag. Warum Eldingen? Das ist beim Blick in ihren Lebenslauf leicht zu verstehen.

Schloss Eldingen gab ihr erste Inspiration

„Als ich Kind war, hat meine Mutter auf Schloss Eldingen als Hausdame gearbeitet. In den Ferien durfte ich dort jobben“, erzählt die Autorin. „Vielleicht lag es daran. Jedenfalls habe ich mich seitdem für Schlösser interessiert.“ Zeit zum Schreiben hatte sie bis zum Ende ihrer beruflichen Lebensphase vor zwei Jahren nicht. „Dann habe ich mich entschlossen, mir endlich einmal etwas Gutes zu tun. Das erste Kapitel hatte ich bereits seit Jahren im Kopf“, erzählt die Autorin.

Ferienjob auf Schloss Eldingen

Doch zurück in die Kindheit. Aufgewachsen ist Barbara Wolter in Metzingen, damals noch eigenständig, heute ein Ortsteil der Gemeinde Eldingen. Ihr Vater hatte die damalige Dorfgaststätte „Zur Linde“, wo zuvor die Schule untergebracht war, gepachtet. Ihre Mutter, eine gebürtige Hannoveranerin, betrieb den dazugehörigen „Tante-Emma-Laden“. Die Leidenschaft für Bücher ist der heutigen Roman-Autorin in die Wiege gelegt worden. „Wir haben zu Hause immer viel gelesen. Zu Weihnachten gab es regelmäßig ein Taschenbuch“, sagt sie. Einmal bekam sie ein Buch über Kleopatra geschenkt. „Ich habe mir vorgestellt, die ägyptische Königin zu sein.“ Es war der erste Berührungspunkt mit Geschichte – das Interesse für vergangene Zeiten war geweckt. Bei ihrem Ferienjob auf dem Schloss, das damals ein Internat war, habe sie davon geträumt, „eine verwunschene Prinzessin zu sein“, erzählt die Cellerin.

Ihre Kindheit hat Barbara Wolter in Metzingen verbracht. Quelle: Repro: Carsten Richter

Berufsausbildung in Hannover

Doch aus den kindlichen Phantasien wurde später mehr. Nach dem Besuch der Grundschule in Eldingen und der Realschule in Altenhagen schlug Barbara Wolter einen beruflichen Weg ein, der mit historischen Tatsachen erst einmal nichts zu tun hatte. Sie besuchte eine Fachschule für Hauswirtschaft in Hannover und trat ihre erste Stelle in einem Fleischereihaushalt an. Im Urlaub hat sie ihren späteren ersten Mann, einen Österreicher, kennengelernt. Über berufliche Stationen in Berlin und Salzburg ging es zurück nach Celle, wo sie Ende der 1980er Jahre die "Salzburger Stuben" in Groß Hehlen eröffneten.

Rückkehr nach Celle

Nach etwa zehn Jahren folgten die Trennung von ihrem Mann und der Ausstieg aus dem gemeinsamen Betrieb. 2002 lernte sie Wolfgang, ihren zweiten Ehemann, kennen, vier Jahre später wurde geheiratet. Inzwischen hatte sie ihre Meisterprüfung und eine sonderpädagogische Ausbildung absolviert. In den Folgejahren arbeitete sie als Ausbilderin in der Hauswirtschaft sowie als Dozentin für Betreuungskräfte, unter anderem in der Familienbildungsstätte und der Deutschen Angestellten-Akademie in Celle.

"Habe mich in Celle regelrecht verliebt"

Ihr Interesse für Renaissance und Barock entdeckte sie nach und nach. „Irgendwann bin ich bei herrlichem Wetter mit offenen Augen durch unsere wunderschöne historische Altstadt geschlendert und habe mich in Celle regelrecht verliebt.“ Das Faible für die Residenzstadt und die Lektüre alter Bücher haben dazu geführt, dass sie Celle und die Gemeinde Eldingen mit anderen Augen gesehen hat. „Es geht mir immer so, wenn ich durch Celle gehe: Ich brauche nur einen Moment und schon kann ich mir vorstellen, wie die Bürger hier vor rund 350 Jahren gelebt haben.“

In Metzingen hatte Barbara Wolters Vater die damalige Dorfgaststätte „Zur Linde“ gepachtet.  Quelle: Repro: Carsten Richter

„Mittelalter keine triste Epoche“

Die Epoche vom Übergang des Mittelalters zur Frühen Neuzeit, mit der sich Salina Voltaire in ihren Romanen beschäftigt, wird häufig als trist und langweilig wahrgenommen. Mit diesem Bild möchte die Celler Autorin aufräumen. „Liebe, Lust, Leidenschaft, Familie, Freundschaft sowie die Faszination von Reichtum und an schönen Dingen gehörten damals wie heute zum Leben“, erzählt Salina Voltaire. „Langweilig war das Leben unserer Vorfahren auf keinen Fall.“

Renaissance und Barock waren Celler Blütezeit

Alle Romanhelden sind fiktiv, die Rahmenhandlung aber basiert auf historischen Tatsachen. „Eldingen im Jahre 1654 – gerade einmal sechs Jahre ist das Ende des 30-jährigen Krieges her. Das Leben der Dörfler ist von Armut, Liebe, Unglück, Glaube und Aberglaube geprägt“, heißt es auf der Rückseite des Buchcovers. Die weiteren Bände knüpfen zeitlich an den ersten Teil an, sie existieren aber bislang nur als Manuskripte. Band vier beginnt im Jahr 1675. Georg Wilhelm, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg, lebte zu diesem Zeitpunkt schon zehn Jahre auf Schloss Celle, ein Jahr später heiratete er die Hugenottin Eleonore d’Olbreuse. Sie holte nicht nur französische Glaubensgenossen in die Residenzstadt, sondern auch italienische Baumeister. Die Familie von Salina Voltaire stammt ebenfalls von Hugenotten ab – auch das erklärt ihr Interesse an dieser Epoche. „Das war die Blütezeit Celles. Es wurden der Französische und Italienische Garten angelegt und das Schlosstheater errichtet. Es kann nicht sein, dass diese Zeit niemanden interessiert.“

„Ich sehe Celle mit anderen Augen“

Ihr Wissen hat sich die Autorin, die mit ihrem Mann in der Blumlage wohnt, angelesen. „Ich erfahre immer wieder Neues.“ Die im Verlag der Celleschen Zeitung erschienenen Bände „Alte Häuser erzählen“ von Carla Meyer-Rasch und die Chronik „Geschichte der Gemeinde Eldingen“ von Adolf Meyer hätten sie inspiriert, erzählt sie. „Die Bücher haben mich Celle und Eldingen mit anderen Augen sehen lassen.“

Historische Begebenheiten und Personen werden in ihren Geschichten eingebunden. „Allerdings nur wenn meine Figuren gewillt sind, mitzuspielen“, betont sie augenzwinkernd. „Sie sind ziemlich selbstständig und tun viel zu oft Dinge, die ich nicht geplant habe.“

Aus erstem Kapitel wird große Geschichte

Aus dem ersten Kapitel, das Salina Voltaire nur für sich geschrieben hat, wurde eine große Geschichte. „Mein Mann kam auf die Idee, sie versuchsweise bei einem Verlag einzureichen.“ Die Bedingungen beim kleinen DeBehr-Verlag stimmten. Nun wartet die Autorin darauf, dass auch die weiteren Bände herausgegeben werden.

Salina Voltaire: Das Rätsel um ihr Pseudonym

Bleibt noch das Rätsel um ihr Pseudonym zu lösen. An ihren Geburtsnamen Wolter wurde fälschlicherweise häufig ein „s“ angehängt. „Das hat mich schon als Kind gestört“, sagt sie. Aus Wolter (Betonung auf der letzten Silbe) wurde dann die französische Schreibweise „Voltaire“ – nachdem sie über die Memoiren ihres Vaters erfahren hatte, dass ihre Vorfahren Hugenotten waren. Und der Vorname? „Hinter ‚Salina‘ verbirgt sich eine uralte Geschichte, die ich in meinem nächsten Projekt entschlüsseln werde“, sagt die Autorin geheimnisvoll.

lebenslauf

3. Dezember 1957

als Barbara Wolter geboren in Hannover, aufgewachsen in Metzingen

1974

Ende der Schulzeit (Mittlere Reife)

1974 bis 1978

Ausbildung zur Hauswirtschafterin

1978 bis 1989

Stationen in Hannover, Berlin
und Salzburg

1989

Rückkehr nach Celle

2002

Hochzeit mit Wolfgang

2006 bis 2018

Arbeit als Dozentin in Celle

2020

Erster Band „Die Erben von Eldingen“

„Die Erben von Eldingen“, Band 1, aus dem DeBehr-Verlag kostet 14,95 Euro und ist überall und auch als E-Book erhältlich.