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Typen Gentleman im Ehrenamt
Mehr Typen Gentleman im Ehrenamt
13:56 13.06.2010
Celler Typ: Erwin Heppner am 23.04.2008
Celler Typ: Erwin Heppner am 23.04.2008 Quelle: Torsten Volkmer
Klein Hehlen

KLEIN HEHLEN. „Neider? – Vielleicht“, überlegt Erwin Heppner zurückhaltend und lange. „Aber Feinde…?“ - Das ist für Heppner unvorstellbar. Trotzdem musste er solche Fragen gemeinsam mit der Polizei erörtern, denn Brandstiftung ist kein Kavaliersdelikt und ein Brandschaden von 20000 Euro ist kein Pappenstiel. Noch immer legen die schwarz verkohlten Waschbetonplatten hinter der Garage ein deutliches Zeugnis von dem Feuer ab, das vor zwei Monaten seinen Carport erfasste und in weiten Teilen vernichtete. Zum Glück hatten Nachbarn den Brand bemerkt, denn Heppner war - wie so oft - nicht zu Hause, als es brannte. Und es ergeben sich eben solche Fragen, wenn die Brandursache nicht klar erkennbar ist.

Da findet es der Unruheständler viel interessanter, wenn ihn seine 16-jährige Enkeltochter Sinja mit ihrer ukrainischen Austauschschülerin Maja besucht. Sinja geht jetzt in die Abschlussklasse der Westerceller Realschule und ist erneut Majas Gastgeberin. Ein schönes Bild aus Kiew und ein russisches Buch mit speziellem Übersetzungsteil hat Maja dem „Gast-Opa“ mitgebracht. „Nein, da freu ich mich wirklich über die schönen Geschenke“, sagt Erwin Heppner, der lange bei der Elektronischen Kampfführung der Luftwaffe in Hambühren stationiert war und als Übersetzer fließend Russisch spricht. – Auch heute noch. Denn Lernen, Wissen erweitern und an allem interessiert sein, kennzeichnen den 74-Jährigen.

Immer über den Tellerrand blicken: Mit Orden geehrt

Schon als junger Mann hat er immer über den Tellerrand hinaus geguckt. Nach seiner, wie er sagt, „in der Nachkriegszeit aus der Not heraus begonnenen Bäckerlehre“, schloss er eine Konditorlehre an und brachte es zum Meister in diesem Beruf. Damit bewarb er sich bei der damals noch jungen Bundeswehr und sollte im Küchen- und Versorgungsbereich einen Job bekommen. Heppner drängte es aber in die Technik und so wurde er als Zeitsoldat in der Luftwaffe ausgebildet. Seinen Drang, immer Neues zu lernen, hat er behalten: Parteiarbeit in der SPD, Ratsmandat in Celle, Ortsratstätigkeit, Kirchenvorstand, Schöffe, Seniorenbeirat, Tänzer, Sportler, Organisator –

Und genau dieses breite Spektrum ehrenamtlicher Tätigkeit veranlasste Bundespräsident Freiherr Richard von Weizsäcker 1993, ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande zu verleihen. „Da bin ich stolz drauf“, freut sich Heppner noch heute. Darauf und auf die Auszeichnung der Niedersächsischen Landesregierung anlässlich des Tages der Ehrenamtlichen: Eine kleine silberne Nadel mit dem früheren Niedersachsen-Logo, einem stilisierten Pferdekopf. Schließlich sei das eine kleine äußere Anerkennung für ehrenamtliche Arbeit.

30 Jahre im Altenklub aktiver Motor

„Wenn ich was mache, mach ich es ganz“, gibt Erwin Heppner seinen Leitspruch bekannt, der überall zu spüren ist. Auch wenn der Hauptmann a. D. in seinem dicken Ordner blättert und Stück für Stück Reisenotizen und Presseberichte präsentiert, über die vielfältigen Aktivitäten des Altenklubs, den Heppner 1978 mit acht Senioren in der Lortzingstraße gegründet hat. „Jetzt holen wir alle die mal raus, die keinen Kontakt zur Umwelt haben“, gab sich die Gruppe den Auftrag, sich alle zwei Wochen mit weiteren Älteren zu treffen. „Damals war ich gerade Mitte vierzig, und mein Engagement sollte nur dem Anschub dienen. “ Aber weil Heppner so gut ankam bei den Alten, baten diese ihn, sich auch zwischendurch um Programmpunkte zu kümmern. – Auch heute noch, nach 30 Jahren. „Das ist mein Kind“, umreißt Heppner den Klub, der sich noch immer trifft. Über 100 Senioren aus dem ganzen Stadtgebiet und aus einzelnen Landkreisgemeinden gehören dazu, 60 bis 70 Personen kommen eigentlich immer zu dem Treffen im Klubzimmer des Hotels Heidekönig am Alten Bremer Weg. „Unter dem Thema ’Was man weiß und was man wissen sollte’ finden seither regelmäßig interessante Veranstaltungen statt“, gibt Heppner Einblicke in das aktive Klubleben: Firmenbesichtigungen, Weiterbildungen, Kurse, Vorträge, Tagesfahrten, Reisen - Bildungsreisen. „Meistens sind die einzelnen Punkte mit Wissenswertem verbunden.“ Beispiel der Seniorenführerschein: In einer Celler Fahrschule trainieren die Senioren den theoretischen Teil einer Führerscheinprüfung und sind überrascht, wie gut sie doch noch abschneiden würden. „Wir sagen, es soll uns auch was bringen.“ So gehört zu einem Highlight sicher auch der Besuch in der Benediktinerabtei Kloster Metten im Bayerischen Wald mit der berühmten Barockbibliothek. Demnächst gibt es einen Vortrag über altersgerechte Ernährung, einen Computerkurs für Senioren und die kommende Reise führt nach Dresden.

Das Schielen von einer Wahl zur anderen

„Für Klein Hehlen wünsche ich mir ein Dorfgemeinschaftshaus, in das Jung und Alt kommen können.“ Zwar habe man den Ralveshof eine Zeit lang als Begegnungsstätte genutzt, aber: „Nee, da bin ich nicht ganz zufrieden“, mokiert sich Heppner über das Preisniveau und die organisatorischen Hürden. „Also, das wird nie was werden“, wagt er einen Blick in die Zukunft des städtischen Gebäudes.

Ein wenig traurig sei er auch, wenn er sich die großen Parteien anschaut: „Die schielen immer nur von Wahl zu Wahl.“ Die Bundesregierung könne im Moment froh sein, Per Steinbrück zu haben, „der hält wenigstens die Finanzen zusammen.“

Und auch die von Celle verpasste Chance zum Bau eines ECE-Centers stimme ihn traurig: „Wir lassen die junge Generation weglaufen“, denkt er im Hinblick auf Arbeitsplätze und Shoppingerlebnisse. „Damals haben wir Baugebiete ausgewiesen und Gewerbegebiete geschaffen“, erinnert sich der frühere Mandatsträger an seine Zeit als Ratsherr in Celle.

Von Krügen und Krawatten

Aus Glas, Keramik und Porzellan seien die Bierkrüge, die er als Hobby nur für sich sammelt. Dabei sei auch ein Exemplar von 1820 aus Zwiesel, das er von seinem Freund Max Kagerbauer geschenkt bekommen hat, als er ihm sagte, dass er leidenschaftlicher Bierkrugsammler sei. Nicht gesagt hat er, dass er auch gern Schlipse umbindet. „Ich bin eigentlich ein Schlipsmensch und kauf mir auch schon mal eine Krawatte, wenn sie mir gefällt“, und legt sich für den Abend einen anderen Schlips bereit: Ein Theaterbesuch steht an. – Dann lässt er auch sein aktuelles Buch „Machtwahn - Wie eine mittelmäßige Führungselite uns zugrunde richtet“ von Albrecht Müller noch ein wenig auf dem Nachttisch liegen.

Vita:

1934 Geboren in Schloin, Kreis Grünberg (Niederschlesien).

1945 mit Bruder Rudolf und Mutter nach Kühlungsborn vertrieben; Besuch der Schule mit Russisch-Unterricht.

1946/47 In einer Nacht- und Nebelaktion in die Wesermarsch übergesiedelt.

1948-1951 Bäckerlehre, anschließend Ausbildung zum Konditor.

1957 Konditormeisterprüfung.

1958 Hochzeit (verwitwet sei 2006).

1958 Beginn des Dienstes als Zeitsoldat bei der Bundeswehr mit Grundausbildung in List auf Sylt; Ausbildung zum Dolmetscher (Russisch). Standorte: u. a. Osnabrück, Hambühren.

Offizier in der Elekronischen Kampfführung der Luftwaffe.

1969 Eintritt in die SPD.

Mandat im Rat der Stadt Celle; langjähriges Kirchenvorstands- und Seniorenbeiratsmitglied;

ehrenamtliche Tätigkeit als Schöffe beim Amtsgericht Celle.

1978 Beginn des Engagements für Seniorenarbeit.

1993 Auszeichnung mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande durch Bundespräsident Richard von Weizsäcker; Würdigung beim Tag der Ehrenamtlichen durch die Niedersächsische Landesregierung.

Von Lothar H. Bluhm