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Typen Gerüchte um Dumpinglöhne bei Fahrdienst
Mehr Typen Gerüchte um Dumpinglöhne bei Fahrdienst
14:34 13.06.2010
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Dass im Transportgewerbe zum Teil erschreckend niedrige Löhne gezahlt werden, ist bekannt. Lohndumping und Stundenlöhne um die vier Euro sind keine Seltenheit. Skandalös wäre es, wenn öffentliche Behörden und Verwaltungen von solch üblen Arbeitsverhältnissen profitieren würden. Gegen eine Firma, die im Auftrag des Landkreises Fahrdienste erledigt, wird der Vorwurf des Lohndumpings erhoben. Nachweisen lässt sich das allerdings nicht. Es kursieren nur Gerüchte, die das Unternehmen entschieden zurückweist.

Zum Hintergrund: Der Landkreis Celle unterhält einen Fahrdienst, der körperlich und geistig behinderte Kinder in verschiedene Einrichtungen befördert – unter anderem auch nach Braunschweig und Hannover. Das Munsteraner Unternehmen Cohrs Kurier hat nun im Ausschreibungsverfahren den Zuschlag erhalten und soll angeblich die Dienstleistung nach den Sommerferien für deutlich weniger Geld als die bisherige Firma anbieten. Bislang hat das Unternehmen Omnivan Weinberg aus Eicklingen den Transport organisiert. Aber die Bietergemeinschaft, zu der Weinberg gehörte, ging leer aus. Rund 22 geringfügig Beschäftigte mussten ihren Hut nehmen.

„Die Schultouren wurden uns weggenommen“, sagt ein ehemaliger Weinberg-Fahrer. Cohrs Kurier aus Munster würde die Fahrer zu schlechteren Konditionen bezahlen, behauptet er. Er verweist auf Kollegen, die bei Cohrs Kurier telefonisch angefragt hätten. Ihnen soll man gesagt haben, dass man ihnen pro Tour nur drei Stunden berechnen würde. „Und das ist überhaupt nicht zu schaffen“, meint der Fahrer. „Erst wenn das erste Kind in den Bus einsteigt, soll offenbar gezahlt werden.“ Bei Weinberg habe die Arbeitszeit mit dem Verlassen der Wohnung begonnen. „Fünf Stunden braucht man für eine Schultour“, rechnet der Mann vor. „Aber nur drei Stunden werden praktisch bezahlt. Das wären rund drei Euro in der Stunde.“

Horst Pioch, Leiter Personenbeförderung bei Cohrs Kurier in Munster, weist die Behauptungen entschieden zurück. „Das machen wir nicht“, stellt er klar. Bei seinem Unternehmen werde von Dienstbeginn bis zum abschließenden Betanken der Fahrzeuge die Arbeitszeit erfasst. Pioch hält sich allerdings bedeckt, wie hoch die Fahrer-Löhne bei Cohrs Kurier genau sind. Nur soviel: „Vor dem Komma steht eine Sechs.“

Die Gerüchte um die angeblichen Dumpinglöhne haben bereits dazu geführt, dass die Eltern der Kinder in heller Aufregung sind. „Wir machen uns große Sorgen“, sagt ein Vater aus Lachendorf. „Wenn solche Billiganbieter kommen, kann das doch nur auf Kosten der Sicherheit gehen. Wir finden das skandalös.“

Zum Vergabeverfahren sagte Ulf Keller, Pressesprecher des Landkreises: „Der Zuschlag wurde an das Unternehmen vergeben, das sämtliche inhaltlichen Anforderungen an die Beförderung von Kindern mit Behinderungen qualifiziert erfüllt und dabei das wirtschaftlichste Angebot unterbreitete.“ Das Angebot der Firma Cohrs Kurier habe sich an den Vorgaben im Leistungsverzeichnis orientiert, führte Keller aus. Dabei gebe das Unternehmen einen sogenannten „Besetztkilometerpreis“ an. Das sind diejenigen Kosten, die bei einer Tour mit Fahrgästen pro Kilometer entstehen.

„Dieser Kilometerpreis wurde vom Unternehmen in einem zweiten Schritt mit einer geschätzten Streckenlänge multipliziert, so dass hieraus eine uns unterbreitete Summe entstand“, erläuterte Keller. „Über die Löhne der Fahrer ist uns durch dieses Verfahren und bis heute nichts bekannt. Sie sind schlicht und ergreifend nicht Bestandteil des Ausschreibungsverfahrens und dürfen es aus Rechtsgründen auch nicht sein.“ Europäisches Recht verbiete dies.